Ein denkwürdiger Eishockeyabend hat den ersten Sieg der Stuttgarter Rebels nach der Entlassung von Cheftrainer Jan Melichar zur Farce werden lassen. Denn die Oberliga-Partie am Freitagabend, die die Rebels mit 7:2 gewannen, stand im Heilbronner Eisstadion kurz vor dem Abbruch. „Das war für mich ein trauriger Tag für das deutsche und baden-württembergische Eishockey“, kommentierte Matt Pistilli, der Sportliche Leiter der Stuttgart Rebels, anschließend auf der Pressekonferenz.
Nach der am Mittwoch wegen Zahlungsschwierigkeiten verkündeten Insolvenz der Heilbronner Falken hatte die „Fanszene Heilbronn“ bereits im Vorfeld in einem im Internet veröffentlichten Flugblatt angekündigt, dass „die nächste Eskalationsstufe unserer Proteste erreicht wird“. Diese Androhung setzten die Heimfans dann nach fünf Minuten im Schlussdrittel in die Tat um: Beim Stand von 6:1 für die Rebels sorgten die Zuschauer mit Trillerpfeifen für eine Spielunterbrechung und warfen zudem Münzen auf das Eis.
Beide Mannschaften verließen zum Großteil das Feld und einigten sich auf einen Nichtangriffspakt. Während sich die verbliebenen Spieler den Puck hin und her spielten, ließen die beiden Schiedsrichter Erich Singaitis und Tim Heffner die Uhr herunterlaufen. Ein tatsächlicher Spielabbruch wäre mit einer 5:0-Wertung für die Rebels verbunden gewesen, bei der alle bereits erzielten Scorerpunkte nicht gewertet worden wären. Um dies zu verhindern, verblieben die beiden Torhüter Franz Jokinen und Nick Vieregge auf dem Eis. Nachdem alle Feldspieler die Spielfläche verlassen hatten, spielten sie sich mit langen Pässen den Puck hin und her und schenkten sich jeweils noch einen Treffer, wodurch sie sich selbst je einen ungewöhnlichen Scorerpunkt sicherten.
Sportlich war die Partie bereits früh entschieden. Von Beginn an präsentierten sich die Gäste gegen verunsicherte Falken hoch konzentriert und eiskalt vor dem Tor. Mit dem ersten Angriff brachte Jack Bloem die Rebels in Führung, nur wenige Minuten später erhöhte Nico Geidl auf 2:0. Die Stuttgarter hatten den deutlichen 6:1-Vorsprung bereits vor dem Schlussabschnitt herausgespielt. „Die Mannschaft hat nach dem Trainerwechsel eine gute Reaktion gezeigt“, sagt Pistilli.
Während für die Falken aufgrund der Insolvenz die Teilnahme an den Playoffs ausgeschlossen ist, kämpfen die Rebels noch um den Einzug in die K.-o.-Runde. Am Sonntag empfangen sie um 17.30 Uhr die Bayreuth Tigers in der Eiswelt Stuttgart.
Statistik zum Spiel
Tore:
0:1 Bloem (1.), 0:2 Geidl (3.), 1:2 Weyrauch (5.), 1:3 Renner (8.), 1:4 Renner (21.), 1:5 Blais (24.), 1:6 Bloem (27.), 1:7 Vieregge (56.), 2:7 Jokinen (57.)
Strafzeiten:
Heilbronn 0 Minuten / Stuttgart 6 Minuten
Zuschauer:
2135