Elisabeth Kabatek liebt „Sherlock“ Mehr von diesem Holmes, bitte!

Von Ein Gastbeitrag unserer Kolumnistin Eisabeth Kabatek 

Manchmal fällt der Groschen später. Die britische Serie „Sherlock“ war längst ein Welterfolg, da guckte die Stuttgarter Bestsellerautorin Elisabeth Kabatek noch immer bewusst nicht hin. Nun aber ist ihre Liebe voll entbrannt.

Blitzgescheit ist der von Benedict Cumberbatch gespielte Titelheld von „Sherlock“ fraglos – aber eben auch ein unberechenbarer Sonderling. Foto: ARD 22 Bilder
Blitzgescheit ist der von Benedict Cumberbatch gespielte Titelheld von „Sherlock“ fraglos – aber eben auch ein unberechenbarer Sonderling. Foto: ARD

Stuttgart - Lange ließ mich der Hype völlig kalt. Dann hatte es eine Freundin bei einem Treffen plötzlich sehr eilig, nach Hause zu kommen, weil die dritte Staffel von Sherlock im Fernsehen lief. Mit diesem bleichgesichtigen, schmalbrüstigen Benedict Cumberbatch als Sherlock und dem kleinen Hobbit als Dr. Watson? Nicht mein Ding. Vielleicht mal kurz reingucken? Ich habe keinen Fernseher, aber die Folge lief als Livestream im Internet. Und fortan war’s um mich geschehen.

Ich besorgte mir die DVDs mit allen drei Staffeln, also insgesamt neun Filme, und guckte sie rauf und runter. Seit „Dallas“ habe ich mich nicht mehr für Serien ­begeistert, und das ist zugegebenermaßen schon ein Weilchen her. Plötzlich interessierte ich mich für die Dreharbeiten, Benedict Cumberbatchs Verlobung oder Multitalent Mark Gatiss, der Sherlocks Bruder Mycroft spielt, gleichzeitig Drehbücher für „Sherlock“ und „Dr. Who“ schreibt und bei „Game Of Thrones“ mitmischt.

Peinlich, aber fasziniert

Ich fand mich peinlich, konnte es aber nicht lassen; ich war Teil eines weltweiten Hypes geworden. Ich konnte mich gerade noch beherrschen, nach London zu fahren und mich zu den Tausenden kreischenden Fans zu gesellen, die Außenaufnahmen von Staffel 4 in der Baker Street 221B (im echten Leben die North Gower Street) beinahe unmöglich machten. Ich verlieh die DVDs in alle Richtungen, um weitere „Sherlock“-Anhänger zu gewinnen, was nur bedingt funktionierte; Freunde spalteten sich in „Sherlock“-Hasser und -Fans.

Hier gibt’s den Trailer zur vierten Staffel:

Was ist da nur mit mir passiert? Die Episoden orientieren sich zwar am Original von Sir Arthur Conan Doyle, sind aber sehr frei interpretiert und ins London der Gegenwart versetzt worden. Sie haben ein unglaubliches Tempo, die Spannung ist unerträglich, Cliffhanger sind gemein, Wendungen nie vorhersehbar, und wenn Sherlock in seinen „Gedankenpalast“ geht, dann sausen, für den Zuschauer visualisiert, innerhalb von Sekunden Daten, Bilder und Analysen durch sein Superhirn. Das allein ist es aber nicht. „Sherlock“ ist, wie seine Macher Steven Moffat und Mark Gatiss gern betonen, „eine Geschichte über einen Detektiv, nicht eine Detektivgeschichte.“

Ein hyperintelligenter Soziopath

Die Fälle, die Sherlock bravourös löst, sind das eine, genauso wichtig aber ist seine Beziehung zu Dr. Watson. Die ist in den ersten Folgen sehr intensiv, und nicht umsonst hält die Vermieterin Mrs Hudson die beiden für schwul. Zwei einsame Seelen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen da aufeinander: der hyperintelligente, nikotin- und morphiumabhängige Soziopath Sherlock und der traumatisierte Afghanistan-Veteran John Watson.

Unendlich langsam entwickelt sich zwischen den beiden Freundschaft und bedingungslose Loyalität, die vom autistischen Sherlock immer wieder überstrapaziert wird – er verschweigt Watson beispielsweise, dass sein Tod nur fingiert ist.