EM 2024 Albion Maliqi von der SpVgg Renningen Bei Albanern lebt die leise Hoffnung auf einen Autokorso

Mindestens ein EM-Treffer ist das Ziel: Der Albaner Jasir Asani (re./gegen den Kroaten Josko Gvardiol) steht bislang nicht in der Torschützenliste. Foto: dpa/Jens Büttner

Albion Maliqi von Kreisliga-A-Meister SpVgg Renningen hält ein Weiterkommen Albaniens in der Gruppe B für schwierig, aber nicht für utopisch. Ein Sieg über Spanien wäre aber nötig.

Albion Maliqis Augen leuchten, wenn er von der Stimmung in Albanien berichtet, die seit der Qualifikation für die EM im Land herrscht. „Die Stimmung ist irre. In Tirana gab es eine riesige Show“, erzählt er. Albanien sei ein fußballverrücktes Land, das die zweite Qualifikation für eine EM-Endrunde nach 2016 entsprechend gefeiert hat. „Jeder, wirklich jeder schaut die Länderspiele der Nationalmannschaft an“, sagt er. Aus fast jedem Fenster in den Häusern hänge eine Fahne, kaum ein Auto sei ohne die albanische Nationalflagge unterwegs.

 

Albion Maliqi wurde vor 24 Jahren in Leonberg geboren, doch im Fußball schlägt sein Herz für das Land seiner Vorfahren. Seine Eltern stammen aus dem Kosovo, Onkel und Opa leben in der Nähe von Pristina. „Eigentlich sind wir Kosovaren, aber es ist die gleiche Ethnie wie Albanien“, erklärt der Kicker der SpVgg Renningen, der in dieser Saison mit seinem Bruder Altin den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft hat.

Die Chancen von Albanien auf den Einzug ins Achtelfinale schätzt er jedoch nicht allzu hoch ein. „Die Gruppe mit Spanien, Italien und Kroatien ist eine Todesgruppe“, betont er. Wohl wahr. „Wir sind der Underdog, aber es wird auf den Tag ankommen“, sagte der 24-Jährige vor dem EM-Auftakt. Doch die riesige Überraschung blieb aus – bislang stehen ein respektables 1:2 gegen Italien sowie ein glückliches 2:2 gegen Kroatien. Einen EM-Sieg würde Maliqi gerne feiern, doch dazu müssten die Albaner Spanien an diesem Montag (21 Uhr) besiegen. Ein recht anspruchsvolle Aufgabe.

Ein Sieg gelang bei der EM 2016

Bei der EM 2016 gelang der Mannschaft des brasilianischen Trainers Sylvinho zumindest dieser eine Sieg, allerdings war’s im letzten bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Rumänien. „Trotzdem haben wir da ein Autokorso bis auf die Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart gemacht“, erinnert er sich. „Für uns zählt das Kämpferherz“.

Als Prunkstück von Albanien schätzt Albion Maliqi die Defensive um Berat Djimsiti ein, der mit Atalanta Bergamo die Europa League durch ein 3:0 im Finale gegen Bayer Leverkusen gewonnen hat. „Er hat bei Bergamo überragend gespielt“, findet Albion Maliqi, der zudem große Stücke auf Mittelfeldstratege Kristjan Asllani hält, der mit Inter Mailand italienischer Meister geworden ist. „Sein Problem ist, dass im Club auf seiner Position Hakan Calhanoglu sein direkter Konkurrent ist“, weiß der 24-Jährige. Ein Zeichen der albanischen Defensivstärke: In den Qualifikationsspielen (unter anderem gegen Tschechien und Polen) musste Albanien nur vier Gegentore hinnehmen. Der drittbeste Wert nach Portugal (2) und Frankreich (3).

Jasir Asani fehlt noch das EM-Tor

Zur Überraschung der EM könnte nach Albion Maliqis Meinung Jasir Asani werden, der in der Qualifikation gegen die Republik Moldau, Tschechien und Polen jeweils das 1:0 erzielte. „Er hat einen tollen linken Fuß“, findet Maliqi, der die Ankündigung des albanischen Stürmers, gegen alle Teams bei der EM zu treffen zu wollen, absolut gutheißt: „Es ist wichtig, groß zu denken“. Gekommen ist es anders. Bislang hat sich Jasir Asani noch nicht in die Torschützenliste bei der EM eingetragen. Klappt’s gegen Spanien?

Dem Kader fehlt die Breite

Der SpVgg-Akteur weiß aber auch, wo die Schwächen Albaniens liegen. „In der Breite sind wir nicht so gut aufgestellt. Nicht alle Nationalspieler sind in ihren Vereinen Stammspieler“, erzählt er. Zudem gebe es einige sehr junge Akteure, denen noch die Erfahrung auf hohem Niveau fehle. Anders als bei den Gruppengegnern Spanien, Italien und Kroatien gebe es nicht den sogenannten Unterschiedspieler. „Nur Kristjan Asllani hat mit Inter Mailand in der Champions League gespielt“, sagt Albion Maliqi, „aber Albanien funktioniert gut als Team.“ Das wäre ziemlich wichtig gegen Italien.

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