Elternzeit, but make it Urlaub? Warum mich eure Pseudo-Carearbeit nervt

Es scheint so, als hätte die primäre Versorgerrolle zu viele Nachteile für Väter. Foto: Imago/Panthermedia/kasto

Ach, wie schön: Ein Vater, der Elternzeit nimmt. Aber Moment mal, ist das Bali auf dem Foto? Stadtkind-Redakteurin Carina Kriebernig ist genervt von Vätern, die so tun, als würden sie echte Carearbeit leisten, während sie mit der Familie einfach nur Urlaub machen.

Kaum ist das Baby unterwegs, planen viele Familien ihre gemeinsame Elternzeit und viele Väter werden nicht müde zu betonen, wie wichtig es für sie sei, auch mal Carearbeit zu übernehmen. Aber doch nicht alleine. Und natürlich auch nicht in der Dreizimmer-Wohnung in Stuttgart-West. Eine Fernreise muss es sein!

 

„Unser Reiseabenteuer auf Bali“, „So schön war unsere Familienzeit in Australien/Neuseeland/Bali“, „Windeln wechseln auf Weltreise – So paradiesisch war meine Elternzeit“: Wenn Papas Elternzeit nehmen, dann meistens nicht, um die Mutter beim beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen oder wertvolle Zeit mit ihrem Baby zu verbringen – Es müssen ferne Länder, neue Kulturen und Sonne satt sein. Das Kind schaukelt sich ja schließlich nebenbei und die Mama ist ja auch am Start. Klingt verlockend, oder?

Urlaub, getarnt als wertvolle Familienzeit

Es scheint so, als hätte die primäre Versorgerrolle zu viele Nachteile für Väter. Zuhause müsste Mann eben plötzlich alles übernehmen: Windeln wechseln, den Haushalt wuppen, einkaufen, zu einem Babykurs gehen oder eine Krabbelgruppe besuchen, Arzttermine vereinbaren, sich auch mal zwischen Karottenbreiflecken und vollen Wäschekörben überfordert fühlen. Da klingt so ein gemeinsamer Urlaub, getarnt als wertvolle Familienzeit, natürlich viel verheißender.

Dass Mama die ganze Elternzeit nimmt, weil sie weniger verdient als Papa, lass ich in der Diskussion auch nicht gelten. Wenn sich diese Männer dann auch noch als Feministen aufspielen und finanzielle Einbußen als Grund voranstellen, reicht es mir. Wer sich drei Fernreisen pro Jahr, ein Auto, ETF-Sparpläne für Ungeborene und jeden Sonntag Brunch leisten kann, sollte eventuell auch mal lernen, auf die paar Euro Lohn zu verzichten.

Nein, ich gönne euch Bali nicht!

Auch Mütter, die Reisen mit „Familienbindung“ und „So viel Urlaub haben wir nie wieder zusammen“-Rechtfertigungen argumentieren, kann ich nicht mehr ernst nehmen. Es ist meiner Meinung einfach nur lächerlich, wenn sich Mütter auf die Seite der Väter stellen, die sich so kinderleicht aus der Verantwortung für den gemeinsamen Nachwuchs stehlen und dies mit Urlaub rechtfertigen. Warum sollen Mütter einen möglichen Karriererückschritt einfach so hinnehmen, während Väter nichts befürchten müssen?

Ein richtiger und erster Schritt in Richtung Gleichstellung und Familienfreundlichkeit für Eltern wäre der zweiwöchig bezahlte Vaterschaftsurlaub nach der Geburt des Kindes. Das Vorhaben steht im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung und soll Familien bei den anfänglichen Herausforderungen der Elternzeit unterstützen, ohne dass sie finanzielle Einbußen befürchten müssen. Studien zeigen nämlich, dass Väter, die sich im ersten Lebensmonat um das Kind kümmern, sich auch danach stärker an der Carearbeit beteiligen würden.

Elterngeld ist kein Urlaubsgeld

Und auch die Neuregelung der Elterngeldmonate dürfte einigen Weltreisefamilien einen Strich durch die Rechnung machen. Innerhalb der 14 Elterngeldmonate dürfen Eltern – mit ein paar Ausnahmen – nämlich nur noch einen Monat gleichzeitig nehmen. Durch diese Neuregelung sollen Eltern darin bestärkt werden, Elterngeldmonate abwechselnd zu beziehen. Echte Rollenveränderungen gibt es eben nicht auf der Weltreise, sondern nur, wenn beide sich ihrer Verantwortung stellen und Väter sich endlich mal beteiligen, anstatt Reiseleiter zu spielen.

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