EM 2024 Casian Ulici vom TSV Heimerdingen Die Schwächen der Rumänen liegen im Angriff

Die Rumänen mit Ianis Hagi (mit Megafon) feiern den 3:0-Erfolg über die Ukraine in München. Foto: IMAGO//Frank Hörmann

Mittelfeldspieler Casian Ulici vom künftigen Verbandsligisten TSV Heimerdingen hofft, dass seine Landsleute ins EM-Achtelfinale vorstoßen, weiß aber um die Schwächen in der Offensive.

Die großen Zeiten der rumänischen Nationalmannschaft um Superstar Gheorghe Hagi sind eine Weile her. Seit der EM 2000, als Rumänien ins Viertelfinale einzog, qualifizierte sich das Balkanland nur noch für zwei der letzten fünf Europameisterschaften und schied 2008 sowie 2016 nach der Vorrunde jeweils ohne Sieg aus.

 

Daher überrascht die Einschätzung von Casian Ulici, der mit dem TSV Heimerdingen den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat, nicht wirklich: „In Rumänien freut man sich über die Qualifikation, aber die Erwartungen für die EM sind niedrig“, berichtet er. Der 3:0-Erfolg über die Ukraine hat vor dem Spiel gegen Belgien an diesem Samstag immerhin für Optimismus gesorgt.

Der 20-Jährige ist in Oradea im Norden des Landes geboren, wenige Kilometer von der Grenze zu Ungarn entfernt. 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland, der Großteil der Verwandtschaft lebt dagegen noch in Rumänien. „Fußball gucken alle. In Rumänien ist der Hype mit Fahnen in Fenstern und Flaggen an Autos aber nicht so krass wie in Deutschland“, erzählt er.

Zu seinem 21. Geburtstag am Dienstag gibt es vom Vater ein besonderes Geschenk: Am 26. Juni wird Casian Ulici in der Frankfurt Arena das dritte Gruppenspiel seiner Rumänen gegen die Slowakei live verfolgen. Er hofft, dass es für sein Team noch um etwas gehen wird. „Ich wünsche mir, dass Rumänien hinter Belgien Gruppenzweiter wird, aber die Ukraine muss man im Blick behalten“, betont er.

Lob für Nationalcoach Iordanescu

Große Stücke hält der 20-Jährige auf Nationaltrainer Edward Iordanescu. „Er hat in Rumänien gute Arbeit abgeliefert“, findet er. Zudem gebe es einige starke Einzelkönner im Team, die mittlerweile bei großen europäischen Vereinen unter Vertrag stehen, dort allerdings nicht über die Rolle von Ersatzspielern hinauskommen. Das gilt für Torhüter Horatiu Moldovan – die Nummer zwei bei Atletico Madrid hinter Sloweniens Nationalkeeper Jan Oblak - genauso wie für Verteidiger Radu Dragusin bei Tottenham Hotspur. Casian Ulici traut Mittelfeldakteur Dennis Man eine besondere Leistung bei der EM zu, der bei Parma Calcio allerdings nur in der zweiten italienischen Liga gespielt hat.

Hagi, der umstrittene Star

Große Diskussionen gibt es in der Heimat um den bekanntesten Namen im Team der Rumänen: Ianis Hagi, der 25-jährige Sohn von Legende Gheorghe Hagi. „In Rumänien hat man von ihm genauso viel erwartet wie von seinem Vater, aber er hat nicht geliefert“, gibt Casian Ulici die Haltung der Mehrzahl seiner Landsleute wieder. Der Mittelfeldregisseur stand zuletzt bei den Glasgow Rangers unter Vertrag, die ihn an Deportivo Alaves ausliehen. Bei keinem der beiden Vereine kam er aber so richtig in Tritt, was auch mit einem im Jahr 2022 erlittenen Kreuzbandriss zu tun haben dürfte, der Ianis Hagi eine einjährige Zwangspause bescherte.

Ulici freut sich aufs Autokorso

Die größte Schwäche hat Casian Ulici im Angriff von Rumänien ausgemacht. „Wir tun uns unglaublich schwer, Chancen zu kreieren“, sagt der 20-Jährige. Dafür hält er die Defensive des Iordanescu-Teams für sehr solide. „Rumänien ist nicht bekannt dafür, hoch zu verlieren“, erklärt er. Absolut typisch sei das 0:0 im Testspiel gegen Bulgarien Anfang Juni gewesen. Sollte Rumänien die Gruppenphase überstehen, würde Casian Ulici sich vielleicht einem Autokorso anschließen. Wenn Rumänien ausscheidet, hat er ein zweites Team, dem er Daumen drückt: Deutschland.

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