Es ist ja schon vorgekommen, dass Menschen mit Ferngläsern in der Hand hereingekommen sind – weil sie eigentlich zu den in der Nachbarschaft lebenden Mauerseglern wollten. Und Schachspieler mit eigenem Brett und Lust auf das ausgeschriebene Turnier waren auch schon da, weil sie der Name des Gebäudes ein wenig in die Irre geführt hat. Das eigentliche frühere Schulgebäude ist schließlich jenes nebenan. Und doch gilt: Die meisten, die in die „Alte Schule“ kommen, sind hier genau richtig.
Zum Beispiel, wenn sie Fußball sehen wollen. Denn „Fußball“, sagt Una McGlave, „spielt für uns eine wichtige Rolle.“ Was schon familiär bedingt ist.
Nach seinem Studium war Bernie McGlave ja eigentlich nur auf der Durchreise, als er vor rund 40 Jahren nach Stuttgart kam. Aber der Schotte blieb hängen, lernte seine spätere Frau kennen – und gemeinsam entschied sich das Paar 1985 für die Gastronomie. Heute, fast 40 Jahre nach der Eröffnung, ist der Pub in Stuttgart-Gablenberg eine Institution. Auch, aber nicht nur für Fußball-Fans.
Man muss allerdings schon genau hinschauen im gemütlichen und urigen Gastraum mit der hohen Decke und den rustikalen Holzbalken, um zu erkennen, wo diese Kneipe ihre fußballerischen Wurzeln hat. Aber: Inmitten der vielen Blechschilder von Brauereien oder Tabakfirmen, irgendwo zwischen den vielen historischen Straßenschildern und Werbetafeln sieht man es dann doch. Das Wappen des Celtic FC.
Den Grünen aus Glasgow, die den Rangers in inniger Feindschaft verbunden sind, gehört das Herz von Bernie McGlave. Und weil „Celtic oder Rangers“ in Schottland eine wahrhaftige Glaubensfrage ist, blieb den Nachkommen da auch keine Wahl. „Etwas anderes als Celtic wäre wohl nicht akzeptiert worden“, lacht Una McGlave, „da hat man keine Chance.“ Wobei: Einen Cousin hat sie tatsächlich, der es gewagt hat, sein Herz an die Rangers zu verschenken. In Sachen Fußball sei der aber ziemlich isoliert in der Familie, sagt Una McGlave – und lacht gleich noch einmal.
Jede und jeder ist willkommen
In der „Alten Schule“ dagegen ist niemand isoliert. Der Pub, dessen Inventar teils noch aus der alten Weinstube von Unas Urgroßmutter stammt, soll einer für alle sein. So wollten es einst Unas Eltern, und so führt sie ihn zusammen mit ihrem Partner Marcel Ködderitzsch heute fort. 2015 haben die beiden den Laden von den Eltern übernommen, die seitdem viel mit dem Wohnmobil unterwegs sind. „Pub bedeutet Wohnzimmer“, sagt Marcel Ködderitzsch, „so sehen wir das hier auch.“
Ihre Leidenschaft für den Familienbetrieb ist spürbar – obwohl beide eigentlich gar nicht vorhatten, in der Gastronomie Karriere zu machen. „Marcel hat BWL studiert, ich Anglistik“, sagt Una McGlave, „aber ich bin hier quasi aufgewachsen, Marcel hat hier früher schon gejobbt, deshalb wollten wir es probieren.“
Schon der Herkunft der Familie wegen ist die „Alte Schule“ kein typischer Irish Pub, aber auch, „weil eine solche Bezeichnung bestimmte Klischees bedient, die dann auch erfüllt werden müssen“, erklärt Marcel Ködderitzsch. Die sollen in Gablenberg jedoch nicht der Maßstab sein. Natürlich: Wer will, bekommt sein Guinness, wer möchte, sein Kilkenny. Aber eben auch einen schottischen Whiskey oder ein Bier aus der Region. Das Erstaunliche: „Gerade Gäste aus Schottland, England oder Irland bestellen bei uns am liebsten ein Stuttgarter Bier“, sagt Marcel Ködderitzsch. Demnächst werden einige von ihnen wieder an der Gablenberger Hauptstraße zu Gast sein.
Am 23. Juni spielen bei der Fußball-EM die Schotten gegen die Ungarn – in Stuttgart. „Wir freuen uns darauf“, sagt Una McGlave, die dann allerdings nicht hinterm Tresen stehen wird. Sie hat Karten für die Partie in der MHP-Arena ergattert. Wie es in der „Alten Schule“ zugeht, wenn der Pub während einer Fußballübertragung pickepackevoll ist, weiß sie aber ohnehin.
Seit fast 20 Jahren offizieller VfB-Fantreff
Seit 2005 ist der Pub offizieller Fantreff des VfB Stuttgart – was bedeutet: Auf den Bildschirmen laufen an den Spieltagen der Bundesliga immer die Spiele der Weiß-Roten. Viele Fans kommen deswegen vorbei, oder aber vor dem Stadionbesuch in Cannstatt oder auf dem Heimweg gleich noch einmal. „In diesem Jahr war noch einmal deutlich mehr los bei den VfB-Spielen als davor“, sagt Marcel Ködderitzsch. Wenn’s besonders voll wird, werden die Fenster geöffnet, damit die Gäste auch von draußen auf die Bildschirme schauen können. Aber auch in Sachen TV-Sport gilt: Jede und jeder ist willkommen.
Neben ganz viel Fußball aus unterschiedlichen Ländern wird auch Handball (der Pub sponsert einen lokalen Club), Rugby oder American Football übertragen. Neben den VfB-Fans schauen auch mal Kickers-Anhänger nach Spielen auf der nahen Waldau vorbei, unter Woche verfolgen oft Bayern-Fans die Spiele der Königsklasse. Hier allerdings mischt in der kommenden Saison ja auch der VfB wieder mit – und hat auf dem Bildschirm dann Priorität.
Dass demnächst auch wieder internationale VfB-Spiele übertragen werden können, freut Una und Marcel ganz besonders: „Das werden tolle Abende, auch hier in der ‚Alten Schule’.“ Und selbstverständlich haben sie einen großen Wunsch: ein VfB-Duell mit Celtic Glasgow.
Ihre speziellen Fußball-Orte
Unsere Reihe
Wir stellen in einer kleinen Reihe ohne Anspruch auf Vollständigkeit spezielle Fußball-Orte in Stuttgart vor. Den Auftakt machte der Bolzplatz an der Fleiner Straße, auf dem einst Hansi Müller das Kicken lernte. Es folgten der B-Block im Gazi-Stadion, die Gaststätte des PSV Stuttgart, die Cannstatter Kurve, der Sportplatz des TSV Uhlbach und die Sportschule Ruit. Weitere Folgen veröffentlichen wir in den kommenden Tagen.
Ihre Erfahrungen
Uns interessieren aber natürlich auch Ihre und eure Erfahrungen. Was sind Ihre und eure speziellen Fußball-Orte in Stuttgart – und warum? Schreiben Sie uns gerne unter topsport@stzn.de.