EM 2024 in Stuttgart Ungarn erst unter Schock – dann im Freudentaumel

Der schwer verletzte Barnabas Varga wird aus dem Stadion ab- und direkt ins Krankenhaus transportiert. Sein Zustand war spät am Abend aber stabil. Foto: AFP/FABRICE COFFRINI

Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe A in Stuttgart bieten Ungarn und Schottland lange Magerkost. In der Schlussphase überschlagen sich dann die Ereignisse.

Stimmungstechnisch hatte die Stuttgarter Arena in der jüngeren Vergangenheit ja so einiges zu bieten. Die tollen Auftritte des VfB bleiben in Erinnerung, die ersten Spiele, die bei dieser EM in Stuttgart über die Bühne gingen, ebenso. Am Sonntag wurden aber neue Maßstäbe gesetzt. Die Schotten waren zu Gast! Und die Ungarn! Und was beide Fanlager vor und während der Partie an Stimmung mit in die Arena brachten, war dann doch noch einmal eine andere Liga. Wenn die Anhänger der Tartan Army ihre Nationalhymne „Flower of Scotland“ anstimmten oder die Ungarn „Hungary“,dann werden sie auch hoch über der Arena in Rotenberg oder in Uhlbach davon mitbekommen haben, dass in Cannstatt Besonderes geboten war.

 

Spielerischer Biedermeier-Stil von beiden Mannschaften

Auf dem Feld galt das weniger. Rein spielerisch lieferte das Aufeinandertreffen eher Biedermeier-Stil. Die Schotten waren zwar bemüht, die Chance aufs Achtelfinale zu ergreifen. Allein, es fehlten die Mittel, das Tor von Peter Gulacsi in Gefahr zu bringen. Genau genommen dauerte es 53 Minuten bis zur ersten Torchance. Die Osteuropäer brannten ebenfalls kein Offensivfeuerwerk ab. Spielerische Glanzpunkte wurden durch kompromisslosen Einsatz kompensiert. Die Grätsche war das Standardmittel der Verteidigung. Dass es am Ende nur vier Gelbe Karten gab, lag an Schiedsrichter Facundo Tello aus Argentinien. Stichwort internationale Härte.

Torlos ging es in die Halbzeit, in der die schottischen Fans die Hoffnung noch nicht verloren hatten. Der letzte Sieg bei einem großen Turnier liegt für sie ja schon 28 Jahre zurück. Damals gab es bei der Euro in England ein 1:0 gegen die Schweiz. Was trotzdem haarscharf nicht zum Weiterkommen reichte. Überhaupt sind die Schotten nicht mit Glück gesegnet, was den Fußball betrifft. Entweder sie scheitern wie 1996 nur denkbar knapp. Oder sind gar nicht erst dabei.

Schlimme Verletzung bei Ungarns Varga – Spiel ist lange unterbrochen

Und dieses Mal? Bot die zweite Hälfte ähnlich unansehnlichen Fußball-Kampf wie die ersten 45 Minuten. Nach 68 Minuten geriet aber alles Sportliche in den Hintergrund. Schottlands Keeper Angus Gunn räumte Barnabas Varga bei einer Flanke ab, der Ungar blieb regungslos liegen und musste von einem Notarzt hinter Sichtschutz abtransportiert werden. Es waren bange Minuten, bis Spielschluss war nicht klar, wie schwer sich der Angreifer verletzt hat. Er wurde direkt ins Krankenhaus gebracht, war aber bei Bewusstsein.

Das Spiel wurde fortgesetzt. Die Ungarn drängten auf den Sieg, Kevin Csoboth traf erst den Pfosten. Um in der zehnten Minute der Nachspielzeit nach einem Konter doch noch zu treffen und den ungarischen Anhang eskalieren zu lassen. Durch den 1:0-Sieg beenden sie die Gruppe als Dritter und haben noch die Chance aufs Achtelfinale. Die Entscheidung darüber fällt aber erst nach den letzten Gruppenspielen am Mittwoch. „Es war eine furchtbare Szene mit Barnabas. Zum Glück geht es ihm besser“, sagte Roland Sallai. „Den Sieg haben wir ihm gewidmet.“ Für die Schotten und ihre treuen Fans hingegen heißt es Goodbye. „Ich bin enttäuscht und traurig“, verabschiedete sich Trainer Steve Clarke.

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