Eislingen reagiert auf Energiekrise Temperatur in städtischen Gebäuden wird gesenkt

Um Energie und Kosten zu sparen, senkt Eislingen die Temperaturen von Luft und Wasser im städtischen Hallenbad. Foto: Giacinto Carlucci

Zur Wärmegewinnung in Eislingen tragen die fossilen Rohstoffe rund 73 Prozent bei. Eine Studie zeigt mögliche Alternativen auf. Es geht auch um Energieeffizienz. Dämmung an Gebäuden ist wichtig.

Mehr Wärme aus regenerativen Energiequellen soll in Eislingen gewonnen werden. Zudem soll die Effizienz der eingesetzten Energie besser werden. Wie dies gehen kann, zeigt die kommunale Wärmeplanung, die laut dem Klimaschutzgesetz des Landes eine Pflichtaufgabe für Landkreise und Große Kreisstädte ist. Also auch für Eislingen. Ziel ist – der Name des Gesetzes ist Programm – das Klima besser zu schützen. Wobei eine effizientere Wärmegewinnung auch dazu beitragen würde, knappe Energieträger wie Gas und Öl einzusparen und die wegen des Krieges in der Ukraine derzeit enormen Kosten auf dem Energiesektor zu dämpfen.

 

Rund 290 000 Megawatt-Stunden Endenergie wurden im Jahr 2019 in Eislingen für die Wärmeerzeugung verbraucht. Das sind die neuesten Zahlen, die vorliegen. Endenergie ist die Energie, die nach Wandlungs- und Übertragungsverlusten übrig bleibt. Die Verbrauchsdaten entstammen dem Zwischenbericht der kommunalen Wärmeplanung, die Anika Scherenberg vom Fellbacher Büro Energielenker Projects im zuständigen Gemeinderatsausschuss für Technik und Umwelt vorgestellt hat.

87 Prozent der Wärme mit Erdöl und Erdgas gewonnen

Dabei machte sie deutlich, dass von den knapp 300 000 Megawattstunden die Stadt nur zwei Prozent verbraucht. Die Wirtschaft in Eislingen hat einen Anteil von 51 Prozent und private Haushalte kommen auf 47 Prozent. Erdgas sei der Energieträger, der in allen drei Sektoren am häufigsten eingesetzt werde. Der Anteil liegt laut Scherenberg bei 73 Prozent.

Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Energieeinsparung in Eislingen. Insbesondere der Gasverbrauch ließe sich reduzieren. Deswegen wird die Stadt in öffentlichen Gebäuden die Temperaturen reduzieren. Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt. „Nur zwei Prozent“, sagte zum Beispiel Hans-Jörg Autenrieth (CDU) mit etwas Enttäuschung in der Stimme. Im Vergleich zum Gesamtverbrauch in Eislingen sei der Anteil der Stadt damit „völlig unbedeutend“. Die Kommune könne aber Vorbild sein, erwiderte Scherenberg.

Beim Sektor Wirtschaft hat Gas als Energieträger einen hohen Anteil. Es deckte 88 Prozent des Endenergieverbrauchs der Unternehmen. Private Haushalte setzen zu 56 Prozent Erdgas und zu 23 Prozent Heizöl ein, um Wärme zu erzeugen. Kommunale Gebäude decken ihren Wärmebedarf zu 94 Prozent mit Erdgas, von Biomasse (in der Regel Holz) kommt der Rest. In der Summe ergibt sich, dass in Eislingen 87 Prozent der Endenergie für die Wärmeerzeugung mit Erdöl und Erdgas gewonnen wird. Sonnenkollektoren und Umweltwärme tragen zu einem Prozent zur Wärmeerzeugung bei. Eine ähnliche Größenordnung erreicht Strom. Holz und andere Biomasse haben einen Anteil von 11 Prozent.

Eine gute Dämmung ist wichtig

Diese Verhältnisse lassen sich durchaus in Richtung klimafreundlichere Wärmegewinnung ändern. Grundvoraussetzung ist allerdings eine gute Dämmung von Gebäuden, „damit der Verbrauch effizienter wird“, erläuterte Martin Mende, Büroleiter der Energielenker-Niederlassung Fellbach, auf Nachfrage. Ohne Dämmung ließen sich zum Beispiel Wärmepumpen, die ihre Energie über Photovoltaikanlagen erhalten, nicht sinnvoll betreiben. Liege diese Voraussetzung aber vor, lassen sich, so die Rechnung, aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme erzeugen.

In ihrer Studie hat Anika Scherenberg ermittelt, dass von den Eislinger Dächern durch die Installation von Photovoltaikanlagen etwa ein Viertel des Wärmebedarfs der Stadt gedeckt werden könnte. Welchen Beitrag die Fernwärme in Eislingen leisten kann, werde im weiteren Fortgang der Untersuchung ermittelt, kündigte Scherenberg an. Das Gesetz sieht vor, dass die Stadt bis Ende nächsten Jahres den kommunalen Fernwärmeplan aufzustellen hat.

Niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden

Sparkurs
 Die Stadt Eislingen reagiert auf die angespannte Marktlage von Gas- und anderen Energieträger mit Einsparungen.

Hallenbad
 Ein großer Energieverbraucher ist das Hallenbad. Die Wassertemperatur wird von 28 auf 26 Grad reduziert, im Lehrschwimmbecken von 32 auf 30 Grad. Die Lufttemperatur wird von 30 auf 28 Grad gesenkt.

Gebäude
 Die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden wird während der Heizperiode reduziert. In Schulsporthallen mit Sport auf 19, ohne Sport auf 17 Grad. Umkleiden sind noch 24 Grad warm. Schulen werden mit 20 Grad, Mensen mit 21 Grad beheizt.

Rathaus
 In Büros und Arbeitsräumen der Verwaltung wird die Temperatur auf 19 Grad eingestellt.

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