Dieser Mann verkörpert die geballte Titel-Erfahrung: Als Spieler war er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister – Sepp Maier, der ehemalige deutsche Nationaltorhüter, weiß, wie man große Turniere gewinnt. Jetzt, bei der aktuellen Heim-Europameisterschaft ist er für das Viertelfinale zwischen Spanien und Deutschland nach Stuttgart gekommen. Auch, um sich mit seiner Unterschrift auf dem schwarz-rot-goldenen Golf eines VfB-Fans (wir berichteten) zu verewigen. Auf dem Auto haben bereits alle aktuellen Nationalspieler unterschrieben, ebenso Maiers Ex-Teamkollege, der verstorbene Franz Beckenbauer.
Kurz vor dem heutigen Viertelfinale hat sich der 80-Jährige Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung genommen.
Herr Maier, 1972 haben sie es selbst geschafft: Europameister als Torhüter der deutschen Nationalmannschaft. Beim heutigen Viertelfinale gegen Spanien sprechen viele bereits von einem vorgezogenen Finale. Wie geht man als Spieler in so ein entscheidendes Match?
Auf solche Spiele haben unsere Spieler sehr lange gewartet. Da hat man keine Angst, man hat gut trainiert, da freut man sich drauf. Ich will nichts gegen andere Nationen sagen, aber vom Namen her ist Spanien als Gegner natürlich ein Highlight eines jeden Fußballprofis. Die Gruppenspiele sind da nur Vorgeplänkel.
Wie stark schätzen Sie das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann ein?
Wir Deutschen waren immer gut, wenn es um was ging. Die Mannschaft ist bereit, sie hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Die Spanier haben ein starkes Team, aber wir haben auch super Spieler, deshalb wird es für Spanien nicht leicht. Wenn wir ins Endspiel kommen wollen, müssen wir jeden Gegner schlagen.
Bei einem K.-o.-Spiel ist auch ein Elfmeterschießen nicht unrealistisch. Welchen Rat haben Sie als ehemaliger Keeper an Manuel Neuer?
Der Manu weiß, was er tut. Der wird ein überragendes Spiel machen. Bei solchen Spielen kommt es auch entscheidend auf den Torwart an.
Sie haben heute auf dem schwarz-rot-goldenen Golf eines VfB-Fans unterschrieben – so wie es auch ihr ehemaliger Weggefährte Franz Beckenbauer bereits 2006 gemacht hat. Sind Sie heute auch in Gedanken beim Kaiser?
Ich kenne den Franz, seit er mit 15 Jahren zu Bayern kam. Mein ganzes Leben hatte ich Verbindungen zu ihm, natürlich denke ich immer wieder an ihn. Der Franz ist leider zu früh gestorben.