Informierte Slowenen mit Hunger auf Bratwurst
Die Slowenen sind sehr informiert nach Deutschland gereist, lautet die Erkenntnis am Stand von der Firma Candy Schokofrüchte. Auffällig viele fragten jedenfalls nach „der traditionellen Bratwurst“. Im Internet scheint sie großes Thema gewesen zu sein, erfuhren die Mitarbeiter Laurin Figuli, Jannis Dinger und Kai Kronhofmann. Die Albaner hätten die Rindswurst bevorzugt, und „die Dänen haben die Brezel entdeckt“. Der Ochse am Spieß von Michael Schmücker kam bei den Kroaten und Spaniern besonders gut an. „Das ist sowieso ein Gericht für Männer“, weshalb es seiner Meinung nach perfekt zum Fußball passt. Das Fleisch wird im Niedergarverfahren von 8 Uhr morgens an gebraten, gegen Mittag können die ersten Portionen im Kartoffelbrot mit Filderkraut für 9,80 Euro verkauft werden. „Die Dänen waren mehr dem Bier zugetan“, kann er von den Vorlieben der verschiedenen EM-Touristen berichten. Und dass die Besucher versuchten, Deutsch zu reden – je mehr sie getrunken hätten, desto größer seien ihre Ambitionen, und „umso weniger klappt es“.
Dass Stuttgart „im Maultaschen-Ländle“ liegt, will Romy Putler den internationalen Gästen zeigen. Damit sie besser verstehen, worum es sich dabei handelt, hat sie die schwäbische Spezialität einfach Ravioli genannt. Ihre Swabian Spinach Ricotta Ravioli (4 Euro) werden jedoch weniger nachgefragt als Cheese Spaetzle (8 Euro). „Käseliebhaber gibt es überall“, ist ihr Fazit. Die Pfannen für das Gericht sind in Sichtweite der Kundschaft platziert, damit sie einfach darauf zeigen kann. Da viele Familien auf den Schlossplatz kommen, laufen ihre Crêpes ebenfalls gut. „Es macht richtig Spaß“, sagt sie über den Arbeitsplatz beim Public Viewing. Zumal von ihrem Stand alle Mitarbeiter die Tore auf der Leinwand verfolgen können. „Wir haben echt Glück“, freut sich Romy Putler.
Grünes Curry, Falafel und Semmelknödel
Neben der Wurst in allen Sprachen steht bei Genusskonzept Grünes Curry (9,50 Euro) als „tolles veganes Gericht“ auf der Tafel sowie Köfte (8,50 Euro) für alle, die kein Schweinefleisch mögen. Die Brezel belegt Uli Maute mit Mozzarella und Tomate (7,50 Euro). Für Knödel mit Pilzrahm hat sich Gabi Schäfer von der Tauberquelle als Ergänzung zu den Sausage-Variationen Chili, Beef oder Rote entschieden, wobei die Falafel mit selbst gemachtem Humus und Tabouleh besser laufen. Fischfrikadelle im Brötchen (5 Euro), Churros (6 Euro), Chili mit und ohne Fleisch, Gulasch oder Schupfnudeln mit Sauerkraut (7 Euro) sind an anderen Ständen zu haben. Aus Gabi Schäfers Sicht sind die Preise – fünf Euro für eine Rote, 8,50 Euro für ein Steak und 10,50 Euro für die Knödel – „nicht übertrieben viel für das Spektakel auf dem Schlossplatz“. Der Jackfruit-Burger von Joshuah Wilhelmer kostet sieben Euro, als Salat gibt es bei ihm die Falafel, im Trend seien auch seine Chili Cheese Fries.
Marko Kritz hebt sich „bewusst von der Masse ab“ und setzt auf Fingerfood. Seine Schalen füllt er wahlweise mit veganen Nuggets, Chicken Bites, Pulled Pork Bites oder Schnitzel Bites für jeweils sieben Euro. Im großen Karton namens Snack Stadion ist „von ällem ebbes“ und ein paar Soßen für 27,50 Euro drin. Um ausländischen Gästen ein heimattypisches Essen anbieten zu können, hat er Schnitzel mit Kartoffelsalat im Programm. „Der Däne isst sehr gerne Pommes“, stellte er aber fest. Seine vom Weihnachtsmarkt bekannten süßen Baumstriezel verkauft er ebenfalls . „Hier dabei zu sein ist etwas Besonderes“, sagt der Gastronom, „deshalb haben wir den Schritt gewagt.“ Als Stuttgarter wolle er bei einer Heim-EM in Stuttgart mitspielen. „Da steht nicht nur das Geld im Vordergrund“, findet Marko Kritz.
Dass übers Wochenende weniger als erwartet los war, macht die Gastronomen etwas nervös. Die Dänen waren zwar tagsüber in der Stadt unterwegs, am Abend aber ins Stadion verschwunden. Unisono schwärmen sie vom Eröffnungskonzert, als sich mehr als 20 000 Besucher auf dem Platz tummelten. „Stuttgart hat eines der schönsten Public Viewings in Deutschland“, wirbt Gabi Schäfer. Der 5:1-Sieg der deutschen Mannschaft sei wichtig gewesen, um EM-Stimmung zu entfachen, sagt Joshuah Wilhelmer. Romy Putler ist deshalb „zuversichtlich, dass das Fußball-Fieber in Stuttgart ausbricht.“