Elterngeld Wenn Gleichstellung an ihre Grenzen kommt

Väter beziehen im Schnitt 3,8 Monate Elterngeld. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Noch immer nehmen Mütter mehr Elternzeit als Väter – was sich auf die Karrieren vieler Frauen ein Leben lang auswirkt. Das muss sich ändern, findet Redakteurin Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Wo die Familie beginnt, hört die Gleichberechtigung auf: So geht es nicht allen, aber vielen Paaren, wenn sie Eltern werden. Den Großteil der Sorgearbeit – das Erziehen, Kümmern, Kochen, Waschen, Putzen, Einkaufen, Aufräumen, Planen, Bringen, Abholen – übernehmen oft Frauen.

 

Das ändert sich. Aber viel zu langsam, wie die neuen Zahlen zum Elterngeld zeigen, die das Statistische Bundesamt nun vorgelegt hat. Zwar steigt der Anteil der Väter, die nach der Geburt des Kindes eine Zeit lang zu Hause bleiben. Doch dabei gibt es trotzdem krasse Unterschiede: 2024 bezogen Väter das Elterngeld im Schnitt für 3,8 Monate. Bei Müttern waren es 14,8 Monate.

Auf lange Sicht benachteiligt

Das weist darauf hin, dass Männer und Frauen in diesem Punkt noch lange nicht gleichgestellt sind. Dass es häufiger Mütter als Väter sind, die lange Elternzeit nehmen, ist dabei aber nicht das eigentliche Problem. Sondern das, was daraus häufig daraus folgt: eine grundsätzliche Ungleichheit, die Frauen auf lange Sicht benachteiligt.

Wenn Mütter schon zu Beginn der Elternschaft viel Sorgearbeit übernehmen, dann bleiben sie dafür oft auch später verantwortlich. Sie arbeiten deshalb oft in Teilzeit – was sich später wiederum auf ihre Renten auswirkt. Frauen sind überdurchschnittlich oft von Altersarmut betroffen.

Ehegattensplitting verschärft das Problem

Das wird sich nicht von allein ändern. Im Elterngeld gibt es zwar Anreize, damit die Sorgearbeit gerechter aufgeteilt wird. Mit dem Ehegattensplitting wird aber das genaue Gegenteil bewirkt. Es müsste deshalb dringend reformiert werden. Und natürlich bräuchte es in Deutschland viel mehr Kinderbetreuung.

Die Frage, wie man sich Kinder und Haushalt untereinander aufteilt, mag privat sein. Aber damit sie frei entschieden werden kann, muss sie unter fairen Bedingungen gestellt werden. Die neuen Zahlen zum Elterngeld sind ein Indikator, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist.

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