EM 2024 Große Emotionen – Rumänien träumt vom nächsten Coup
Die Unterstützung auf den Rängen ist groß, die anstehende Aufgabe aber ebenfalls: Rumänien will mit einem Team ohne große Stars auch im EM-Achtelfinale gegen die Niederlande überraschen.
Die Unterstützung auf den Rängen ist groß, die anstehende Aufgabe aber ebenfalls: Rumänien will mit einem Team ohne große Stars auch im EM-Achtelfinale gegen die Niederlande überraschen.
Der Kreis der Emotionen schließt sich, zumindest vorerst. Für Rumänien geht es im Achtelfinale der Europameisterschaft zurück an den Ort, am dem vor zwei Wochen alles begann. In München startete die Mannschaft mit einem 3:0-Sieg gegen die Ukraine in ihr EM-Abenteuer, an selber Stelle heißt nun an diesem Dienstag (18 Uhr/ARD) der Kontrahent Niederlande. Favorit sind die Rumänen dabei mitnichten, aber was heißt das schon? Das waren sie auch in ihrer ersten Partie des Turniers gegen die Ukrainer nicht, die sie dann überraschend deutlich mit 3:0 gewannen. Mit viel Leidenschaft, vor allem aber auch dank einer riesigen Unterstützung von den Zuschauerrängen.
In Scharen strömen die rumänischen Fans beim Turnier in Deutschland vom ersten Tag an in die Arenen, die sie immer wieder in ein Meer aus Gelb verwandeln. 40 000 Anhänger waren alleine beim ersten Spiel in München im Stadion, „Romania“-Sprechchöre hallten an allen Ecken und Enden durch die Stadt. In der U-Bahn, vor dem Einlass, auf den Rängen. Einfach überall. „Normalerweise beginne ich damit, meinen Spielern ein Kompliment zu machen“, hatte Cheftrainer Edward Iordanescu wenig später nach dem Einzug ins Achtelfinale gesagt, „aber diesmal möchte ich mit unseren Fans beginnen. So etwas erlebt man nur einmal im Leben.“
Mit rund 910 000 Menschen steht Rumänien laut Statistischem Bundesamt an vierter Stelle der Staaten, aus denen die meisten Menschen in Deutschland leben – nach der Türkei (1,5 Millionen) und den beiden vom Krieg gebeutelten Ländern Ukraine (1,2 Millionen) und Syrien (970 000). Viele Rumäninnen und Rumänen feiern bei dieser EM ein Fußballfest – könnten nun allerdings mit den reisefreudigen niederländischen Fans auf ebenbürtige Konkurrenz treffen.
Das Duell auf den Rängen werden sie dabei aller Voraussicht nach mit Inbrunst aufnehmen, ebenso wie jenes auf dem Rasen. Die rumänische Mannschaft verfügt über eine Menge Selbstvertrauen, in der Qualifikation hat sie sich als Gruppensieger deutlich vor dem jetzigen EM-Viertelfinalisten Schweiz durchgesetzt. Der Trumpf? Ohne Frage die oft zitierte mannschaftliche Geschlossenheit.
Die ganz großen Namen fehlen im Aufgebot – sieht man einmal von Verteidiger Radu Dragusin ab, der bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League aktiv ist. Ansonsten sind die Vereine der rumänischen Profis eine Kategorie tiefer angesiedelt, mindestens. Mittelstürmer Denis Dragus hat mit Gaziantep in der Türkei gerade so den Klassenverbleib geschafft, Mittelfeldakteur Marius Marin läuft beim SC Pisa in der zweiten italienischen Liga auf, einige andere verdienen ihr Geld in der Heimat. Mit defensiver Leidenschaft und schnörkellosem Offensivspiel aber ist das Team bis in die K.-o.-Runde vorgestoßen – ein fast schon vergessenes Gefühl.
Bei den vergangenen Europameisterschaften war Rumänien wechselweise gar nicht erst qualifiziert oder musste nach der Vorrunde die Koffer packen wie in den Jahren 2016 und 2008. Die Glanzzeiten liegen lange zurück, über allem thront bis heute der Viertelfinal-Einzug bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA mit dem nationalen Fußballhelden Gheorghe Hagi als Spielgestalter und Trainer Anghel Iordanescu als Stratege an der Seitenlinie.
Heute lässt die nächste Generation das Land wieder träumen – mit denselben Namen. Hagis Sohn Ianis steht als Spieler im Kader, Iordanescus Sohn Edward trägt als Trainer die Verantwortung. „Die Rumänen waren schon lange nicht mehr in einem solchen Zustand der Freude vereint“, sagt der Chefcoach vor dem Duell mit den Niederländern, bei denen die Stimmung seit der 2:3-Niederlage zum Abschluss der Vorrunde gegen Österreich durchaus ausbaufähig ist. Für Rumänien lässt sich das ganz und gar nicht sagen: Dieser Mannschaft, so Iordanescu, seien keine Grenzen gesetzt. Im Achtelfinale von München will sie es beweisen.