Das Elly ist eingeweiht. Die Architektur ermöglicht gemeinsames, aber auch individuelles Lernen. Foto: Lichtgut/Rettig
Seit April wurde im kompletten Neubau gelernt, nun ist er offiziell eingeweiht. Gefeiert wurde nicht nur das Gebäude, sondern auch eine vorbildliche Kooperation.
Wie kann das Lernen der Zukunft aussehen? Wie kann man Schüler am besten die Kompetenzen vermitteln, die sie brauchen? Wie kann man sie individuell fördern – und wie kann Architektur das alles unterstützen? Diese Fragen standen am Anfang des Planungsprozesses des neuen Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Bad Cannstatt. Rund 14 Jahre ist das inzwischen her. Nun wurde an diesem Mittwoch der Neubau feierlich eingeweiht.
„Alles, was wir uns gewünscht haben, erleben wir jetzt in diesem gebauten Raum, in dem es eine Freude ist zu arbeiten“, sagte der Schulleiter des „Elly“, Norbert Edel, bei der Feier. Denn der Neubau, der in zwei Bauabschnitten fertig gestellt wurde, ermöglicht, dass das Gymnasium so arbeiten kann, wie es will: differenziert, kooperativ, inklusiv. Das Elly ist Modellstandort für Inklusion in Stuttgart. Seit zehn Jahren kooperiert das Gymnasium mit der Helene-Schoettle-Schule, einem Sonderpädagogischen Bildungszentrum für Kinder mit geistiger Behinderung. Auch dieses Jubiläum wurde am Mittwoch mitgefeiert.
Innovatives Raumkonzept mit Lernclustern
Die zwei dreigeschossigen Baukörper, von Hausmann Architektur GmbH entworfen, haben ein ungewöhnliches Raumkonzept, das den vielfältigen Ansprüchen der Schule, die auch Ganztagsschule ist, Rechnung trägt: So gibt es in der Sekundarstufe Eins insgesamt sechs Lerncluster. Vier Unterrichtsräume teilen sich jeweils eine „Mitte“ – dort kann gemeinsam, aber auch individuell gelernt werden. Die Kursstufe hat einen eigenen Bereich inklusive einer Lernlandschaft. Die Mensa ist gleichzeitig auch die Aula, wo Theater und Konzerte stattfinden können, passend zum Kulturprofil des Gymnasiums, das auch mit der Musikschule kooperiert.
Die Räume sind alle sehr licht. Foto: Lichtgut/Rettig
Die Stadt Stuttgart hat mehr als 60 Millionen Euro in den Schulstandort investiert – rund 59 Millionen in den Neubau und 3,6 Millionen in die Sanierung der Sporthalle, das Land gab 5,91 Millionen an Förderung. „Sie haben hier wirklich eine tolle Schule und können stolz darauf sein, wir Stuttgarter sind es jedenfalls“, sagte die für Schulen zuständige Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer, das Elly sei „wirklich ein Vorzeigeprojekt“. Auch im Schulverwaltungsamt sei man glücklich über „das Schmuckkästchen“.
Anwohnerklagen hatten unter anderem zu Verzögerungen geführt
Wie die Schülerinnen und Schüler die neue Schule finden? Der Konrektor der Helene-Schoettle-Schule, Thomas Mästle, zitierte hierzu am Mittwoch eine seiner Schülerinnen: „Das neue Elly ist super süß“, habe diese ihm erzählt, es sei „viel besser als das alte, weil das alte kaputt und stinkig war.“
Einige Faktoren hatten beim Bau zu Verzögerungen geführt – wie der schwierige Baugrund, Anwohnerklagen und die Corona-Pandemie. Aber im April konnte endlich auch der zweite Gebäudeteil der Schule bezogen werden. Damit liegen nun die größten Einschränkungen hinter der Schulgemeinschaft. Nur die Außenanlagen sind noch nicht fertig. Feiern wollte man aber trotzdem schon, weil Norbert Edel im Sommer in den Ruhestand geht. Die Einweihung sollte unbedingt in seiner aktiven Zeit liegen.
Ehemalige Schüler berichten, wie sehr sie profitiert haben
Gerührt zeigte sich Edel bei der Feier von den Beiträgen zweier Ehemaliger des ersten Kooperationsjahrgangs: Luk Bornhak und Alyssia Yefremov. Luk Bornhak, ehemaliger Helene-Schüler, ist heute Inklusionsaktivist – auch, weil es für ihn so schmerzlich war, dass die Kooperation nach Klasse 9 endete. Er berichtete über die Tränen, die sie alle beim Abschied „in Strömen“ vergossen hätten und dankte für „die positiven Erfahrungen am Elly“. Für Alyssia Yefremov, die 2023 Abitur gemacht hat, ist die Kooperation „die wertvollste Erfahrung“ gewesen, an der sie „am meisten gewachsen“ sei. Geduld, Empathie und Kommunikationsfähigkeit habe sie die gemeinsame Zeit gelehrt. Manchmal sei es auch ein Spagat gewesen. „Aber ich habe gesehen, dass es funktioniert“, sagt die Chemiestudentin. Inklusion? Für sie sei das „ganz normal“.