Elisabeth Kauder arbeitet mit Flüchtlingen „Solidarität wächst auf dem Boden der Bedürftigkeit“

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Debatten über eine bevorzugte Aufnahme von Christen nennt Elisabeth Kauder eine „Perversion des christlichen Menschenbildes“. Ihrer Meinung nach ist der Islam eine friedliche Religion, die wesentlich zur kulturellen Vielfalt in Europa beigetragen habe. „Die Radikalisierung ist nicht dem Islam als solches anzurechnen.“ Zudem habe sie während ihrer Aufenthalte in Bangladesch schon sehr viele Frauen in einer Burka gesehen. Vor denen müsse man doch keine Angst haben. In Griechenland hat sie erfahren: Solidarität wächst auf dem Boden der Bedürftigkeit. Menschen, denen es deutlich schlechter ginge als den Deutschen, seien zu einem hohen Maß an Hilfe bereit. Fremdenfeindlichkeit habe sie dort gar nicht erlebt. In Deutschland dagegen werde niemandem durch Flüchtlinge etwas weggenommen. Angesichts der emotionalisierten Diskussion würde sie sich wieder mehr Vernunft wünschen.

Lebenslang mit der Politik verbunden

Die Politik begleitet Elisabeth Kauder ein Leben lang. Ihr Vater war der Konstanzer Christdemokrat Hermann Biechele, der dem Bundestag fünf Wahlperioden lang bis 1980 angehörte. Im Elternhaus sei offen diskutiert worden, schildert sie. Da habe sie gelernt, eigene Standpunkte zu entwickeln. Vor 40 Jahren heiratete sie den Mann, der heute zu den einflussreichsten Politikern in Deutschland zählt. Dann baute sie Eigenes auf: Bis 2007 war sie Oberärztin am Klinikum des Landkreises Tuttlingen, dann wechselte sie zur Psychoanalyse, wurde 2011 Präsidentin von German Doctors, ließ sich 2012 in Stuttgart nieder und wurde zweite Vorsitzende des Jung-Instituts. Die regelmäßigen Aufenthalte in Kenia, Bangladesch oder Indien setzte sie fort. Griechenland steht in den Herbstferien wieder auf dem Programm, Kalkutta im Frühjahr. Das Elend der Welt lässt sie nicht los.

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