Eishockey: Stuttgart Rebels Eu Jin Yap – Der Mann aus dem Eishockey-Niemandsland
Eu Jin Yap aus Malaysia ist seit kurzem Cheftrainer des Oberligisten Stuttgart Rebels und hat das Team wieder auf Kurs gebracht. Wie gelang dies dem 39-Jährigen?
Eu Jin Yap aus Malaysia ist seit kurzem Cheftrainer des Oberligisten Stuttgart Rebels und hat das Team wieder auf Kurs gebracht. Wie gelang dies dem 39-Jährigen?
„Mein Herz raste, in meinem Kopf ging es drunter und drüber, ein Gedanke jagte den nächsten“, so beschreibt Eu Jin Yap den Moment, als ihn der Sportliche Leiter der Stuttgart Rebels, Matt Pistilli, und einer der Geschäftsführer, Alexander Fuchs, fragten, ob er sich vorstellen könne, beim Eishockey-Oberligisten den Part des Headcoach zu übernehmen. Zuvor war Yap Assistenztrainer von Jan Melichar, den die Degerlocher nach einer Negativserie von fünf Niederlagen in Serie vor die Tür setzten. Letztlich gab der 39-jährige Mann aus Malaysia – er hatte bis dato keine Erfahrung im Profi-Eishockey, war und ist immer noch auf der Waldau für die Jugend verantwortlich – sein Ja-Wort. „Die Aufgabe hat mich gereizt und ich weiß, ich kann nur dazu lernen. Deshalb habe ich den Schritt gewagt“, sagt er.
Bislang mit großem Erfolg. Yap hat als Hauptverantwortlicher an der Bande eine blütenweiße Weste aufzuweisen – vier Spiele, vier Siege. Wobei er bescheiden bleibt. Das sei nicht allein sein Verdienst, sondern der des gesamten Staffs. Zudem bedeute es ihm viel, dass Geschäftsführer Fuchs und der Sportliche Leiter Pistilli ihm das Vertrauen ausgesprochen hätten, die Rebels in die Pre-Playoffs zu führen. Und nicht zu vergessen sein Vorgänger Jan Melichar. „Jan hat viel in die Mannschaft investiert, eine tolle Arbeit geleistet und die Grundlagen gelegt, von denen ich jetzt profitiere.“
Jedoch ist es Yap, im Gegensatz zu Melichar gelungen, den Turnaround zu schaffen. Mit welchen Veränderungen? Grundsätzlich mit keinen, er habe nur etwas Feintuning betrieben, und versucht, das Selbstvertrauen der Spieler zu stärken, sagt er. Denn nach seiner Philosophie komme erst der Mensch und dann Eishockey. Bedeutet konkret: „Es ist mir wichtig, ein Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Spieler aufzubauen. Denn fühlt sich der Spieler wohl, dann bringt er auch die Leistung auf dem Eis.“
Generell gilt es zu klären, wie Eu Jin Yap zum Eishockey kam. In seiner Heimat Malaysia spielt der Sport so gut wie keine Rolle. Zuerst habe er Inline-Hockey gespielt, dann Eisschnelllauf betrieben und sei schließlich beim Eishockey gelandet. Das Ganze zuerst nur zum Zeitvertreib am Wochenende mit ein paar Kumpels. Doch nach und nach hat ihn immer mehr die Leidenschaft gepackt. „Ich wollte mehr über den Sport wissen, ihn nicht nur als Hobby betreiben.“ Yap stand dann sechs Jahre lang als Verteidiger in der Nationalmannschaft Malaysias, nahm an Turnieren mit Gegnern wie Taiwan oder Singapur teil. Oder wie er es beschreibt: „Gegen Teams aus Nicht-Winterländern beziehungsweise Entwicklungsländern in Sachen Eishockey.“
In dieser Zeit coachte er bereits ehrenamtlich eine Jugendmannschaft, ehe er 2015 ein Jobangebot vom malaysischen Verband bekam. Zu dieser Zeit arbeitete er in der IT-Branche und es stellte sich ihm die Frage: Soll er seine Karriere aufs Spiel setzen für eine Sache, die in seinem Land eine fragwürdige Zukunft hat? „Es war wie in den Wald zu laufen und nicht zu wissen, wo man landet. Aber gerade das und das Kuriose daran hat mich gereizt und ich habe angenommen.“ Nach zwei Jahren folgte ein Angebot aus Qatar, Eishockey weiterzuentwickeln.
Dort arbeitete Yap mit dem Headcoach Iiro Sutinen zusammen. Dieser war für ihn eine Art Mentor, hat ihm weitergeholfen. Denn für Yap stand fest: Er will in ein Land, wo Eishockey Volkssport ist, er mehr darüber lernen kann. Beispielsweise Finnland, dem Heimatland Sutinens. Mit dessen Hilfe kam er an einer finnischen Universität unter, an der er Sport und -Management mit starkem Fokus auf Eishockey studieren konnte. Drei Jahre dauerte der Studiengang, währenddessen und auch danach war Yap als Jugendtrainer und -koordinator bei renommierten finnischen Clubs wie Vaasan Sport Juniorit, Kiekko-Nikkarit sowie IFK Helsinki tätig, ehe es ihn vor zwei Jahren weiter zu den Young Rebels auf die Waldau zog.
Nun also auch noch Chef beim Profiteam der Stuttgart Rebels. Und wie sieht’s aus vor dem Heimspiel am Freitag (20 Uhr) und am Sonntag beim Spitzenreiter Deggendorf? Gegen Erding zähle nur ein Sieg, um weiterhin gut im Rennen um die Pre-Playoffs zu bleiben. Die Deggendorf-Partie sieht er indes entspannt. Im Eishockey könne alles passieren – wie sein Engagement als Profi-Trainer aus einem Eishockey-Niemandsland beweist.