InterviewInterview mit Deutschland-Chef Tesla will die Großen ärgern - und Absatz in Deutschland verdoppeln

Von , Walther Rosenberger 

Teslas Deutschland-Chef Jochen Rudat wertet das Netz eigener Schnellladesäulen als großen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Großen der Branche wie Daimler und Audi. Im Moment habe nur Tesla alleine die nötige Infrastruktur für die Batterieladung.

Jochen Rudat – Tesla-Deutschland-Chef – im Interview. Er will beim Absatz draufsatteln. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Jochen Rudat – Tesla-Deutschland-Chef – im Interview. Er will beim Absatz draufsatteln. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der kalifornische Elektroauto-Pionier Tesla ist in kurzer Zeit zur Kultmarke geworden, schreibt aber immer noch rote Zahlen. Deutschland-Chef Jochen Rudat erklärt dies mit den enormen Zukunftsinvestitionen, die der Angreifer in einer Branche mit hohen Einstiegshürden stemmen müsse.

Herr Rudat, Sie waren bei Porsche und BMW und hätten wohl auch bei diesen renommierten Unternehmen Karriere machen können. Doch Sie sind lieber bei dem kalifornischen Newcomer Tesla eingestiegen. Können Sie uns diesen Wechsel erklären?
Es war ein ganz bewusster Schritt. Ich habe mich 2009 bei Tesla beworben, weil ich mich mit meiner Arbeit nicht mehr identifizieren konnte. Mir hat der Sinn gefehlt. Tesla hatte damals das spannendste Konzept für eine nachhaltige Mobilität. Als andere Autobauer alternative Antriebe nur als Power-Point-Präsentation oder als Fahrzeugstudien zeigen konnten, war Tesla schon mit dem Roadster unterwegs. Das hat mich damals begeistert und nachhaltig fasziniert!
Bevor Sie Deutschland-Chef von Tesla wurden, waren Sie Landeschef in der Schweiz. Dort ist Tesla sehr gefragt, obwohl es keine staatlichen Kaufanreize für Elektroautos gibt und die Eidgenossen generell nicht gerade als grüne Technologie-Freaks gelten. Wie haben Sie das geschafft?
Ein wichtiger Grund dafür, der manchmal unterschätzt wird, ist die Neutralität der Schweiz, die keine nationalen Autochampions hat. Man hat dort keine Präferenz für eine Marke, weil sie nationale Wurzeln hat. Deshalb konnte das Model S dort direkt seine Trümpfe voll ausspielen. Letztes Jahr ist uns gelungen, was viele für unmöglich hielten. In der Schweiz sind im vergangenen Jahr mehr Model S verkauft worden als von der S-Klasse von Mercedes-Benz, vom Porsche Panamera, vom Audi A8 und vom 7er von BMW zusammen. Die deutsche Creme de la Creme hat also weniger Autos im Segment der Oberklasse verkauft als wir mit unserem einen Modell.
In der Schweiz sind im vorigen Jahr ebenso wie in Deutschland fast 1600 Tesla neu zugelassen worden. Wie sehen die Perspektiven für Deutschland im laufenden Jahr aus, wo ja der Geländewagen Model X als zweites Modell hinzukommt?
Das Model X wird uns einen kräftigen Schub in Deutschland verleihen. Vor kurzem sind die ersten Wagen an Kunden ausgeliefert worden. In der zweiten Jahreshälfte ist eine Verdoppelung des Absatzes im Vergleich mit der zweiten Hälfte des Vorjahres definitiv drin, auch weil das Model S gerade ein Facelift erfahren hat.
Werden Sie auch das Vertriebsnetz weiter ausbauen? In zwei Jahren kommt ja noch das kompakte Model 3 hinzu.
Wir haben jetzt zwölf Vertriebs- und Servicezentren in Deutschland. Dies werden wir bis Ende 2017 verdoppeln. Wenn wir alle Leute sofort finden würden, die wir benötigen, würden wir die Mannschaft sofort verdoppeln.
Die großen Autobauer sind nicht gut auf Tesla zu sprechen, weil Sie ein eigenes Netz von Schnellladesäulen für die Marke aufgebaut haben, wo die Wagen der Wettbewerber jedoch nicht aufgeladen werden können.
Tesla begreift sich als Macher. Wenn es keinen Standard gibt, setzen wir ihn eben. Mit unseren Superchargern haben wir einen Pflock eingehauen, weil dort die Batterien deutlich schneller aufgeladen werden können als an anderen Ladesäulen in Deutschland. Dieses Netzwerk haben wir aufgebaut, weil unsere Kunden uns klar signalisiert haben, dass Sie schnell laden müssen. Mit einem Tesla kommen Sie heute vom Nordkap bis nach Italien, mit grünem Strom und gratis entlang dieses selbst aufgebauten Supercharger-Netzwerks.
Die deutschen Autobauer wollen in den kommenden Jahren eine ganze Flotte von Elektroautos auf den Markt bringen. Soll dann jeder Hersteller seine eigenen Ladesäulen errichten?
Mit den Superchargern haben wir natürlich einen Wettbewerbsvorsprung. Mercedes-Benz will jetzt auf dem Pariser Autosalon angeblich das Konzept eines Elektroautos vorstellen, das eine Reichweite von 500 Kilometern hat. Doch was macht der Kunde nach den 500 Kilometern? Ich glaube nicht, dass er sich zig Stunden an eine Raststätte stellen will, damit die Batterien aufgeladen werden können. Im Moment haben wir allein die Antwort auf diese Frage.
Wäre Tesla denn zu einer Kooperation bei den Ladesäulen bereit?
Tesla-Chef Elon Musk hat mehrfach gesagt, dass unsere Türen nicht verschlossen sind. Sobald es ein Hersteller schafft, mit unserer Ladeleistung zurechtzukommen und das Gespräch mit uns sucht, werden wir uns mit ihm zusammensetzen.