Elfter Titel in Serie Bitter für die Bundesliga – der FC Bayern stellt alles auf den Kopf

Wieder Meister: Profis des FC Bayern München. Foto: Imago/Jö/rg Nieberga

Das FCB-Team gewinnt doch noch die Meisterschaft, was das Führungsduo Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic aber nicht mehr rettet. Die Konkurrenz, meint unser Autor Jochen Klingovsky, sollte nicht davon ausgehen, dass sich der Club noch einmal so viele Fehler leistet.

Fußball, heißt es stets, sei ein Ergebnissport. Seit dem letzten Spieltag der Saison 2022/23 gilt das nicht mehr uneingeschränkt. Denn ehe feststand, wie am Ende die Tabelle aussieht und ob es doch noch zur erneuten Meisterschaft reicht, schuf der FC Bayern Fakten. Der Club trennt sich von seinen beiden Machern Oliver Kahn (Vorstandsboss) und Hasan Salihamidzic (Sportvorstand). Kahn war schon nicht mehr in Köln, offiziell wegen einer Grippe. Dazu kam der bereits beschlossene Abschied, den der „Kicker“ vermeldete, als die FCB-Profis auf dem Rasen den elften Titel in Serie feierten. Fußball paradox? Fußball gnadenlos! Und das Resultat einer bemerkenswerten Fehlerkette.

 

Der FC Bayern entließ Trainer Julian Nagelsmann, unter dem bis einschließlich des Achtelfinales gegen Paris St. Germain alle Spiele in der Champions League gewonnen worden waren. Zudem stand die erfolgsverwöhnte Mannschaft im Pokal-Viertelfinale und lag auch in der Bundesliga gut im Rennen. Grund für die Trennung: Unter Nagelsmann seien alle drei Titel in Gefahr. Thomas Tuchel übernahm, schied in der Königsklasse und im Pokal aus. Zugleich zeigte sich, dass Kaderplaner Salihamidzic ein Team zusammengestellt hatte, das längst nicht so gut und ausgewogen besetzt ist, wie er stets zu erklären versuchte. Überhaupt die Kommunikation: Weder Kahn noch Salihamidzic gelang es, sich und ihre Sicht auf die Dinge plausibel und mit der nötigen Empathie zu verkaufen. Auch das wurde ihnen am Ende zum Verhängnis. Da half selbst die Meisterschaft nichts mehr – mit der allerdings auch kaum noch zu rechnen war. Und dann hätte der FC Bayern die unverhoffte Chance beinahe auch noch verspielt.

Dieser Titel ist kein Beleg der eigenen Stärke

Erst ein Tor von Jamal Musiala (89.) brachte den 2:1-Sieg beim 1. FC Köln, ein Remis hätte nicht gereicht, um den finalen Stolperer von Borussia Dortmund (2:2 gegen den FSV Mainz 05) zu nutzen. Am Ende entriss der FC Bayern dem Konkurrenten die Schale, aber es war kein Beleg für die eigene Stärke. Sondern für die Schwäche des BVB im entscheidenden Moment. 71 Punkte hätten in keinem der vergangenen zwölf Jahre zu Rang eins in der Bundesliga gereicht.

Am Ende behielt Markus Söder also doch recht. Der Ministerpräsident von Bayern hatte nach dem 3:3-Remis des BVB beim VfB Stuttgart, als die Gäste in Überzahl den Ausgleich hinnehmen mussten, gestichelt, die Dortmunder seien „zu doof, um Meister zu werden“. Söder entschuldigte sich hinterher zwar für seine flapsige Bemerkung, letztlich kam es aber so, wie von ihm prophezeit. Das war nicht nur für die Borussia extrem bitter, sondern zudem ärgerlich für die Bundesliga – es wäre ein gutes Zeichen gewesen, wenn es endlich mal wieder einem Verein gelungen wäre, Fehler des FC Bayern zu nutzen. Schließlich wird in München, das hat sich am Samstagabend gezeigt, nun alles auf den Kopf gestellt. Es sollte niemand davon ausgehen, dass der FCB nächste Saison noch einmal so viele Schwächen zeigt. Fußball wird dann ziemlich sicher wieder zum Ergebnissport. Mit dem seit elf Jahren bekannten Ausgang.

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