Der Schirm war äußerst praktisch. Als das „Morgenmagazin“ der ARD wegen der EM in die Stadt kam, regnete es in Strömen. Um 5.54 Uhr ging man vom Marktplatz aus auf Sendung. Moderator Peter Großmann und Fußball-Weltmeister Olaf Thon beschrieben mit „wir sind nicht aus Zucker“ ihren Willen, dem Stuttgarter Regen zu trotzen. Doch ohne den großen Schirm wäre die Übertragung von dort schwierig geworden. Die Kameras sind nicht aus Zucker, aber empfindlich. Und nicht nur Fernsehschaffende mochten den Schirm.
Auch viele Stuttgarter fühlten sich gut behütet. Gerade in einem Sommer wie diesem dient er wahlweise als Schutz vor der Sonne und vor dem Regen. Die Besucher des Festivals der Kulturen vom 19. bis 24. Juli kommen noch einmal in diesen Genuss. Dann allerdings geht der Schirm zurück: Er ist nur gemietet.
Wie viele Bürger waren auch einige Ämter angetan von dem Schirm und haben sich erkundigt, ob man ihn nicht stehen lassen könnte. Doch wie gesagt, der Vermieter will ihn zurück. Allerdings könnte man einen neuen Schirm kaufen und aufstellen. Es gibt sogar größere Modelle. Wie zu hören ist, müsste man mindestens eine halbe Million Euro dafür ausgeben.
Stadträte haben eine Wunschliste
Gut investiertes Geld, finden auch die Grünen im Gemeinderat. Sie haben bereits an die Verwaltung geschrieben und eine Wunschliste aufgestellt. „Man muss kein Fußballfan sein, um sich für die umgestalteten und belebten Plätze zu begeistern, die mit der Euro 2024 gekommen sind“, heißt es darin. „Auf dem Karlsplatz laden Liegestühle und bepflanzte Sitzmöbel zum Verweilen ein, und die Menschen nehmen im Schatten der großen Kastanienbäume gerne Platz.“ Es mache halt einen Unterschied, ob man ansprechende Sitzgelegenheiten an einem schattigen Ort anbietet oder harte, unförmige Sitzkiesel am Straßenrand.
Was ist das Problem?
Die Spielbereiche, die Trinkwasserbrunnen, viele Toiletten, die Sonnencremespender, die Schirme – alles wünschenswerte Einrichtungen. „Viele wichtige Maßnahmen zur Klimaanpassung, für die wir uns seit Jahren einsetzen, wurden für die EM in kürzester Zeit temporär umgesetzt.“ Zudem habe man von der König-Karls-Brücke eine durchgezogene Fahrradspur bis zum Willi-Daume-Steg eingerichtet und darüber hinaus einen großzügigen, kostenlosen und bewachten Fahrradparkplatz.
Gerne würden die Grünen dies alles erhalten. Zudem sollten in den Stadtbezirken begrünte Sitzinseln aufgestellt werden. Und sie fordern die Verwaltung auf, sich zu erkundigen, ob und wie dies möglich wäre.
Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU) sieht dabei insbesondere bei dem Wunsch nach dauerhaften Sitzgelegenheiten auf dem Karlsplatz und dem Marktplatz Probleme: „Wir brauchen die Plätze für den Wochenmarkt und den Flohmarkt.“
Was geschieht mit dem Sand?
Die Bänke und Tische auf dem Marktplatz gehören der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Sie werden auf dem Wasen gelagert. Die Sitzinseln waren geliehen, aber auch sie könnte man kaufen. Das Beachsoccer-Feld auf dem Karlsplatz war ebenfalls geliehen. Es ist abgebaut und zurückgegeben. Die 100 Tonnen Sand waren zuvor beim Kesselfestival für Beachvolleyball genutzt worden, dafür werden sie weiterhin gebraucht. Die eine Hälfte wird die Anlage des MTV Stuttgart auffüllen, die andere geht nach Weil der Stadt (Kreis Böblingen) zur Anlage des TSV Schafhausen.
Und die Sportplätze?
Das Fußballfeld auf dem Marktplatz gehört der Stadt und kann weiterhin verwendet werden. Darauf ist buchstäblich Tag und Nacht gespielt worden. Die Freude, selbst Fußball zu spielen und nicht nur zuzuschauen, war groß. Aber an dieser Stelle konnte der Platz nicht bleiben. Wo er unterkommt, ist nun Sache des Sportamtes. Klar ist aber, die beiden Sportplätze haben gezeigt, dass gerade in der Innenstadt der Bedarf an Flächen für Sport und Bewegung groß ist. Wie auch der Wunsch der Bürger nach Orten, an denen man sich gerne aufhält – ohne etwas zu konsumieren und Eintritt zahlen zu müssen.