Elektronischer Lotse für Region Stuttgart Region will neue Technik für S-Bahn-Stammstrecke

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Das European Train Control System (ETCS) soll die Leistungsfähigkeit der S-Bahn-Stammstrecke in der Region Stuttgart verbessern. Der elektronische Lotse kann aber erst in einigen Jahren einsatzfähig sein.

ETCS bringt mehr Zeit zum Aus- und Einsteigen. Verkehrsminister Winfried Hermann hat sich am Mittwoch in Ditzingen über das System informiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
ETCS bringt mehr Zeit zum Aus- und Einsteigen. Verkehrsminister Winfried Hermann hat sich am Mittwoch in Ditzingen über das System informiert. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Verkehrsausschuss der Region Stuttgart dringt auf die rasche Einführung des elektronischen Lotsen European Train Control Systems (ETCS) auf der überlasteten Stammstrecke unter der Stuttgarter City. Die Kosten in Höhe von 60 Millionen Euro müsse die Bahn tragen. Bei der habe man eine funktionsfähige und pünktliche S-Bahn bestellt, aber leider bis heute nicht erhalten, so der Tenor der Debatte. Die Bahn räumte erst auf Drängen der Regionalräte ein, dass der Einbau des ETCS unter optimalen Voraussetzungen wohl erst 2019 oder 2020 mit einem konventionellen Signalsystem, das als Rückfallebene diene, möglich sei.

Bitzer: ETCS bietet noch viel Potenzial

„ETCS ist für uns ein geeignetes Mittel zur Qualitätserhöhung bei der S-Bahn“, betonte Matthias Uhlmann von der Netz AG der Bahn. Im Mittel lasse sich die Leistungsfähigkeit auf der unterirdischen Strecke um sieben Prozent erhöhen. Das hätten Simulationen des Betriebsablaufs ergeben. Die Zugfolge verkürze sich um bis zu zwölf Sekunden. „Der Einbau von ETCS kann die Leistung und die Qualität auf diesem Streckenabschnitt deutlich erhöhen“, so das Fazit des Netzexperten. Der im Zuge von Stuttgart 21 geplante Einbau von kombinierten Vor- und Hauptsignalen (KS-System) sei in puncto Leistung mit der heutigen Signalisierung, die aus getrennten Vor- und Hauptsignalen bestehe, vergleichbar. „KS bietet keine deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit“, so Uhlmann.

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„Mit der alten Signaltechnik sind wir am Ende der Fahnenstange“, bekräftigte Florian Bitzer, Abteilungsleiter beim Bahnprojekt Stuttgart – Ulm. ETCS hingegen biete noch viel Potenzial, um die „einzigartige Erfolgsgeschichte S-Bahn“ fortschreiben zu können. Deshalb sei man dafür, ETCS als Zugsicherung auf der Stammstrecke einzusetzen. Technische Voraussetzung dafür sei der im Zuge von Stuttgart 21 geplante Bau eines elektronischen Stellwerks. Da ETCS in der Landeshauptstadt wohl erstmals im Nahverkehr verwirklicht werde, sei aus Sicherheitsgründen das konventionelle KS-System als Rückfallebene notwendig. Um die einmalige Chance auf einen gleichzeitigen Einbau von KS- und ETCS-System nicht zu verpassen, müssten Region und Bahn intensiv beraten und rasch entscheiden. Dann könne die Bahn bei der für Sommer 2017 geplanten Ausschreibung auch noch den elektronischen Lotsen berücksichtigen.

Region soll zum Vorreiter werden

„ETCS ist die richtige Schraube, an der der Gesamtkonzern Bahn jetzt kräftig drehen muss“, betonte der CDU-Sprecher Rainer Ganske. Die leistungsfähige Zugbeeinflussung werde dringend zur Qualitätsverbesserung gebraucht. „Die Bahn muss jetzt in die Zukunft der S-Bahn investieren.“ „Wir brauchen ETCS“, erklärte auch Eva Mannhardt von den Grünen. Die SPD-Fraktion sieht die Bahn ebenfalls in Sachen Sicherheit und Pünktlichkeit am Zug. „Die Region muss mit der Einführung von ETCS zum Vorreiter beim Nahverkehr in Deutschland werden“, sagte deren Sprecher Thomas Leipnitz. Bernhard Maier von den Freien Wähler sah in der Sache „klare Perspektiven“, aber auch weiterhin bestehende Probleme: „Eine Halbierung des Verspätungsverlaufs ist noch lange kein Befreiungsschlag.“ Der marode Zustand der S-Bahn dürfe sich nicht bis „ins Jahr 2022 plus x hinschleppen“.

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