Die Moderation von Lars Henrik Gass (li.) passte dem Stuttgarter Kino-Betreiber Peter Erasmus (re.) nicht, es entwickelte sich ein Wortgefecht, das Michael Gaedt mit der Gitarre beruhigen wollte. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko, Lichtgut/Ferdinando Iannone, Julia Schramm
Bei der Eröffnung der Filmschau Baden-Württemberg in Stuttgart liefern sich der Moderator und ein Kino-Betreiber ein „hitziges Wortgefecht“. Michael Gaedt will die Stimmung beruhigen.
Ein Unbeteiligter aus dem Kinosaal erinnert sich an die wenigen Minuten, in denen „jede Äußerung die nächste provoziert hat“ und sich die Situation weiter „hochgeschaukelt“ hat. „Ich habe mich amüsiert“, sagt der Besucher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, über den Abend am vergangenen Mittwoch, als er im Publikum saß bei der Eröffnung der Filmschau Baden-Württemberg (3. bis 7. Dezember) im Stuttgarter Innenstadt-Kino Gloria.
Die Menschen im Kinosaal hatten gerade zusammen den Dokumentarfilm „Kinoleben – über das Arsenal in Tübingen und andere Programmkinos“ gesehen, dann startete auf der Bühne das Gespräch zwischen Moderator Lars Henrik Gass sowie dem Regisseur Goggo Gensch und Stefan Paul, dem Protagonisten des Films. Doch wie Gass moderierte, stieß vor allem einem Gast im Publikum auf: dem Stuttgarter Kino-Betreiber Peter Erasmus.
Michael Gaedt: „Ich wollte das Ding ein klein wenig entspannen“
Der beschwerte sich im Verlauf des Gesprächs über die Art der Moderation: „Er hat eine so negative Art an den Tag gelegt“, sagt Erasmus am Tag danach. Äußerungen von Gass, wonach er einen Kinofilm online gestreamt habe oder auf die Vergleiche Stuttgarts mit der amerikanischen Stadt Detroit wegen der Auto-Krise anspielte, passten Erasmus überhaupt nicht. Der Moderator, an diesem Abend zwar in seiner Rolle als Filmexperte, aber auch bekannt als Leiter des Planungsstabs des Hauses für Film und Medien, soll laut Beobachtern im Saal auf die Bemerkung geantwortet haben: „Sie waren ja schon immer gegen das Haus der Medien.“
Gespräch zwischen Moderator Lars Henrik Gass (li.) sowie dem Regisseur Goggo Gensch (Mitte) und Stefan Paul, dem Protagonisten des Films „Kinoleben“. Foto: FilmschauBW/Schoenebaum
Im Publikum saß auch der Entertainer Michael Gaedt, der direkt von einem vorigen Auftritt kam und deshalb noch seine Gitarre dabei hatte. „Ich wollte das Ding ein klein wenig entspannen“, sagt er gegenüber unserer Zeitung, „deshalb bin ich aufgestanden und habe ein kleines Liedchen angestimmt.“ An ein „paar ungeschickten Bemerkungen“ habe sich „ein hitziges Wortgefecht entzündet“, so Gaedt. Dessen kurzfristige Idee aber passte dem Festivalleiter Oliver Mahn wiederum überhaupt nicht. Also pfiff er den Entertainer wieder zurück auf seinen Platz.
Moderator Gass spricht von einem Fall an der „Grenze der Peinlichkeit“
„Dieser Auftritt war nicht Teil der Veranstaltung, ich fand das nicht passend“, erklärt Mahn. Und weiter: „Es hätte sich ja ein Gespräch entwickeln können und man kann auch anderer Meinung sein, aber das hat die spontane Musikeinlage zerstört, danach ging gar nichts mehr, schade.“ Mahn vermutet, dass die Stimmung deshalb so emotional war wegen „des wahnsinnigen Betrags, der für das Haus für Film und Medien im Raum steht“. Mehr als 100 Millionen Euro soll das Projekt kosten.
„Diese kulturpolitische Frage gehört aber nicht in so ein Gespräch“, beschwert sich Moderator Gass am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. „Herr Erasmus hat sich lautstark über eine angeblich negatives Bild von Kino, das ich vermitteln würde, beschwert – und die hohen Baukosten für dieses Projekt angeführt“, berichtet er. Gass ordnet den „grotesken“ Vorfall an „der Grenze der Peinlichkeit“ ein und spricht von einer „kindischen Diskussion“. Außerdem habe Michael Gaedt mit seinem spontanen Gitarren-Auftritt „die Sache nicht besser gemacht“.
Auseinandersetzung sorgt auch im Anschluss für Diskussionen
Das Haus für Film und Medien habe nicht den „Auftrag, das Geschäftsmodell von Herrn Erasmus zu gefährden“, stellt Gass klar. Peter Erasmus wiederum beklagt sich einen Tag nach der Veranstaltung, für seine Kinos über Jahrzehnte hinweg „nie einen Cent von der Stadt Stuttgart“ erhalten zu haben. „Stattdessen baut man in einer Hauruckaktion für viele Millionen ein Filmhaus“, sagt er und wirft der Stadt vor, „all die Jahre“ nicht in die Stuttgarter Kinos investiert zu haben – abgesehen von einem Zuschuss nach der Corona-Pandemie.
Die Auseinandersetzung zwischen den Beiden habe auch im Anschluss noch für Diskussionen gesorgt, berichtet einer aus dem Saal. Dabei sollte es am Mittwochabend doch eigentlich um den vorgestellten Dokumentarfilm gehen, wie auch Michael Gaedt bedauert und noch einmal betont: „Es war ein riesen Vergnügen, den wunderschönen Film zu sehen.“