Elf Arbeiten des verstorbenen Altdorfer Künstlers werden erstmals gezeigt Surrealistische Kunst: Hans Bäurle Werkschau

Unbekannte Wesen aus einer anderen Welt und Zeit: Erstmals werden Arbeiten von Hans Bäurle in einer privaten Galerie gezeigt. Foto: /Stefanie Schlecht

Marko und Katrin Schacher gedenken dem kürzlich verstorbenen Hans Bäurle mit zwei Ausstellungen. Darunter sind elf unbekannte Arbeiten, die doch unverkennbar „Bäurles“ sind – mit allen offenen Fragen.

Seinen 93. Geburtstag hat er noch erlebt, dann verstarb der beliebte, surrealistische Künstler Hans Bäurle Anfang Mai im Altdorfer Samariterstift. Auf dem Marktplatz, in der Vorhalle des Rathauses, dem Hallenbad und vielen anderen Orten im Kreis erinnert noch farbintensive Kunst am Bau an Bäurle. Das Galeristenpaar Marko und Katrin Schacher, der gemeinsam mit der Witwe Ursel Bäurle den Nachlass verwaltet, bietet nun neue Einblicke in das Schaffen des beliebten Künstlers aus Altdorf.

 

Im Jahr 1931 in Königsbronn auf der Ostalb geboren, absolvierte Hans Bäurle nach dem Krieg eine Malerlehre in Heidenheim, besuchte dann eine private Kunstschule in München und studierte ab 1953 an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er saß in den 70ern im Böblinger Kunstverein und gründete im Jahr 1989 den Böblinger Galerieverein mit.

„Hans Bäurle – Neuland (der unbekannte Bäurle Teil 1)“ heißt die Schau in Marko und Katrin Schachers „Raum für Kunst und Poesie“. Ölbilder, überwiegend aus dem Jahr 2021 und 2022 sind in ihr versammelt. Auch aufgrund seines Augenleidens ist Hans Bäurle von der Acryl- zur Ölmalerei gewechselt, die zum Trocknen länger braucht. Am 15. September folgt die zweite Bäurle-Schau mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen aus verschiedenen seiner Schaffensphasen, die ungewohnte Seiten des Künstlers aufzeigen.

Während einer großen Retrospektive in der Städtischen Galerie im Sommer und Herbst 2021 hatten die Besucher vor zwei Jahren einen Überblick über Bäurles Lebenswerk gewinnen können – da wurde aber vor allem jener „bekannte“ Bäurle gezeigt.

Auf die Idee, auch einmal den unbekannten Bäurle zu präsentieren, brachte Marko Schacher ein Fund bei Petra Antiques in Schönaich. Dort stöberte er „in der dunkelsten Ecke, zwischen Dutzenden von kaputten Rahmen“ ein kleinformatiges Bild in einem Passepartout von Bäurle auf, das ihn in seiner Strahlkraft zwischen all dem anderen Plunder faszinierte.

Unter den 18 Werken der Ausstellung finden sich daher nun auch insgesamt elf noch nie gezeigte Bilder. Doch es gibt Anknüpfungspunkte zu Bekanntem: Bäurles fantasievollen Pflanzen- und Tierwesen, den Augen- und Armmotiven, den übersteigerten Farben – all dem kann man wiederbegegnen. Das Bild „Carpe Diem“, wörtlich „Pflücke den Tag“ eröffnet die Schau: Ein schlangenartiges Pflanzenwesen bläst Augen in die Luft. Oder saugt es sie ein? Man weiß es nicht. Auch, ob sich die Szene in einer Parallelwelt, auf einem anderen Planeten, in einer märchenhaften Vergangenheit oder in einer postapokalyptischen Zukunft abspielt (der Künstler warnte in früheren Arbeiten dem Waldsterben und der Klimakrise), bleibt bei Bäurle angenehm offen. Die binären Geschlechter scheinen bei ihm ebenfalls überwunden. Wo ein Wesen aufhört und ein anderes beginnt, bleibt rätselhaft.

„Zu Tränen gerührt“ oder „Freund und Feind“

Der Titel „Carpe Diem“ des ersten Bildes in der Schau könnte als Lebensmotto des alternden Künstlers gelten. Bis ins hohe Alter besuchte er Ausstellungen in der Region und war „auch bei 50 Jahre Jüngeren respektiert“, erinnert sich Marko Schacher. Allerdings sollte man sich bei Bäurle nie auf die Bildtitel verlassen, denn die Aufgabe, Namen zu finden, übergab er traditionell anderen. Auch Marko Schacher hatte zwei Jahre die Position des Titelschöpfers inne: „Er erhielt immer drei Titel zur Auswahl.“ Sagten Bäurle die Ideen nicht zu, übertrug er die Aufgabe einem anderen. Die Bilder in der aktuellen Ausstellung nennen sich zum Beispiel „Zu Tränen gerührt“, „Froschkönigs Hüpfball“ oder „Wo sind die anderen?“ Ambivalente Titel wie „Freund und Feind“ kommen Bäurles vieldeutigen Bildern aber wahrscheinlich am nächsten. „Schacher – Raum für Kunst“ war die erste kommerzielle Privatgalerie, der Bäurle seine Arbeiten anvertraute. Zuvor brachte er sie bei den zweimal, dann einmal jährlich stattfindenden Ateliertagen in Altdorf selbst unters Volk.

Bizarre Wesen von Hans Bäurle Foto: Stefanie Schlecht

Dem Künstler zu Folge kamen die Bildideen einfach aus ihm „heraus“. Ob ihn Unbewusstes oder vielleicht die intakte Natur um sein Altdorfer Atelier beeinflusste, wo er seit 1974 ansässig war, ist unbekannt. In seinen Bildern breiten sich jedenfalls vor einem niedrigen Horizont gern idyllische Felder aus, und den Himmel erfüllt ein mystisches Leuchten. Teils spielt sich das Geschehen aber auch in der Luft oder unter Wasser ab. Die Bilder bevölkern Gestalten wie ein Froschkönig-Wesen, kringelartige Kreaturen, Drachen, ein fleischfarbiges Gebilde mit Tränen in den Augen. In der Arbeit „Am Ziel ihrer Träume“ zeigt der Arm eines Wesens ins Ungewisse – vielleicht in ein neues Leben nach dem Tod.

Geöffnet ist die Galerie nur nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 0152/090 208 92 und immer durchs Schaufenster bis zum 8. September. Am 15. September folgt Teil zwei der Ausstellung.

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