Die Plakate hängen schon überall in der Region. Und sie verkünden Hochkarätiges: Ian Anderson und seine Musiker von Jethro Tull haben sich angesagt. Nena hat ihr Vorjahresauftritt so gut gefallen, dass sie erneut nach Leonberg kommt. Altmeister Chris de Burgh ist dabei, genau wie Kim Wilde, The Hooters und das beliebte SWR-Format „Pop und Poesie“. Es ist fürwahr ein illustres Programm, das in der vierten Auflage des Festivals Leonpalooza geboten wird.
Derjenige aber, der wie kaum ein anderer für das Sommerspektakel vor der Stadthalle gestanden hat, wird nicht dabei sein: Der Veranstaltungsmanager Nils Strassburg und seine Arbeitgeberin, die Stadt Leonberg, gehen separate Wege. Die Trennung ist sofort wirksam. Dem Vernehmen nach hat Strassburg keinen Zugang mehr zur Stadthalle.
OB: Festival findet statt
Der Leonberger Oberbürgermeister bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zu den Hintergründen will Martin Georg Cohn mit Blick auf das laufende Verfahren nichts sagen. Der OB betont aber ausdrücklich, dass das vom 13. bis zum 23. Juli terminierte Festival auf jeden Fall stattfinden wird: „Leonpalooza wird aufgrund der Personalangelegenheit keinen Schaden nehmen. Wir dürfen uns auf eine Veranstaltung mit hochkarätiger Besetzung freuen.“
Den Alltagsbetrieb vernachlässigt?
Konkrete Hinweise, dass es im Management der Stadthalle womöglich nicht mehr so rund läuft, gab es in den vergangenen Wochen nicht. Nur manche wunderten sich, dass Nils Strassburg offenbar sehr viel Zeit für seine eigentliche Passion hatte: die künstlerische Arbeit als Elvis-Interpret. Mit seiner Band, den Roll Agents, gab er zuletzt zahlreiche Konzerte, deren Fotos häufig im Internet zu sehen waren. In der Stadthalle sei er hingegen zuletzt nur noch selten gesehen worden.
Zudem war immer mal wieder Kritik zu hören, dass Strassburg vor allem Leonpalooza im Kopf habe, den normalen Hallenbetrieb mit lokalen Veranstaltungen, Seminaren, Feiern und Firmenevents hingegen vernachlässige.
Doch wenn allsommerlich die Leonpalooza-Zeit kam, waren die Bedenken an der Alltagstauglichkeit des Managers schnell zerstreut. Zu begeisternd waren die Festivals: Exzellente Künstler verbreiteten Qualität und Stimmung, die es so in Leonberg höchst selten gegeben hatte. Strassburg hatte dank seiner Kontakte ein Stück große weite Welt geholt. Für das Image von Leonberg ein Riesenschritt nach vorne.
Dabei war der heute 48-Jährige unter denkbar schwierigen Bedingungen gestartet. Praktisch zeitgleich mit seinem Dienstantritt in Leonberg legte Corona das öffentliche Leben lahm. An tolle Konzerte oder andere publikumsträchtige Veranstaltungen war nicht zu denken. Dennoch ließ Nils Strassburg die bleiernen Wochen nicht ungenutzt verstreichen.
Der Veranstaltungsmanager bastelte, unterstützt von einigen kreativen Leuten bei der Stadt, an einem Festival im Kleinformat: maximal 200 Gäste pro Abend, die – mit genügend Abstand – auf Zweiersofas aus Paletten sitzen konnten. Dazu ein anspruchsvolles Programm mit Comedy, Kabarett und Musik: Das Publikum reagierte begeistert.
Immer prominentere Stars
Leonpalooza, der Name ist an ein legendäres Festival in Amerika angelehnt, wurde zur Marke mit alljährlich prominenteren Künstlern. Im vergangenen Jahr gehörten Bob Geldof und Nena zu den Topstars. Leonberg war längst nicht nur bei Fans aus der Region eine gefragte Adresse.
Und das soll auch so bleiben. Dem Oberbürgermeister, der das Festival von Anfang an gefördert hat, ist sehr daran gelegen, dass die gebuchten Künstler wie geplant auftreten. Weitere Festivaltermine seien in Arbeit, versichert Cohn. Für ein Team, das jetzt aus dem Stand heraus die Weiterführung von Leonpalooza übernommen hat, ist das ein gewaltiger Kraftakt. Eine logistisch höchst aufwendige Großveranstaltung dieser Art ist nicht mal eben mit zwei, drei Anrufen organisiert. Zumal viele organisatorische Punkte, die zu diesem Zeitpunkt längst hätten erledigt sein sollen, offenbar ungeklärt sind.
Strassburg schweigt
So bleiben im Moment die Hoffnung, dass die Menschen im Sommer erneut ein tolles Festival genießen können, und viele offene Fragen. Denn dass solch eine abrupte Trennung schwerwiegende Gründe haben muss, liegt auf der Hand. Doch auch Nils Strassburg will sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht dazu äußern.