Elmar Hörig Der demütige Sprücheklopfer

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In den 1990er Jahren war er der frechste Sprücheklopfer der Nation: Elmar Hörig, damals einer der erfolgreichsten Radio- und Fernsehmoderatoren Deutschlands. Doch dann stürzte er ab.

Große Klappe: Elmar Hörig Mitte der 80er Jahre bei SWF 3 Foto: SWR Baden-Baden
Große Klappe: Elmar Hörig Mitte der 80er Jahre bei SWF 3 Foto: SWR Baden-Baden

Baden-Baden - Zu seinen Glanzzeiten war Elmar Hörig ein begnadeter Unterhaltungskünstler, abgedrehter als Helge Schneider, schlagfertiger als Thomas Gottschalk und respektloser als Harald Schmidt. Hörig machte sich über jede Minderheit, jede Kirche, jede Partei lustig. Er beleidigte Fans der „Kelly Family“, imitierte „den Bettnässer“ Hitler und fälschte Verkehrsnachrichten: „Achtung Autofahrer! Auf der A 8 kommt Ihnen die A 9 entgegen!“ Die Fans liebten ihren rotzfrechen Elmi, den König der Radiosatire.

Heute verbringt Elmar Hörig seine Tage mit Golfspielen oder Skilanglauf. Als Treffpunkt für ein Gespräch über alte Zeiten schlägt er eine Bar vor, die auf alkoholfreie Drinks spezialisiert ist. Das einstige Großmaul spricht leise. War er sehr gekränkt, als er vor 14 Jahren beim Südwestrundfunk gefeuert wurde? „Man trägt so etwas sein ganzes restliches Leben rum“, antwortet Hörig, „wie eine Wunde, die niemals verheilt.“

Was macht einen Menschen verletzlich? Elmar Hörig kommt am 15. Juni 1949 in Baden-Baden zur Welt. Als er zwei Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Sein Vater war im Dritten Reich als Soldat in Russland, nach der Wiederbewaffnung wird er als Bundeswehroffizier nach Hamburg versetzt. Elmar entwickelt sich zu einem Problemkind. Er streitet sich mit der Stiefmutter, stiehlt und prügelt sich. In der Schule ist er krottenschlecht, zu Hause schwer erziehbar. Der Vater steckt ihn in das katholische Internat im badischen Sasbach.

Sein Aufstieg beginnt mit einer Lüge

Dort, umgeben von Burschen mit ähnlichen Biografien, fühlt sich Elmar akzeptiert. Seine Noten werden besser, er macht ein ordentliches Abitur und studiert in Freiburg Sport und Englisch. Er träumt davon, Rockstar zu werden, reist nach London, singt in kleinen Clubs zur Gitarre, jobbt als Straßenkehrer und pennt bei einem Kumpel. Abends schaltet er Capital Radio ein, um seinem Helden Kenny Everett zuzuhören, einem Genie des britischen Humors. Nach zwei Jahren kehrt der Beatles-Fan Hörig desillusioniert nach Freiburg zurück: Er weiß nun, dass aus ihm kein Paul McCartney wird. Stattdessen lässt er sich zum Lehrer ausbilden. Nach dem Referendariat ist Hörig arbeitslos.

Sein Aufstieg beginnt mit einer Lüge. 1980 ruft Hörig bei dem öffentlich-rechtlichen Popsender SWF 3 an und behauptet, er habe für Capital Radio gearbeitet. Programmchef Peter Stockinger lädt den unbekannten Aufschneider zu einer Probemoderation ein. Hörig setzt sich vor das Mikro und legt los. Nach ein paar Minuten geht das Rotlicht wieder aus. „Also gut, Sie dürfen die Musikbox mitmoderieren“, sagt Stockinger, ein Fachmann mit gutem Riecher. „Das ist mein Glückstag“, denkt Hörig und fährt vom Funkhaus zu seiner alten Internatsschule, um seine Bewerbungsoffensive erfolgreich fortzusetzen. Die folgenden Jahre führt Hörig ein Doppelberufsleben als Gymnasiallehrer und Radiomoderator.

1985 schmeißt er den Pädagogenjob für eine eigene Sendung, die ,,Elmi Radio Show“. Hörig wird zum SWF-3-Trendsetter. Das Hightechstudio seines britischen Vorbilds Kenny Everett lässt er sich eins zu eins im badischen Eigenheim nachbauen. Akribisch bereitet er jede „Elmi Radio Show“ vor, stellt die Musiktitel nach Lust und Laune zusammen, gestaltet Jingles, denkt sich aberwitzige Horoskope aus oder erschließt mit der Juxweltraumserie „Käpt’n Kipp Dotter“, in der er alle Figuren selber spricht, unbekannte Rundfunkgalaxien. Hörig ist kein Teamplayer, er macht alles alleine. Und nennt sich „Radiogott“.