Krimikolumne

Elisabeth Florin: „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ Der Wahnsinn in den Bergen Südtirols

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Elisabeth Florins dritter Krimi über Commissario Pavarotti geht ans Eingemachte. „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ vibriert vor Hass, Tod und Wahnsinn in den Südtiroler Bergen.

Elisabeth hat mit Commissario Pavarotti einen eindrucksvollen Charakter erschaffen. Foto: Caleb Ridgeway
Elisabeth hat mit Commissario Pavarotti einen eindrucksvollen Charakter erschaffen. Foto: Caleb Ridgeway

Stuttgart - Elisabeth Florins dritter Krimi über den Meraner Commissario Pavarotti setzt wenige Monate nach dem Ende des zweiten Romans ein. Aus Versehen hatte der Ermittler im Showdown seine große Liebe Lissie von Spiegel angeschossen. Davon hat sich Lissie erholt, doch die Kopfverletzung hat vorläufig ihr Gedächtnis ausgelöscht. Pavarotti steht vor dem Scherbenhaufen seines Privatlebens und zerfrisst sich in Schuldgefühlen.

Das Letzte, was der Kommissar in diesem Moment brauchen kann, passiert dann natürlich: Er wird von einem alten Fall eingeholt, aus den Anfängen seiner Karriere, bei dem er gemeinsam mit seinem damaligen Chef schlechterdings versagt hat. Bei Abrissarbeiten in einem kleinen Bergdorf finden Bauarbeiter die Überreste eines seit mehr als 20 Jahren vermissten Kindes. Pavarotti hatte seinerzeit ermittelt, aber nicht verhindern können, dass das Verschwinden des Jungen für dessen Familie in einer Katastrophe endete.

Nun gilt es Schicksal des kleinen Jungen zu klären und postwendend sterben Menschen, die damals mit dem Fall oder der Familie zu tun hatten. Bald wird klar, dass jemand in dem kleinen Dorf Katharinaberg etwas zu verbergen hat – auch für Commissario Pavarotti und Lissie von Spiegel geht es bald um Leben und Tod.

An der Grenze des Glaubwürdigen

Vom Ferien- und Naturidyll Südtirols ist in Florins Krimis nichts übrig. Aus hübschen kleinen Dörfern in den Seitentälern abseits von Etsch und Passer werden ins Groteske überzeichnete Horte des Wahnsinns und der Wut. Wer dort lebt, will nur weg, und sei es mit Gewalt. Florins Figuren treiben sich in maroden Schulhäusern, vernagelten Bauernhäusern und abgelegenen Schuppen herum und geraten in bizarre Situationen, die mit der Wirklichkeit meist nicht mehr viel zu tun haben, dafür aber umso intensiver auf den Leser wirken.

Die Geschichte ist bisweilen an der Grenze des Glaubwürdigen, zu groß sind die Zufälle und zu vertrackt die Beziehungen der Menschen untereinander. Aber es passt in die Inszenierung insgesamt. Elisabeth Florin könnte wohl auch Tatort-Drehbücher für Ulrich Tukur schreiben. Prädikat: Lesenswert.