EM 2024 Trainer Gianluca Crepaldi „Völliges Unverständnis für den Bundestrainer“

Für Gianluca Crepaldi eine Fehlbesetzung: Leroy Sané (li./gegen den Spanier Marc Cucurella) konnte sich selten durchsetzen. Foto: IMAGO/Nicolo Campo

Gianluca Crepaldi, Trainer des TSV Merklingen, kann beim 1:2 der Deutschen gegen Spanien im Viertelfinale viele personelle Maßnahmen nicht nachvollziehen. Und er ärgert sich über den VAR.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Herr Crepaldi: Warum hat Spanien gesiegt?

 

Weil es keinen Handelfmeter für Deutschland gab. Und weil wir zweimal grottenschlecht verteidigt haben – und das kann man sich bei der Qualität der Spanier nicht erlauben. Vor allem das erste Gegentor, da kommt ein Querpass durch den 16er. . . katastrophal verteidigt. Beim zweiten ist halt die Luft ausgegangen und dann hat die Konzentration gefehlt.

Spanien hat auch Fehler gemacht.

Aber Deutschland hat es eben nicht hinbekommen, da mit der letzten Effektivität oder dem letzten Willen alles reinzuwerfen.

Die Aufstellung der Startelf bis zur Einwechslung von Thomas Müller haben viele nicht verstanden.

Ich auch. Vor allem, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht anstelle von Müller Deniz Undav vom VfB Stuttgart gebracht hat – der hätte in seinem Heimstadion gespielt, der kennt dort jeden Millimeter, hat dort schon viele Tore gemacht, ist bissig, technisch versiert. Der hätte alles dabei gehabt, was man in dieser Situation gebraucht hätte.

Schlag ins Gesicht für Florian Wirtz

Aus Ihrer Sicht bestimmt nicht die einzige kritikwürdige Entscheidung.

Absolut. Es war Schlag ins Gesicht, für alle, die nicht von Beginn an gespielt haben. Ich finde, Nagelsmann hat Florian Wirtz getötet, indem er ihn nicht aufgeboten hat – den besten Spieler der Saison auf die Bank zu setzten für einen erneut ultra-schlechten Leroy Sané. Und auch Robert Andrich erst rauszulassen. . . bei aller Liebe, da fehlt mir das Verständnis. So macht man Spieler kaputt, und das hat man gemerkt – Wirtz brauchte nach der Einwechslung einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Völliges Unverständnis.

Würden wir mit dem Bundestrainer auch so hart ins Gericht gehen, wenn Deutschland, sagen wir, das Spiel nach Elfmeterschießen gewonnen hätte?

Ja, ich sage immer: Hätte, hätte. Es hat halt so nicht funktioniert. Spanien hatte in den ersten 20 Minuten fünf, sechs gute Abschlussmöglichkeiten. Was ich auch sehr schade finde: Niclas Füllkrug hat wieder nicht von Beginn an gespielt. Er ist ein Spieler, der zeigt den anderen, wo es langgeht. Ich finde, Kai Havertz hat da vorn nichts zu suchen – zwei Kopfbälle, ein Schuss im 16er – ein Stürmer mit Torinstinkt macht daraus zwei Tore.

Aber die deutsche Mannschaft hat gekämpft und Spanien vor allem in der zweiten Hälfte unter Druck gesetzt.

In Summe war der Sieg für Spanien nicht verdient, schon allein, weil der Handelfmeter nicht gegeben wurde. Der Fußball muss sich Gedanken machen, wie er mit der Fehlerkultur umgehen will. Man hat alle technischen Mittel zur Verfügung, da frage ich mich, ob die Videoschiris in diesem Moment Essen geholt haben. Und das in so einem Spiel!

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