Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um das Thema Erziehung geht. Der Deutsche Kinderschutzbund bietet Elternkurse an – auch im Rems-Murr-Kreis. Dort soll das Angebot an Schulen und Kindergärten noch stärker ins Bewusstsein rücken.

Rems-Murr: Kathrin Zinser (zin)

Schorndorf - Unzählige Ratgeber gibt es zum Thema Kindererziehung – „und jeder sagt etwas anderes. Deshalb sind viele Eltern ganz arg verunsichert“. Das jedenfalls hat Eva-Maria Schäfer beobachtet. Seit einem Jahr ist die 64-Jährige beim Kreisverband Schorndorf/Waiblingen des Deutschen Kinderschutzbundes die Bereichsleiterin für Elternkurse.

Schäfer war mehrere Jahre als Rektorin tätig, zunächst an der Karl-Friedrich-Reinhard-Werkrealschule in Schorndorf, dann an der Staufer-Gemeinschaftsschule in Waiblingen. Ihre Kontakte und ihr Wissen über den Schulbetrieb möchte sie dazu nutzen, die Elternkurse, die der Deutsche Kinderschutzbund bundesweit seit 1985 anbietet, vor Ort wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken – auch bei Lehrern und Erziehern, die Eltern dann wiederum auf das Angebot aufmerksam machen können. Die Stadt Schorndorf unterstützt diese Bemühungen mit einer Förderung von rund 3500 Euro, teilt Christian Bergmann, der Leiter des Fachbereichs Familie und Soziales, mit.

Kurse sind für alle Eltern geeignet

„Wie viele Kurse es hier in den vergangenen Jahren gab, kann ich gar nicht genau sagen, ich höre immer nur, dass es schwierig gewesen ist“, erzählt Eva-Maria Schäfer. So seien manche Angebote ausgefallen, weil es schlicht nicht genügend Teilnehmer gab. Die ehemalige Rektorin will das ändern. Sie fände es gut, wenn die Kurse Einzug in die Portfolios der Schulen nähmen. Auch Kirchen, Fördervereine oder andere Einrichtungen können sich an den Kinderschutzbund wenden und einen Elternkurs für ihre Mitglieder buchen. „Diese Kurse sind für alle Eltern geeignet“, betont Schäfer. Man müsse wegkommen von der Vorstellung, dass jemand, der ein solches Angebot nutzt, automatisch ein Problem in der Erziehung hat. Vielmehr gehe es um Prävention – „je früher, desto besser“.

Für 2019 bietet der Kreisverband bisher drei Kurse im Familienzentrum in Schorndorf an, und zwar für Eltern mit Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren, von 6 bis 12 Jahren und von 3 bis 12 Jahren. Für jeweils acht Abende zahlen Paare 75 Euro, Einzelpersonen 50 Euro. Eltern, die das Geld nicht aufbringen können, können Unterstützung erhalten. „Es darf nicht am Geld scheitern“, sagt Schäfer. Mit dem Schorndorfer Familienpass reduzierten sich daher die Kosten, erklärt Christian Bergmann. Der Stadt sei bei ihrer Entscheidung zur Förderung zudem wichtig gewesen, dass auch Migranten von den Elternkursen profitieren. Eine der insgesamt acht Trainerinnen und Trainer hat türkische Wurzeln und kann den Kurs bei Bedarf auf Türkisch anbieten, berichtet Eva-Maria Schäfer.

Keine fertigen Lösungen

„Wir geben den Eltern nicht einfach Rezepte mit, sondern leiten sie an, eigene Lösungen zu entwickeln, die zu ihnen passen“, beschreibt sie das Konzept. Deshalb gehe es um Eigenreflexion, darum, sich die eigenen Werte und die positiven Seiten des Kindes bewusst zu machen. Auch das Thema Kommunikation und der Umgang mit Gefühlen werde behandelt und in vielen praktischen Übungen unter Anleitung zweier Trainer erarbeitet. „Viele Fragen, die die Eltern am Anfang haben – zum Beispiel ‚Was tue ich, wenn mein Kind nicht aufräumt?’ –, stellen sich dann am Ende gar nicht mehr, weil die Teilnehmer sie inzwischen selbst beantworten können“, hat Schäfer beobachtet.

Das Ziel der Elternkurse ist, Mütter und Väter zu stärken. Christian Bergmann ist überzeugt: „Dann können sie ihre Kinder am besten fördern.“ „Wenn Eltern sich selbst kennen, mit sich im Reinen sind, sind sie stark für ihre Kinder“, erklärt Schäfer. So lasse sich auch Gewalt in der Erziehung vermeiden. „Verbale Gewalt spielt immer noch eine große Rolle“, sagt sie.

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