Eishockey: Stuttgart Rebels Stuttgart Rebels ziehen Bilanz:„Wir sind keine Lachnummer mehr“

Der Rebels-Geschäftsführer Alexander Fuchs (links) und der sportliche Leiter Matt Pistilli ziehen Bilanz Foto: Torsten Streib

Der sportliche Leiter Matt Pistilli und der Geschäftsführer Alexander Fuchs sprechen über die am Freitag zu Ende gegangene Saison der Stuttgart Rebels.

Ein Heimsieg am Freitagabend gegen die Tölzer Löwen war für den Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels Pflicht, um die Pre-Play-offs noch zu erreichen. Doch daraus wurde nichts, die Degerlocher verloren mit 4:5 nach Penaltyschießen, womit für sie die Saison beendet ist. Für das Heimteam trafen Toni Ritter, Jayden Lammel, Matt Pistilli und Dane Montgomery. Dennoch sind der Stürmer und Sportliche Leiter Pistilli sowie der Geschäftsführer Alexander Fuchs „mit der Entwicklung des Teams zufrieden“, wie sie erzählen.

 

Herr Pistilli, Herr Fuchs, das Saisonziel Pre-Play-offs wurde verpasst. Wie fällt ihr Fazit aus?

Matt Pistilli: Es ist frustrierend, die Pre-Play-offs nicht erreicht zu haben. Doch ein klarer Aufwärtstrend war in dieser Saison erkennbar. Im Oberliga-Jahr eins hatten wir eine Regionalliga-Truppe, im zweiten Jahr haben wir leichte Fortschritte gemacht, und nun sind wir vollkommen angekommen in der Liga. In dieser Runde hat uns jedes Team ob unserer Qualität respektiert und nicht mehr als Lachnummer gesehen, wie es zuvor teilweise der Fall war. Diesen Respekt von der gesamten Liga zu bekommen, darüber können wir sehr stolz sein.

Alexander Fuchs: Zudem haben wir viel Anerkennung und Lob vom Deutschen Eishockey-Bund für unsere Entwicklung und den Standort bekommen. Zum Beispiel haben wir mit unserem Videobeweis eine Benchmark für die Liga gesetzt. Die medizinische Betreuung mit dem Klinikum Stuttgart gehört zudem zu den besten der Liga.

Doch warum wurde das Saisonziel verpasst? Zwei Spieltage vor Schluss war man ja noch auf Kurs. . .

Pistilli: Außer mir, Jannik Herm, Jack Bloem und Toni Ritter sind die Jungs unter 23 Jahre oder in ihrem ersten Profi-Jahr. Da ist es klar, dass sie Leistungsschwankungen ausgesetzt sind, was auch unsere mehrmaligen Serienniederlagen widerspiegeln. Darüber hinaus gab es die Probleme mit den nicht eingetroffenen deutschen Pässen. Zudem die Turbulenzen um unseren Topscorer Wyatt Schingoethe, der nicht zu ersetzen war. Gegen Ende hat man auch den Kräfteverschleiß bei Dauerspielern wie unserem starken Kapitän Dane Montgomery gesehen.

Fuchs: Wir hatten aber auch Probleme mit unseren Trainingszeiten. Ab Dezember hatten wir 25 Prozent weniger Eiszeit für Training, was natürlich für die Gesamtleistung nicht förderlich war. Die Stadt begründete das mit Wartungsarbeiten, die während den geblockten Zeiten allerdings auf der Eisfläche nahezu nicht wahrnehmbar waren.

Hätte man sich früher vom Trainer Jan Melichar trennen sollen?

Pistilli: In einer normale Situation wäre das schon früher erfolgt und nicht erst im Januar. Aber aufgrund unseres schmalen Etats ist eine Trennung nicht einfach möglich, will solch ein Schritt gut überlegt sein.

Ein weiteres Thema haben Sie angesprochen: Topscorer Wyatt Schingothe (15 Spiele, 15 Tore und elf Assists). Mit ihm waren sogar die Play-offs in Reichweite. Was ist konkret vorgefallen, dass er nicht mehr aufgetaucht ist?

Fuchs: Er hat den Spielerberater gewechselt, und dieser hat uns kurz vor Weihnachten verkündet, Wyatt wechselt, und zwar ligaintern zu einem direkten Konkurrenten. Obwohl nur ein Ausstieg Richtung DEL und DEL 2 im Vertrag verankert war, hätten wir noch mit uns reden lassen, wenn der neue Verein alle unserer Kosten bezüglich Wyatt übernommen hätte. Weder Spielerberater noch ein interessierter Verein haben sich danach bei uns gemeldet. Die aufgezeigten Möglichkeiten, wie er ins Team zurückkehren kann, hat er nicht genutzt beziehungsweise waren für ihn kein Weg. Folglich hat man sich zum 15. Februar getrennt. Die finanziellen Konsequenzen daraus sind sehr überschaubar – der sportliche Verlust war dagegen kaum zu ersetzen. Wir hatten komplett auf ihn vertraut, zumal ihm bewusst war, dass er die letzte Transferkarte bekommt.

Und wie ebenfalls angesprochen, war da noch die unendliche Geschichte um die Einbürgerungen von Verteidiger Matteas Derraugh, Stürmer Reagon Poncelet und Ihnen, Herr Pistilli.

Pistilli: Da haben wir keine gute Figur abgegeben, die Sache unterschätzt. Bislang hat ja nur Poncelet einen deutschen Pass, und der kam auch erst im Dezember.

Fuchs: Im Oktober hatten wir für alle drei alle Anforderungen der Behörden für einen deutschen Pass erfüllt und die mündliche grundsätzliche positive Bestätigung erhalten. Eine Gesetzesänderung erschwerte uns die Sache. Zudem kommen die personellen Probleme bei der Ausländerbehörde hinzu. Im Zuge des Wegfalls der Turbo-Einbürgerung gab es wohl auch noch diverse behördeninterne Änderungen, die die Bearbeitung verzögerte. Eine allgemeine angespannte Personalsituation in der öffentlichen Verwaltung ist auch keine Hilfe für einen schnellen Prozess. Wir müssen hier die Realität der Verwaltungssituation akzeptieren. Abseits dieser Verzögerung können wir unseren Ansprechpartnern für die konstruktive Zusammenarbeit und Begleitung nur unseren größten Dank aussprechen.

Dann noch die eklatante Heimschwäche mit nur 22 Punkten aus 26 Spielen. Der Hauptgrund für das Verpassen des Saisonziels und auch für rückläufige Zuschauerzahlen?

Pistilli: Tatsächlich ja, wobei ich mir immer noch nicht erklären kann, woran das liegt. Auswärts haben wir super performt, unter anderen die beiden Topteams Deggendorf und Memmingen geschlagen. Zu Hause hat sich in der Liga wohl schnell herumgesprochen, dass man sich auf der Waldau als Gegner wohlfühlt, dort was zu holen ist. Somit sind die Teams mit viel Selbstvertrauen angereist und wir waren verunsichert.

Fuchs: Was die Zuschaueranzahl anbelangt, liegen wir etwa 15 Prozent unter der des Vorjahrs. Jedoch sind uns auch die beiden Derbys gegen Bietigheim mit voller Hütte weggebrochen. Und gegen Heilbronn war ob deren Turbulenzen auch nur eine Heimpartie gut besucht. Die faktischen Einnahmen aus Zuschauerzahlen liegen allerdings auf demselben Niveau der letzten Spielzeit.

Die Insolvenz von Heilbronn und der Rückzug von Bayreuth beschäftigen die Liga. In Stuttgart hatte man wohl den zweitgeringsten Etat, dementsprechend ist das Abschneiden auch nicht ganz überraschend, oder?

Pistilli: Wie gesagt, wir haben eine sehr junge Mannschaft und ich bin auch der Meinung, die Oberliga sollte eine Art Ausbildungsliga für das deutsche Eishockey sein. Ist sie aber nicht. Es wird teilweise mit viel Geld um sich geschmissen, was in keiner Relation steht. Von der Stärke her ist die Oberliga im weltweiten Ligaranking an Position 25. Was die Gehälter anbelangt, jedoch zwischen Rang zwölf und 14. Das passt nicht. Vor der Runde sind viele Fans an mich herangetreten mit der Bitte, nur nicht wieder in Insolvenz zu gehen, wie es in Stuttgart häufig der Fall war. Andererseits kam viel Kritik am Abschneiden auf. Zu schnell werden die Bedingungen ausgeblendet, mit denen auf der Waldau gearbeitet wird.

Wie sieht der Etat für die kommende Saison aus?

Fuchs: Er bleibt gleich, was das Budget für die Spieler anbelangt.

Wie sehen die personellen Planungen aus, auch in Bezug auf den Coach?

Pistilli: Jannik Herm und ich machen weiter. Einige vom aktuellen Kader haben Bereitschaft bekundet, auch zu bleiben. Zwölf, 13 Spieler davon wollen wir halten. Insgesamt sollte es nun einfacher mit Verpflichtungen werden, weil die Rebels mittlerweile eine interessante Adresse sind. Die Spielerberater bieten uns nicht mehr ihre Spieler aus der F-Kategorie an, sondern aus dem C-Bereich. Einen neuen Trainer wollen wir auch verpflichten. Auch da gibt es Interessenten.

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