EM und Volksfest in Stuttgart Ein Partyhit landet auf der Streichliste

Feiernde Fans in Stuttgart: der Partyhit von Gigi D’Agostino ist auf dem Schlossplatz tabu bei der EM (Archivbild). Foto: imago/Hettrich

Rassisten kapern den Partykracher „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino. Das hat auch Folgen für Stuttgart. In der EM-Fanzone und auf dem Volksfest ist der Song tabu.

Digital Desk: Jörg Breithut (jbr)

Das Sylt-Skandalvideo schlägt Wellen bis nach Stuttgart. Die Veranstalter der Fanpartys haben entschieden, dass der Song „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino auf den Partymeilen der Innenstadt während der EM nicht aufgelegt werden darf. Auf Anfrage unserer Redaktion teilten die Veranstalter am Montag mit, dass das Lied sowohl in der EM-Fanzone in Stuttgart als auch beim Volksfest auf dem Cannstatter Wasen tabu ist.

 

Jörg Klopfer, Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, sagte am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir werden das Lied auf den Fanmeilen in Stuttgart nicht spielen.“ Die Veranstalter planen unter anderem Public Viewing auf dem Schlossplatz sowie Fanpartys auf dem Marktplatz, dem Karlsplatz und dem Schillerplatz.

Zuvor hatten bereits mehrere Veranstalter in anderen Städten das Lied auf die Streichliste gesetzt. Die Kulturprojekte Berlin GmbH sprach ein Verbot des Songs für die offizielle Fanmeile am Brandenburger Tor aus, wie die „Zeit“ berichtet. In München darf das Lied auf dem Oktoberfest nicht gespielt werden.

Clubszene zeigt sich entsetzt von Sylt-Skandalvideo

Ein Grund für das Songverbot ist unter anderem ein Handyvideo, das am Donnerstag in den sozialen Medien aufgetaucht war. Der Clip zeigt feiernde Menschen vor einer Bar in Kampen auf der Ferieninsel Sylt. Im Hintergrund läuft das Lied „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino aus dem Jahr 2001, das eigentlich von Liebe handelt, wie der Künstler selbst betont.

Die Gäste singen in dem Video allerdings nicht die Textzeile „Döp dödö döp“ mit, sondern grölen fremdenfeindliche Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“ zu den Discobeats. Ein Barbesucher deutet mit dem Finger ein Oberlippenbärtchen an und zeigt eine Geste, die an den Hitlergruß erinnert. Der Clip soll bei einer Party der Inselbar Pony an Pfingsten aufgenommen worden sein.

Die Stuttgarter Clubszene zeigt sich von dem Video entsetzt. „Es erschreckt uns, dass rassistische Parolen in unserer Gesellschaft öffentlich gesungen werden“, teilt der Stuttgarter Nachtmanager Nils Runge unserer Redaktion mit. Es sei offenbar salonfähig geworden, rechtes Gedankengut unabhängig von Bildungsstatus und sozialem Milieu äußern zu können. „Wir positionieren uns entschieden gegen jegliche Form von Diskriminierung und Hass“, sagt Runge.

Einen Zusammenhang zwischen dem Vorfall auf Sylt und der Clubszene in der Region Stuttgart sieht der Kulturexperte allerdings nicht. „Ein unpolitisches Lied wurde in einen rassistischen Kontext gerückt“, sagt der Nachtmanager. Es sei nun eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, den Fall aufzuarbeiten. Runge sieht es unter anderem als seine Aufgabe, ein Zeichen für eine offene und vielfältige Kulturlandschaft zu setzen.

Das Lied „L’amour toujours“ war in den vergangenen Monaten immer wieder für fremdenfeindliche Gesänge missbraucht worden. Partygänger hatten die Nazi-Parolen unter anderem am Freitag auf einem Volksfest im bayerischen Erlangen und am Pfingstmontag auf einem Schützenfest im niedersächsischen Löningen mitgegrölt. Der Staatsschutz hat in allen Fällen die Ermittlungen aufgenommen.

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