Elon Musk in der US-Regierung Der Außerirdische greift nach der Macht
Elon Musk wird eine dominante Figur der künftigen US-Regierung unter Donald Trump. Doch wie tickt er eigentlich und wie sieht er die Welt?
Elon Musk wird eine dominante Figur der künftigen US-Regierung unter Donald Trump. Doch wie tickt er eigentlich und wie sieht er die Welt?
Elon Musk ist überall. „Bei jedem Meeting, das der künftige Präsident Donald Trump in seinem Anwesen Mar-a-Lago abhält, sitzt neben ihm jemand, der nicht gewählt ist, für nichts nominiert wurde und bis vor einigen Monaten keine nennenswerte Beziehung zu ihm hatte“, schreibt die „New York Times“. Trump hat Musk in dieser Woche zum Chef einer künftigen „Abteilung für Regierungseffizienz“ ernannt. Gegner des Staates sollen mit technokratischer Expertise dabei helfen, diesen zu zertrümmern. Das meiste ist noch unklar. Ein politisches Start-up sozusagen. Dass Musk der Trump-Loyalist und Pharmaunternehmer Vivek Ramaswamy zur Seite gestellt wurde, folgt Trumps Devise des Teilens und Herrschens.
Dies zeigt aber auch, dass Musk nicht allein ist. Er steht für eine Riege mächtiger Unternehmer, alles Männer, die eine radikale Zukunftsvision haben. Als „Tech-Bros“, also „Technologie-Bruderschaft“, werden sie tituliert. Trump mit seinem rückwärtsgewandten Slogan, Amerika wieder groß zu machen, ist im Vergleich dazu ein Mann von gestern.
Zunächst scheint Musks Motivation banal: Mit seinem Raumfahrtunternehmen Space X profitiert er von Aufträgen des Staates. Dort den Fuß in der Tür zu haben, ist lukrativ. Der Tesla-Gründer kann so für ihn lästige staatliche Regulierungen unterminieren. Nach schweren Unfällen beim autonomen Fahren ist Tesla zurzeit im Visier der Aufsichtsbehörden in einigen US-Bundesstaaten. Auch die Börsenaufsicht ist Musk auf den Fersen. „Die politische Richtschnur der Tech-Bros ist ihr Eigeninteresse, so simpel ist das. Was auch immer ihnen hilft, den nächsten Dollar zu verdienen, wird unterstützt“, sagt die Journalistin und Silicon-Valley-Expertin Kara Swisher.
Doch nach der US-Wahl geht es um mehr. Die „Tech-Bros“ sehen sich als Elite, die eine Zukunft gestaltet, in der Technologie alle Probleme löst. Der Staat ist da nur im Weg. Ein aktueller Post auf Musks Plattform X, vormals Twitter, zeigt, wohin die Reise geht: Ein Foto von sich mit Donald Trump. Darunter der Spruch „Novus ordo seclorum“. Der lateinische Satz ist auf der Dollarnote zu finden: „Eine neue Ordnung der Zeitalter“. Er stand einst für den Anspruch der USA, die Welt zu verändern. Musk greift ihn auf.
Wer ihn verstehen will, muss seine Prägungen kennen. Musk wuchs in Südafrika in schwierigen, familiären Verhältnissen auf. Seinen Vater nannte er in einem Interview einen fürchterlichen Menschen. Musk, so erzählt seine Mutter, sei als Kind ein Träumer und Eigenbrötler gewesen. Auch deshalb wurde er mit zwölf Jahren in eine der berüchtigten so genannten „Veldskools“ der Apartheid-Zeit geschickt. „Das war eine paramilitärische Version von Herr der Fliegen“, sagte Musk später – in Anspielung auf den Roman des britischen Nobelpreisträgers James Golding, in dem eine Gruppe von Kindern auf einer Insel um ihr Überleben kämpft.
Musk-Biograf Walter Isaacson beschreibt die Schule so: „ Die Kinder bekamen jeweils kleine Rationen Essen und Wasser. Man erlaubte ihnen – ja, ermutigte sie sogar dazu –, um diese zu kämpfen.“ Rasch hätten größere Kinder gelernt, den kleinen ihre Vorräte wegzunehmen: „Der schmächtige, schüchterne Elon wurde zweimal verprügelt und nahm in der Zeit im Camp fast fünf Kilo ab.“ Musk floh in die Science-Fiction, las etwa die „Foundation“-Reihe von Isaac Asimow. Die Romane beschreiben den Untergang eines galaktischen Imperiums und die Begründung einer neuen interstellaren Zivilisation durch eine Elite von Wissenschaftlern. Das Ziel: das Verhalten der Menschen mathematisch zu berechnen – und damit zu kontrollieren.
Wie weit weg er von irdischen Niederungen ist, enthüllte Musk bei einem legendären Live-Interview beim US-Podcaster Joe Rogan, der Trump unterstützt hat und insbesondere bei jungen Männern extrem populär ist. Musk trank während des Gesprächs Whisky und rauchte einen Joint. Wenn er sehe was er alles in Bewegung setze, sagte Rogan, frage er sich, woher Musk all die Zeit, die Energie und Ideen nehme. Die Antwort: „Weil ich ein Außerirdischer bin.“
Das wohl größte Projekt von Musk ist folgerichtig die Besiedelung des Mars. Ursprünglich hatte er die erste Landung seiner Raumfahrtfirma Space X für 2021 anvisiert. Nun soll es angeblich 2026 so weit sein. Und im Stil eines Außerirdischen hat er die drei Kinder aus der Beziehung mit der kanadischen Musikerin Claire Elise Boucher X AE A-XII, Exa Dark Sideræl und Techno Mechanicus genannt.
Insgesamt hat Musk zehn Kinder von drei Frauen, für die er aktuell ein Anwesen in Texas baut, um sich mit ihnen umgeben zu können. Einer der Söhne, der nach einer Geschlechtsumwandlung zur Tochter wurde, hat hingegen mit ihm gebrochen. Obsessiv attackiert Musk seither den linken Zeitgeist, der das Denken seines Kindes vergiftet habe.
Er selbst hingegen will nichts weniger, als den Menschen umkrempeln. Mit seinem Unternehmen Neuralink plant er beispielsweise, menschliche Gehirne kybernetisch mit künstlicher Intelligenz zu verbinden. Die Verschmelzung mit Computern sieht er als nächste Entwicklungsstufe der Menschheit, auch um die Macht einer allein agierenden Künstlichen Intelligenz zu kontern. Doch dafür müssen die Menschen über sich hinauswachsen. Musk peitscht Mitarbeiter vom Designer bis zum Monteur am Band zu absoluter Effizienz. Quinn Slobodian, der als Historiker der Brown-University in Providence auf das Silicon Valley blickt, beschreibt den Managementstil so: „Durch die Fabrik laufen und herausfinden, wen er feuern kann.“ Bei Twitter entließ Musk binnen Monaten nach dem Firmenkauf rund 80 Prozent der Angestellten. Genauso werde er den Staat behandeln, sagt Slobodian voraus.
Sich mit Visionen durchzusetzen, welche die Mehrheit für unmöglich hält, prägt Musks Leben. Er dulde keinen Widerspruch, für ihn gebe es nur Freunde oder Feinde, so beschreiben Weggefährten seine Mentalität. Der lange Zeit apolitische Musk beginnt allerdings jetzt erst, dieses Denken auf Staat und Gesellschaft auszuweiten.
Andere, wie der Investor Peter Thiel, der den künftigen Vizepräsident JD Vance bei Trump protegiert hat, formulieren schon länger eine politische Vision. 2009 schrieb Thiel in einem Essay: „Ich glaube nicht, dass Freiheit und Demokratie kompatibel sind.“ Bei ihm findet sich bereits das Konzept eines antiglobalistischen Kapitalismus, der das Leitbild von Donald Trump ist. Fortschritt entstehe durch innovative Technologie, nicht durch globale Konkurrenz. Und dafür brauche es Unternehmer, die Anführer sind.
In der Welt von Musk und Co. führen starke Männer in die Zukunft, entfesselt von rechtlichen und politischen Spielregeln. Ziel ist es, die Menschheit auf eine höhere Stufe zu heben. Der Einzelne ist weniger wichtig als das Ganze: Regeln müssen gebrochen, Opfer gebracht werden. Musk äußerte etwa einmal Unverständnis darüber, warum einige Todesopfer durch das autonome Fahren so wichtig genommen würden, wo langfristig doch der Fortschritt warte.
Es gab historisch schon einmal eine Bewegung, die gleichzeitig nationale Vergangenheit und technischen Fortschritt verklärte. Die von Eliten angeführt das Alte zerstören und etwas ganz Neues, Großes schaffen wollte. Die von perfekten Menschen, umgestalteten Städten, Raketen, Flugzeugen, Autobahnen und technologischer Macht träumte. Es fällt schwer, hier Anklänge an einen heiklen Begriff zu übersehen. Die Ideologie hieß – Faschismus.