EM 2024 Große Frage zum Abschied aus Stuttgart – bleibt Murat Yakin Schweizer Coach?

Trainer Murat Yakin (Mi.) im Kreise der Schweizer Nationalspieler. Foto: imago/Laci Perenyi

Die Schweiz ist wie schon 2021 im EM-Viertelfinale im Elfmeterschießen gescheitert. Murat Yakin spricht von einer großen Chance, die verpasst wurde. Nun ist die Frage: Bleibt er Nationaltrainer?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Wenn man sich besonders wohlfühlt, dann fällt der Abschied bekanntlich auch besonders schwer. Und so waren es durchaus traurige Momente am Sonntagmittag in Stuttgart-Degerloch. „Wir haben uns“, sagte Murat Yakin, „wie zuhause gefühlt.“ Um Viertel vor zwei rollte dennoch der Mannschaftsbus des Schweizer Nationalteams aus der Einfahrt des Waldhotels – denn die Traurigkeit beim Abschied hatte ja auch einen sportlichen Grund.

 

Mit starken Leistungen hatten sich die Schweizer ins Viertelfinale dieser Europameisterschaft in Deutschland gespielt. Auch hier, im Duell mit England, stellten die Eidgenossen das über weite Strecken bessere Team. Aber: „Wir waren einen Moment lang unaufmerksam.“ Und das wurde bitter bestraft.

Buyako Saka jedenfalls glich in der 80. Minute die Schweizer Führung durch Breel Embolo aus, die Entscheidung fiel am Ende im Elfmeterschießen (wie beim Viertelfinal-Aus vor drei Jahren gegen Spanien). Und das, wusste Murat Yakin schon vorher, „ist eben Nervensache“. Manuel Akanji versagten sie. Der Verteidiger von Manchester City scheiterte gleich beim ersten Schuss der Schweizer, die Engländer trafen allesamt – so war das Aus der „Nati“ am Samstagabend besiegelt. Und: eine große Chance vertan.

Nicht nur vom möglichen und erstmaligen Einzug ins Halbfinale einer EM sprach der Nationaltrainer am Sonntag immer wieder. Auch das Endspiel in Berlin schloss Yakin immer wieder in seine Welt der Möglichkeiten ein. Was einerseits zeigt, welch großes Selbstvertrauen sich im Schweizer Team angesammelt hat. „Wir sind in diesem Jahr ungeschlagen“, sagte am Sonntag Pierluigi Tami, der Direktor im Verband SFV, „wir haben einen modernen Fußball gezeigt. Und: Egal, ob gegen Deutschland, Italien oder England – wir haben immer unseren Fußball gespielt.“ Andererseits zeigen die Ausführungen eben auch noch einmal die Größe der „verpassten Chance“ (Yakin).

Frage nach dem WM-Titel lässt Yakin schmunzeln

Die Enttäuschung war – bei allem Stolz auf das Erreichte – also groß am letzten Tag in Basecamp in Stuttgart und vor der Reise nach Zürich, wo das Schweizer Team am frühen Abend von den Fans empfangen wurde. Aber es ging auch schon um Zukunftsfragen. In deren Zentrum: Murat Yakin. Denn: Sein Vertrag endet mit Abschluss dieser EM.

Die fünf Spiele dieses Turniers waren auf jeden Fall Werbung in eigener Sache – und an Unterstützung aus den eigenen Reihen mangelt es dem früheren Profi des VfB Stuttgart nicht. „Diese Mannschaft wird nicht zusammenbrechen, sondern noch einmal aufstehen“, sagte der Kapitän Granit Xhaka – und sandte eine weitere Botschaft an die Verantwortlichen des Verbandes: „Wir wünschen uns klar, dass der Trainer bleibt. Er ist der richtige Mann für diese Mannschaft.“

Das sieht man beim SFV gar nicht unbedingt anders. Es sei „Plan A“, mit Yakin und dessen Assistenten Giorgio Contini weiterzuarbeiten, versicherte am Sonntag Pierluigi Tami. Allerdings haben sich der Trainer und die Verbandsoberen auf die Tage und Wochen nach der EM vertagt – weshalb nun eben noch nicht klar ist, wie es weitergehen wird. Zwar bekennt sich auch Murat Yakin zu seinem bisherigen Job: „Die Nationalmannschaft hat Priorität.“ Zudem hat er vor und nach den EM-Spielen auch immer den Schulterschluss mit den Fans forciert. Auf die anstehenden Gespräche verweist der 49-Jährige dennoch.

„Das Gespür und das Vertrauen zueinander“ müssten stimmen, meinte Yakin, sonst sei so ein Vertrag ja nur ein Stück Papier, „wir werden sehen, was sich in den Gesprächen entwickelt“. Klar ist schon jetzt: Ziele und Ansprüche der Schweizer sind durch die EM 2024 gewachsen. Zum Ende der Tage von Stuttgart musste Murat Yakin denn auch noch die Frage beantworten, ob er sich – wie der deutsche Bundestrainer Julian Nagelsmann – nun den WM-Titel 2026 als Ziel setze.

Der Coach brauchte ein paar Sekunden, um die Frage zu verarbeiten – dann musste er schmunzeln. Trotz all der Traurigkeit des Abschieds.

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