Ein Fußballspiel ist nach 90 Minuten meist noch nicht vorbei – es folgt die Nachspielzeit. Doch wie wird diese bestimmt? Und wie lange darf sie sein?

Stuttgart - „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Dies ist eine der vielen Fußballweisheiten, welche dem ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger zugeschrieben werden. In der Realität stimmt diese Weisheit allerdings wohl nur für den runden Ball, den die meisten Fußballspiele gehen länger als 90 Minuten.

 

In der Regel kommt zu den 90 Minuten der regulären Spielzeiten noch eine Nachspielzeit. Mit dieser soll die Zeit nachgespielt werden, welche beispielsweise durch Verletzungen von Spielern, Torjubel oder Wechsel verloren wurde. Auch soll durch die Nachspielzeit das sogenannte Zeitspiel unterbunden werden. So kann die führende Mannschaft zum Beispiel durch zahlreiche Wechsel nicht allzu viel Zeit schinden. Auch bei sehr langsam ausgeführten Einwürfen oder Freistößen kann der Schiedsrichter die Nachspielzeit verlängern – und dem Spieler eventuell sogar eine Karte zeigen.

Eine Nachspielzeit kann es nach dem Ende der ersten Halbzeit, der zweiten Halbzeit, zwischen den beiden Spielzeiten der Verlängerung und am Ende der Verlängerung geben.

Wie lange ist die Nachspielzeit?

Die Länge der Nachspielzeit ist immer individuell und wird vom Schiedsrichter nach eigenem Ermessen festgelegt. Dieser stoppt die Zeit nicht auf seiner Uhr, sondern legt sie anhand von Kriterien wie beispielsweise Anzahl der Spielerwechsel fest. Dann gibt er sie über sein Headset an den vierten Offiziellen weiter. Dieser zeigt die Zeit dann auf seiner Tafel an.

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Da die Nachspielzeit im Ermessen des Schiedsrichters liegt, gibt es auch keine Höchstgrenze. Als Spiel mit der längsten Nachspielzeit in einem internationalen Turnier gilt die Begegnung zwischen Bolivien und Südkorea bei der WM 1994. Hier ließ der Schiedsrichter 13 Minuten nachspielen.

Nachspielzeit der Nachspielzeit

Laut den Regeln der Fifa kann die vom vierten Offiziellen angezeigte Nachspielzeit nicht unterschritten werden. Sie darf allerdings vom Schiedsrichter überschritten werden, wenn auch in der Nachspielzeit durch diverse Verzögerungen viel Zeit verloren geht.

Wenn der Schiedsrichter der Meinung ist, in der ersten Halbzeit zu wenig Nachspielzeit gegeben zu haben, darf er diese Zeit nicht an der zweiten Halbzeit anhängen.