EM-Qualifikation Die DFB-Elf zittert sich Richtung EM

Von Marco Seliger 

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in ihrer EM-Qualifikationsgruppe die Tabellenführung übernommen. Mit Ruhm hat sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw beim 2:0-Sieg in Nordirland aber nicht gerade bekleckert.

Entscheidung in Belfast: Serge Gnabry (Mitte) trifft zum 2:0-Endstand für die deutsche Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen Nordirland. Foto: Getty
Entscheidung in Belfast: Serge Gnabry (Mitte) trifft zum 2:0-Endstand für die deutsche Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen Nordirland. Foto: Getty

Belfast - Die dritte Minute der Nachspielzeit lief bereits, als Serge Gnabry im Belfaster Windsor-Park dann doch noch für klare Verhältnisse sorgte. Aus spitzem Winkel überwand der Angreifer des FC Bayern den nordirischen Keeper Bailey Peacock-Farrell und beseitigte damit die allerletzten Zweifel am Auswärtssieg der deutschen Nationalmannschaft.

Ein sehr hartes Stück Arbeit ist er gewesen, dieser 2:0-Pflichtsieg der DFB-Elf in der EM-Qualifikation in Nordirland. Viel mehr Probleme als erwartet, hatte das Team von Bundestrainer Joachim Löw gegen die Briten, die zuvor in der EM-Qualifikation zwar alle vier Spiele gewonnen hatten, aber nicht gerade zu den Topadressen im europäischen Fußball gehören. „Wir mussten einige Schwierigkeiten überwinden“, sagte Löw, „wir sind eben in einer Phase des Lernens.“

Die 2:4-Heimpleite gegen die Niederlande wirkt noch nach

Volle Offensive, so sollte eigentlich nach der 2:4-Heimniederlage am vergangenen Freitag gegen die Niederlande die Devise der deutschen Mannschaft lauten. Zu vorsichtig und zu mutlos hatte die DFB-Auswahl beim Klassiker gegen Oranje agiert, weshalb Löw im Angriffsspiel nachbesserte. In dem schnellen Julian Brandt brachte der Bundestrainer einen weiteren Offensivmann, der gemeinsam mit Marco Reus, Timo Werner und Serge Gnabry die Lücken in der nordirischen Abwehr finden sollte.

Ein deutscher Sturmlauf also von der ersten Minute an? Von wegen! Eher ein laues Lüftchen. Wie gegen die Niederlande fehlten der DFB-Elf zunächst auch gegen die Auswahl des 1,8-Millionen-Einwohner-Landes von den britischen Inseln die Struktur im Aufbauspiel, das Tempo, die Ideen. Ganz so, als hätte man nicht vorher gewusst, was Nordirland auszeichnet: unbändiger Einsatz, Zweikampfhärte, nicht nachlassende Unterstützung eines enthusiastischen Publikums.

Manuel Neuer muss einen frühen Rückstand verhindern

Mit dem 0:0 zur Pause war der viermalige Weltmeister sogar noch gut bedient. „Bis dahin war es ein Spiel auf Augenhöhe“, musste hinterher auch der Dortmunder Marco Reus konstatieren. Bereits nach sieben Minuten hatte Nationaltorwart Manuel Neuer sein ganzes Können aufbieten müssen, um nach einem Fehlpass von Toni Kroos gegen Conor Washington den frühen Rückstand zu verhindern. Erneut Washington war es, der kurz vor der Pause den Ball aus drei Metern nicht über die Linie brachte, nachdem Neuer eine Hereingabe vor die Füße des Stürmers des schottischen Erstligisten Heart of Midlothian hatte prallen lassen.

Auf der anderen Seite vergab im Gegenzug Timo Werner die beste deutsche Chance der ersten Hälfte: Der Torjäger von RB Leipzig scheiterte aus sechs Metern an Torwart Peacock-Farrell. Zum Vergleich: Bei einer Million Euro liegt der Marktwert von Conor Washington (27), bei 65 Millionen der von Timo Werner (23). Ein Klassenunterschied war im ersten Abschnitt dennoch nicht zu erkennen. Das änderte sich erst nach der Pause, zumindest in der ersten Viertelstunde.

Die Pausenansprache des Bundestrainers entfaltet Wirkung

Was immer Joachim Löw in der Kabine gesagt haben mag – seine Worte entfalteten erst einmal die gewünschte Wirkung. Jetzt endlich trat das deutsche Team so dominant und spielstark auf, wie man es von Anfang an erwartet hatte. Die Belohnung: der Führungstreffer des Leipziger Marcel Halstenberg (48.), der in diesen ersten Minuten nach Wiederbeginn eine von mehreren guten Chancen nutzte. Lange sollte es aber nicht so weitergehen.

Die größere individuelle Klasse der Deutschen, ihre besseren technischen Fähigkeiten waren nun zwar unübersehbar – eines aber änderte sich auch weiterhin nicht: Immer wieder brachten die unermüdlich kämpfenden Nordiren die Gästeabwehr in arge Bedrängnis. Nur ganz knapp strich der Flachschuss von Stuart Dallas am linken Pfosten vorbei (63.). Es war nicht die einzige brenzlige Situation, die das deutsche Team bis zu Gnabrys Tor zum 2:0-Endstand zu überstehen hatte.

Immerhin: mit nun zwölf Zählern nach fünf Spielen hat das deutsche Team Nordirland als Tabellenführer abgelöst. Nicht unlösbar ist auch die nächste Qualifikationsaufgabe: Am 13. Oktober geht es gegen die noch punktlosen Esten weiter.