Eiskunstlauf-DM Waldau-Talent überrascht mit Meistertitel
Trotz schwieriger Vorzeichen siegt Sasha Tandogan in Oberstdorf – und wandelt damit auf den Spuren ihrer erfolgreichen Mutter. Dabei schien die Saison für die 13-Jährige fast schon gelaufen.
Trotz schwieriger Vorzeichen siegt Sasha Tandogan in Oberstdorf – und wandelt damit auf den Spuren ihrer erfolgreichen Mutter. Dabei schien die Saison für die 13-Jährige fast schon gelaufen.
Viel Zeit zum Feiern ist nicht geblieben. Da hätte Sasha Tandogan sich wohl eine andere Sportart aussuchen müssen. Fußball zum Beispiel, wo man als Beteiligter dann schon auch mal für ein Weilchen fünf gerade sein lassen kann. Siehe aktuell Messi und Co. Eiskunstlauf aber? Es dürfte kaum eine Sparte geben, die ein größeres Maß an Selbstdisziplin erfordert, wenn man es zu etwas bringen will. Und so hat die 13-Jährige schon gleich am Tag nach ihrem bislang größten Karriereerfolg das getan, was sie immer tut: Sie ist auf dem Eis gestanden und hat trainiert.
Freilich, daran dass die eigene Freude groß war und ist, ändert dies nichts. Seit der Vorweihnachtswoche ist das Toptalent des Stuttgarter ERC deutsche Meisterin. In Oberstdorf hat sie bei den Mädchen B überraschend die komplette Konkurrenz hinter sich gelassen. Tandogan wandelt damit auf den Spuren ihrer Trainerin und prominenten Mutter.
Anuschka Gläser-Tandogan war einst eine der besten Paarläuferinnen. In ihrer Vita stehen insgesamt vier nationale Meistertitel. Mehr noch: Sie nahm an Europa- und Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spielen (Lillehammer 1994) teil. Heute fungiert sie bei ihrem Heimatverein auf der Degerlocher Waldau als Übungsleiterin – und als Trainerin vor allem einer Akteurin: ihrer Tochter. Für jene ist es in die Fußstapfen der Mutter nach wie vor ein weiter Weg. Eine Basis ist aber allemal gelegt. Auf Kufen ist die Familienjüngste, die mit ihren Eltern und ihren zwei Schwestern in Botnang lebt, bereits seit zehn Jahren unterwegs. Schon als dreijähriger Knirps drehte sie ihre ersten Eisflächen-Kringel.
Inzwischen sind es längst nicht mehr nur diese, sondern das volle Wettbewerbspensum. In ihrer jetzigen Meisterkür stand Sasha Tandogan unter anderem zweimal den dreifachen Toeloop. Ihr finaler Vortrag, darin waren sich die Punktrichter einig, war der Beste. So schaffte es Tandogan von Platz zwei nach dem Kurzprogramm mit in der Summe 95,67 Zählern noch an die Spitze. Ihre Nachbarkollegin Hoshiyo Raasch vom TEC Waldau rutschte derweil vom ersten noch auf den vierten Rang.
Gerechnet hatte mit dem Coup im Hause Gläser-Tandogan keiner. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. An dem waren die Vorzeichen, Potenzial hin, Potenzial her, nämlich alles andere als gut. Im August war bei Sasha Tandogan eine Entzündung am Sitzbein diagnostiziert worden. Eine wachstumsbedingte Begleiterscheinung. Und eine schmerzhafte Angelegenheit, worauf die 13-Jährige knapp zwei Monate lang auf jegliches Sprungtraining verzichten musste. Normalerweise lässt sich ein solcher Rückstand im Lauf einer Saison nicht mehr aufholen. Damit eigentlich Prost, Mahlzeit, Feierabend. Ein aus sportlicher Sicht also verlorenes Jahr? Normalerweise und eigentlich. „Wir haben gekämpft“, sagt Anuschka Gläser-Tandogan. Und fügt an: „Leistungsmäßig sind wir gerade noch nicht da, wo wir sein wollen.“ Das eine oder andere der schwierigsten Elemente wie etwa den dreifachen Lutz ließen sie und ihre Tochter in Oberstdorf sicherheitshalber weg. Zum Meisterschaftsgewinn reichte es trotzdem.
Nun geht es in diesem Winter Schlag auf Schlag weiter: Bavarian Open, baden-württembergische Meisterschaften, Heiko-Fischer-Pokal zuhause auf der Waldau, Allgäu-Cup, Deutschland-Pokal – und zuvor noch, am 25. Januar, ein besonderer Höhepunkt. Zum zweiten Mal in ihrer jungen Laufbahn darf Sasha Tandogan auf der großen Showbühne von „Holiday on Ice“ auftreten, in der Porsche-Arena vor mehreren Tausend Zuschauern.
Auch im Hinblick darauf lautet die Devise für die Achtklässlerin des Zeppelin-Gymnasiums unverändert: Training, Training, Training. Auf dem Eis bringt sie es derzeit auf 16 Stunden pro Woche. Fünf, sechs auf dem Trockenen kommen mit Athletikeinheiten hinzu. Wie sagt Anuschka Gläser-Tandogan? „In diesem Sport ist es wichtig, dass man durchhält.“Selbst in feierwürdigen Momenten des Erfolgs.