In der vergangenen Runde machte Leon Draisaitl im Trikot der Edmonton Oilers, mit denen er jetzt gegen die Calgary Flames in die neue Spielzeit gestartet ist, noch einmal einen gewaltigen Sprung. Der zweikampfstarke Angreifer verbuchte 29 Tore und 48 Vorlagen und stürmte mit diesen 77 Scorerpunkten am bisherigen deutschen Rekordhalter Marco Sturm (59 in der Saison 2005/06) vorbei. Als erster Deutscher reihte er sich überdies unter den zehn besten Punktesammlern in der besten Liga der Welt ein.
Seinen Vater, der seit dem Ende seiner Spielerkarriere als Trainer arbeitet (zurzeit vereinslos), hat die rasante Entwicklung nicht überrascht. „Es gibt eine generelle Tendenz da drüben, dass junge zukünftige Stars Alarm machen. Conner McDavid, Austin Matthews oder Patrik Laine spielen die Liga teilweise in Grund und Boden. Leon hat das Glück und das Können, sich da einzureihen“, sagt Peter Draisaitl. Zur Belohnung gab es im August einen neuen Vertrag für Leon Draisaitl mit gewaltigen Parametern: acht Jahre Laufzeit, 68 Millionen US-Dollar (57,5 Millionen Euro).
„German Gretzky“ löst Euphorie in Edmonton aus
Mit einem Jahresgehalt von 8,5 Millionen US-Dollar (knapp 7,2 Millionen Euro) gehört er nun zu den Topverdienern der NHL. Der neue Vertrag ist eine Auszeichnung, geht aber natürlich auch mit einer gestiegenen Erwartungshaltung an den Kölner einher. Kein Problem für Leon, sagt Peter Draisaitl. „Es ist einiges auf ihn eingeprasselt. Aber so wie ich ihn kenne – und das tue ich ja schon länger – handhabt er solche Sachen relativ souverän, weil er Gott sei Dank weiter mit beiden Füßen auf dem Boden steht“, erklärt der 51-Jährige. „Es waren lange Wochen und Monate, bis man sich einig wurde. Das hat ihn sehr beschäftigt. Aber nachdem es erledigt ist, liegt das Papier jetzt auf der Bank oder in einem Safe – jetzt gilt es, Eishockey zu spielen.“
Den Edmonton Oilers, dem erfolgsverwöhnten Ex-Club des Ex-Superstars Wayne Gretzky, wird mit dem „German Gretzky“ einiges zugetraut. Sie gelten als Team der Zukunft. In der vergangenen Saison erreichten sie erstmals seit der Saison 2005/06 wieder die Play-offs, jetzt zählen sie sogar zu den Mitfavoriten. Die Euphorie in Edmonton, das Peter Draisaitl „ eine eishockeyvergiftete Stadt im positiven Sinne“ nennt, ist entsprechend groß.
Mit 21 der bestbezahlte Spieler der NHL
Mit dem 20 Jahre jungen kanadischen Wunderstürmer Connor McDavid und Leon Draisaitl an ihrer Spitze erinnern die Oilers stark an die Pittsburgh Penguins vor rund zehn Jahren. Der Meister von 2009, 2016 und 2017 wird seit dieser Zeit ebenso von gleich zwei Weltklasse-Mittelstürmern angeführt: Sidney Crosby (30) und Jewgeni Malkin (31), die ebenfalls nur ein Jahr voneinander entfernt sind, ebenfalls in aufeinanderfolgenden Jahren früh an der Spitze des Drafts (Nachwuchsspielerbörse) ausgewählt wurden und ebenfalls einen Traditionsclub wieder nach vorne gebracht haben. Auch bei ihnen war es – wie jetzt bei den Jungstars in Edmonton – anfangs noch unklar, ob das kanadische Supertalent und sein Kompagnon aus Europa zusammen in einer Reihe spielen oder jeder eine Reihe als Center anführt, wie sie das nun seit vielen Jahren erfolgreich tun. Wie einst der Russe Jewgeni Malkin weicht Leon Draisaitl immer wieder in die Rolle eines Außenstürmers an der Seite des absoluten Superstars und Kapitäns im Team aus.
„Natürlich ist es cool, wenn man mit solchen Jungs verglichen wird“, sagt Leon Draisaitl. „Ich will nicht Malkin sein, genauso wenig möchte McDavid Crosby sein. Ich will ich selbst sein und mir meinen Namen selbst verdienen und erarbeiten.“ Stand jetzt wird er das in den nächsten acht Jahren gemeinsam mit Conner McDavid tun. Denn schon vor ihm hat diesen Sommer der Kanadier einen neuen Acht-Jahres-Vertrag bei den Oilers unterschrieben. Mit einem Gehalt von 12,5 Millionen US-Dollar pro Spielzeit wird er von der Saison 2018/19 an, wenn die neuen Konditionen in Kraft treten, der bestbezahlte Spieler der Liga sein wird. Und er ist dann erst 21!