EM-Songs Plärren für die deutsche Mannschaft

Grölende Fans gehören zum Fußball wie Rasen und Ball. Doch manch ein EM-Song ist einfach zu viel des Guten. Foto: dpa
Grölende Fans gehören zum Fußball wie Rasen und Ball. Doch manch ein EM-Song ist einfach zu viel des Guten. Foto: dpa

Die schönste Zeit des Jahres beginnt bald in Frankreich mit der Fußball-Europameisterschaft. Grund genug, das Radio zwei Monate lang auszuschalten, denn die offiziellen EM-Songs sind schon auf dem Vormarsch.

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Stuttgart - Alle zwei Jahre tauchen sie plötzlich auf und nisten sich überraschend in unseren Ohren häuslich ein. Die Rede ist von den "offiziellen Hymnen", die jedes Mal zur Fußball-Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft aus dem Boden gestampft werden. Sie sind meist schnell produziert, verbreiten gezwungen lockere Stimmung und klingen so unspektakulär, dass sie potentiell wirklich jedem gefallen sollen. Und wenn ein EM-Song tatsächlich gut klingt, wird er im Radio so oft rauf und runtergespielt, bis er auch bei den letzten Fans Ohrenschmerzen auslöst.

Für die EM in Frankreich entsendet Deutschland dieses Jahr den Song "Jeder für jeden", den Herbert Grönemeyer zusammen mit Felix Jaehn geschaffen hat. Mit dem Remix von "Cheerleader" des Sängers Omi landete Jaehn auf Platz eins der amerikanischen Billboard-Charts. Die melodischen Remixe Jaehns sind einprägsam und geben seinen Songs einen wiedererkennbaren Charakter. Bei "Jeder für jeden" verzichtete der Hamburger hingegen auf eine einprägsame Melodie. Stattdessen gibt es drei Minuten lang viel Hall und schwache Synthetik-Klänge. Nichts sticht hervor, es ist das musikalische Equivalent zu Haferbrei - langweilig und ohne viel Genuss.

EM-Songs verschwinden bald wieder

Auch der sonst einfühlsame, für seine berührenden Texte bekannte Grönemeyer agiert hinter seinen Fähigkeiten und liefert hauptsächlich abstrakte Metaphern. Wo "Beben" auf "Leben" gereimt wird, ist die Luft raus, bevor das Spiel überhaupt begonnen hat. Man braucht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie ein solch melancholischer Song als Vorbereitung auf die Euphorie eines Länderspiels gehört werden soll. Damit reiht sich der diesjährige Song allerdings gut in die durchwachsene Tradition deutscher und internationaler EM-Songs ein.

Rückblickend bleibt von den EM-Songs der vergangenen Jahre wenig Musikgeschichte und die sichere Gewissheit, dass auch die aktuellen "Hymnen" bald wieder in der Versenkung verschwinden. Ob der EM-Song auch nach dem Finale am 10. Juli auf dem Handy verbleibt, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Wir haben EM-Songs der vergangenen Jahre für Sie gesammelt.

"Jeder für jeden" von Herbert Grönemeyer und Felix Jaehn ist der deutsche Song für die EM 2016:

 

Die offizielle Hymne der Europameisterschaft 2012 kam von der Hamburger Sängerin Oceana mit "Endless Summer":

 

Der Deutsche Fußballbund (DFB) kürte Roger Ciceros Song "Für nichts auf dieser Welt" im Jahr 2012 zum DFB-Song:

 

Das ZDF entschied sich 2012 für ein Cover von "I like to move it" der Los Colorados:

 

Auch Fans machten sich daran, mit EM-Songs gute Stimmung zu verbreiten. Zum Beispiel mit einem Cover von "Ai se eu te pego": 

 

International nahm man die EM 2008 locker mit der offiziellen Hymne "Feel the rush" von Shaggy:

 

Deutschland beteiligte sich am EM-Song-Wahnsinn mit "Helden 2008" von Revolverheld (2009 wurde er für die U21-Meister wiederverwendet):

 

Oliver Pocher beteiligte sich 2008 mit "Bringt ihn heim" (Das Video finden Sie bei Universal).

 

Im Jahre 2004 lieferte Nelly Furtado den EM-Song mit "Forca":

 

Zur EM 1996 landeten die "Lightning Seeds" mit "Three Lions (Football's coming home)" einen internationalen Hit:




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