Eishockey: Stuttgart Rebels Dane Montgomery – der Motor der Mannschaft mit dem goldenen Helm
Dane Montgomery kam im Sommer zum Eishockey-Oberligisten und ist bereits Kapitän. Im Team hat er einen Akteur, dessen Meinung ihm besonders wichtig ist.
Dane Montgomery kam im Sommer zum Eishockey-Oberligisten und ist bereits Kapitän. Im Team hat er einen Akteur, dessen Meinung ihm besonders wichtig ist.
Von seinem Mitspieler Jannik Herm ist Dane Montgomery begeistert. Von dessen beiden Kindern aber fast noch mehr. „Sie kommen nach den Spielen immer in die Kabine, singen und tanzen, das ist einfach toll; so etwas kenne ich von meinen bisherigen Stationen nicht“, sagt der 23-jährige Verteidiger, der seit dieser Saison für den Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels spielt und bereits Kapitän ist. Die Begeisterung ist aber keine Einbahnstraße. Auch die Verantwortlichen oben auf der Waldau wissen, was sie an ihrem Sommerimport aus den Vereinigten Staaten haben. „Er ist der Motor der Mannschaft“, sagt der Teamkollege und sportliche Leiter Matt Pistilli.
Stuttgart? „Keine Ahnung“, war die erste Reaktion Montgomerys, als er das Angebot aus der Schwabenmetropole erhielt. Er wusste weder etwas über die Stadt noch über die Qualität des Teams. Letztere war ja in den ersten beiden Oberliga-Spielzeiten mit dem finalen Zeugnis „Schlusslicht“ auch überschaubar. „Ich hatte nur Kontakt mit Matt Pistilli, und das klang vielversprechend“, erinnert sich Montgomery. Weniger vielversprechend verlief indes die Saisonanfangsphase für Montgomery und die Rebels. Zwar gab es Siege, aber auch deftige Niederlagen – teils zweistellig. Für Montgomery ein Albtraum. Zum einen hasse er es, zu verlieren, „das ist immer so frustrierend“, sagt er. Zum anderen ist der Mann aus Grand Forks (rund 60 000 Einwohner) in North Dakota erfolgsverwöhnt. Zuletzt beim starken Team der University of North Dakota in der NCAA hätten er und die Seinen überwiegend Siege eingefahren, „solche krassen Niederlagen“ habe er nicht gekannt.
Doch mittlerweile sind sie deutlich seltener geworden, die deftigen Klatschen. Die Degerlocher rangieren auf Platz neun der 14 Mannschaften starken Oberliga Süd, sind also auf dem angestrebten Pre-Play-off-Kurs. Keine Selbstverständlichkeit für Montgomery und seine Mitstreiter. Die Liga sei sehr ausgeglichen, und das Ziel müsse es sein, vor allem gegen die direkte Konkurrenz und die Teams dahinter zu punkten. Nur so sei das Saisonziel realisierbar.
Doch wie ist die Steigerung der Rebels im Vergleich zum Saisonauftakt zu erklären? Entscheidend für den US-Amerikaner ist das Training. Dort gehe es härter zu als in den Spielen, gebe es kürzere Pausen. Zudem bringe jeder seine Stärken fürs Team ein. „Wir haben viele junge, gute Spieler, jeder will gewinnen. Das passt immer mehr zusammen“, sagt Montgomery. Aber auch er selbst ist ein wichtiger Faktor des Aufschwungs. „Ein echter Leader auf dem Eis und in der Kabine, vielfältig mit Stärken in der Defensive und auch Offensive“, sagt Pistilli. Wohl wahr. Nicht ohne Grund trägt der studierte Sportwissenschaftler bei den Spielen seit mehreren Wochen den Goldenen Helm: das Erkennungszeichen des Punktbesten im Team. „Eine große Ehre für mich, wobei ich glaube, dass mir Alex Blais den Helm demnächst wegschnappt“, sagt Montgomery lachend. Doch nicht nur intern setzt er Bestmarken, auch ligaweit. Mit 31 Scorerpunkten – sieben Tore und 24 Vorlagen – ist er aktuell der Top-Verteidiger beider Oberliga-Staffeln.
Freilich, Montgomery ist auch gelernter Stürmer. Doch in seinem starken Uni-Team kam er selten zum Einsatz und wurde dann zum Verteidiger umgeschult, als in der Defensive wegen Verletzungen die Alternativen rar wurden. „Die Position hat mir auch gefallen und ich bekam mehr Eiszeit, obwohl ich Toreschießen immer noch das Beste am Eishockey finde“, sagt er. Eben das Potenzial als Verteidiger mit Offensivdrang hat Pistilli bei seinen zahlreichen Videobeobachtungen über Montgomery ausgemacht und die Chance zum Zuschlag genutzt. Aus dem Uni-Team seien rund 15 Spieler für die NHL gedraftet worden, „Dane indes nicht, er hing in der Luft, und da habe ich unser Interesse bekundet“, sagt Pistilli.
Eine Win-Win-Situation, wie sich zeigen sollte. Die Rebels haben an Qualität gewonnen, und Montgomery kann sich durch gute Leistungen für höhere Ligen in Deutschland oder Europa empfehlen. Wobei er die Stuttgarter Station als „persönliche Weiterentwicklung“ sieht und vor allem vom Routinier und Verteidigerkollege Toni Ritter profitiert. „Wir tauschen uns nach jedem Spiel aus. Toni ist sehr wichtig für mich – er gibt mir Tipps, wie ich mein Spiel weiter verbessern kann“,sagt Montgomery.
Auch außerhalb der Eisfläche fühlt sich Montgomery, der in Feuerbach wohnt, gut angekommen. Nur der viele Verkehr mache ihm hier schon zu schaffen, sagt der erneut lachende Rebels-Kapitän, der sich nicht nur auf weitere Besuche „auf dem tollen Weihnachtsmarkt“ freut, sondern auch auf weitere Tanz- und Singeinlagen der Herm-Kinder nach erfolgreichen Spielen.