Trainerin Olga Daumann arbeitet seit über zehn Jahren mit der jungen Eiskunstläuferin Valeria Huber zusammen. Foto: Gschwendtner
Die Trainerin vermittelt ihren Sportlern wichtige Lektionen über den Sport hinaus. Vor dem ab Freitag auf der Waldau stattfindenden Heiko-Fischer-Pokal dämpft sie die Erwartungen.
Olga Daumann behält immer die Ruhe. Auch dann, wenn die eigentliche Trainingsfläche in der Eiswelt Stuttgart ungeplant durch einen Kindergarten belegt ist. Kurzerhand verlegt die Eiskunstlauf-Trainerin des TEC Waldau die Trainingseinheit am Donnerstagmittag auf die kleinere Fläche auf der gegenüberliegenden Seite der Eiswelt.
Dabei wäre die Einheit auf dem Wettkampfeis, auf dem auch der Eishockey-Oberligist Stuttgarter Rebels seine Spiele absolviert, enorm wichtig gewesen. Ab diesem Freitag (12 Uhr) bis Sonntag (16.30 Uhr) wird der 34. Heiko-Fischer-Pokal auf dieser heimischen Fläche ausgetragen. „Wir können nicht oft auf dieser Eisfläche trainieren, deshalb nutzen wir jede Chance, die wir bekommen. Die Wettkampffläche ist größer und entspricht den internationalen Normen“, erklärt Daumann. Viel wichtiger als die richtige Größe des Eises ist jedoch die Zeit, die sie und die jungen Sportlerinnen haben. Deshalb zögert die Trainerin nicht lange und ändert ihre Pläne spontan.
Seit über zehn Jahren betreut Daumann den Großteil ihrer Schützlinge. Sie selbst war in ihrer Jugend erfolgreiche Eiskunstläuferin und Kaderathletin. „Ich habe viele Trainer erlebt und selbst viele Erfahrungen gemacht“, erzählt sie. Dies weitergeben zu können, bedeutet ihr viel. Der Übergang von aktiver Sportlerin zur Übungsleiterin und später professionellen Trainerin verlief fließend, berichtet sie. 2007 beendete die heute 36-Jährige ihre eigene Laufbahn und schlug eine Trainerlaufbahn ein. Schon zuvor hatte sie als 16-Jährige nebenher als Übungsleiterin gearbeitet. Mittlerweile besitzt sie die B-Lizenz und kann damit die talentierten Stuttgarter Kaderathletinnen betreuen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, berichtet die freiberuflich tätige Trainerin.
Zudem arbeitet Daumann als Lehrerin an einer Werkrealschule in Wangen. Dort ist sie in einer Vorbereitungsklasse für die Sprachentwicklung zuständig. Die Trainingseinheiten am Mittag mit den Nachwuchssportlerinnen gelten offiziell als Unterrichtseinheiten im Bereich Leistungssport. Die Genehmigung dafür erteilt das Landesministerium für Kultus, Jugend und Sport.
Insgesamt betreut sie acht Eiskunstläuferinnen und einen Eiskunstläufer. Unter ihren Schützlingen stechen drei Läuferinnen in der Juniorenklasse besonders hervor: Valeria Huber, Anna Orlova und Hoshiyo Raasch. Die 14-jährige Huber wurde jüngst bei den baden-württembergischen Meisterschaften Zweite, Orlova wurde Dritte. Zudem gelang Huber bei den Bavarian Open, einem international stark besetzten Wettbewerb, mit Platz neun der Sprung unter die Top Ten.
Seit über zehn Jahren betreut Daumann die jetzigen Teenager und hat sie zu Kaderathletinnen geformt. Orlova und Huber gehörten im vergangenen Jahr zum Bundeskader. Auch Raasch war bereits Teil des deutschen Elite-Kaders. Bei Huber stehen die Chancen gut, dass sie den Sprung auch in diesem Jahr wieder schafft. „Ich freue mich sehr für die Sportlerinnen und mich macht es auch immer ein bisschen stolz“, verrät Daumann.
Mit ihren Athletinnen hat sie eine enge Verbindung aufgebaut. Die meisten ihrer Schützlinge betreut sie, seit diese Kinder drei oder vier Jahre alt waren. „Ich behandle sie wie meine eigenen Kinder. Ich habe zwar zuhause auch ein Kind, hier sind es meine Kinder auf dem Eis“, sagt die Trainerin mit einem Lächeln. Sie beschreibt sich selbst als nicht die strengste Trainerin. Ihre Anweisungen sind dennoch klar und präzise. Fast täglich arbeitet sie mit den Sportlerinnen an Sprüngen und Pirouetten, Choreografie oder Kostümen. „Wichtig ist aber, die Leidenschaft und die Freude am Sport zu vermitteln“, sagt sie. Dies gelingt ihr durch ihre eigene Laufbahn. Nur so ließe sich das Pensum von fünf Tagen die Woche, insgesamt 15 bis 20 Stunden in der Eishalle, durchstehen, erklärt sie.
Ein Anliegen ist es Daumann zudem, den jungen Sportlerinnen zu vermitteln, dass auch Fehler und Rückschläge zum Leistungssport dazugehören. „Niederlagen prägen einen mehr als Siege und bringen einen auch weiter“, erklärt sie. Es könne nicht immer nur nach oben gehen, das falle den jungen Mädchen oft jedoch schwer. „Natürlich möchte jede gewinnen, es gehört aber auch dazu, mit Rückschlägen umzugehen“, sagt Daumann.
Hohe Belastungen für junge Eiskunstläuferinnen
Zumal die Sportlerinnen teils hohen Belastungen ausgesetzt sind. Nach den baden-württembergischen Meisterschaften und den Bavarian Open war unter anderem Valeria Huber noch eine Woche bei einem Lehrgang des Bundeskaders. Daher dämpft Daumann die Erwartungen für den anstehenden Heiko-Fischer-Pokal. „Es ist normal, dass der Körper irgendwann müde ist. Wir hoffen natürlich auf einen guten Ausgang, wenn nicht, dann ist es auch okay“, sagt die Trainerin. Zumal die Erfahrungen des internationalen Turniers bereits ein Mehrwert für die jungen Sportlerinnen bieten.