EM im American Football Surge-Spieler vor dem nächsten großen Coup
Gleich 15 Spieler von ELF-Meister Stuttgart Surge gehören zum Aufgebot des deutschen Nationalteams, das den EM-Titel holen will – nicht nur Luca Siebert ist voller Zuversicht.
Gleich 15 Spieler von ELF-Meister Stuttgart Surge gehören zum Aufgebot des deutschen Nationalteams, das den EM-Titel holen will – nicht nur Luca Siebert ist voller Zuversicht.
Einen Titel haben die Footballer von Stuttgart Surge in diesem Jahr bereits gewonnen. Nun, sieben Wochen nach dem Finale der European League of Football (ELF) in der MHP-Arena, soll der nächste Coup folgen. Gleich 15 Akteure des Teams könnten Doppel-Meister werden – mit der deutschen Nationalmannschaft.
Wie sich ihre Jungs schlagen, interessiert natürlich auch die Surge-Trainer. Jordan Neuman reist mit vier Kollegen aus seinem Stab an diesem Samstag nach Krefeld, wo ab 19 Uhr das EM-Halbfinale gegen Österreich stattfindet. „Es wird ein sehr emotionales Spiel“, sagt der Chefcoach des ELF-Champions, der 2014, als die deutschen Footballer letztmals durch einen 30:27-Sieg nach Verlängerung gegen Österreich den EM-Titel holten, im Wiener Ernst-Happel-Stadion als Quarterback-Coach an der Seitenlinie stand, „denn es geht um etwas Großes.“ Das findet auch Luca Siebert.
Der Linebacker ist eine der großen Stützen von Stuttgart Surge, bisher hat er noch kein Länderspiel absolviert. Doch jetzt träumt er vom nächsten Triumph. „Wir wollen noch einen draufsetzen“, sagt er, „in so kurzer Zeit zwei Titel zu holen, wäre unglaublich. Mehr ginge nicht.“
Insgesamt wurden 15 (!) Surge-Footballer in den deutschen EM-Kader berufen. In der Offensive sind das Wide-Receiver Louis Geyer, der nach dem ELF-Finale in Stuttgart als wertvollster Spieler ausgezeichnet worden war, Quarterback Lars Heidrich, Runningback Kai Hunter, Fullback León Helm, Tight End Roberto Miranda und Offensive Lineman Marlon Werthmann. Dazu kommen neun Akteure, die mitverantwortlich dafür waren, dass Stuttgart Surge die beste Defensive der ELF stellte: Die Linebacker Luca Siebert, Sasan Jelvani, und Luis Bach, die Defensive Backs Ben Wenzler, Marko Vidackovic, Konstantin Katz und Nick Wenzelburger sowie die Defensive Lineman Raphael Zistler und Berend Grube. Was die Brisanz des EM-Halbfinales noch erhöht: Die Surge-Abordnung trifft auf viele alte Bekannte.
Im österreichischen Team stehen 20 Akteure der Vienna Vikings, die mit den Stuttgartern noch eine Rechnung offen haben – das ELF-Finale verloren die Wiener mit 17:24. „Ihre Motivation wird groß sein“, sagt Luca Siebert, „alle sinnen auf Revanche.“ Umso wichtiger ist, genau zu wissen, was zu tun ist.
Luca Siebert war nicht nur in der Hauptrunde einer der wichtigsten Defensivspieler von Stuttgart Surge, sondern vor allem in den Play-offs. Insgesamt stand er bei 783 gegnerischen Angriffsaktionen auf dem Feld, nur Ben Wenzler (844) und Marko Vidackovic (796) hatten noch mehr Einsatzzeiten. Doch noch eine andere Statistik von Luca Siebert beeindruckt: Im Finale gegen die Vienna Vikings gelangen ihm neun Tackles, damit führte er die Surge-Verteidigung an. „Er war in dieser Saison einer der besten Abwehrspieler der ELF“, sagt Coach Neuman, „er ist nicht nur physisch sehr stark, sondern verfügt zudem über einen sehr guten Football-Instinkt.“ Das haben mittlerweile auch die Nationaltrainer erkannt.
Nachdem Luca Siebert schon 2024 einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, schickte er Anfang dieses Jahres ein Video mit ein paar guten Szenen an den Defensive Coordinator des Nationalteams – und erhielt prompt eine Einladung. An Ostern nahm er erstmals an einem Camp der Mannschaft teil, nun wurde er für das Final-4-Turnier nominiert, in dem es um den EM-Titel geht (das Finale ist am Dienstag gegen Italien oder Finnland). „Nach den vielen Erzählungen der Stuttgarter Jungs hatte ich große Lust, auch im Nationalteam mit ihnen zu zocken“, sagt Luca Siebert (25), der aus Leonberg stammt und mit seinem Zwillingsbruder Thiago, der ebenfalls für Surge aktiv ist, in einer WG in Vaihingen lebt, „es ist eine riesengroße Ehre, für sein eigenes Land zu spielen.“
Das wird Luca Siebert nun erstmals tun, und er selbst legt die Latte hoch. „Alle, die für Surge auflaufen, haben schon jetzt eine surreale Saison hinter sich“, erklärt der Linebacker, der als Teamleiter für ein Wertfrachtunternehmen in der Nähe des Stuttgarter Flughafens arbeitet – und nun gemeinsam mit seinen Kumpels bei der EM noch einmal abheben will: „Ich habe die Erwartung, dass wir das Ding gewinnen.“