Emaillekunst in Buoch Farbenpracht aus dem Brennofen: Museum Hirsch zeigt Künstlerehepaar Karabetian

Das Museum Hirsch widmet der Kunst von Garbis und Lieselotte Karabetian eine eigene Vitrine. (Archivbild) Foto: Gottfried Stoppel

Die Künstlerkolonie Buoch hat viele Kreative angelockt, auch die Emaillekünstler Lieselotte und Garbis Karabetian. Die Dauerausstellung im Museum Hirsch erinnert nun an sie.

Emaillekunst vom Feinsten, das war die Spezialität des Künstlerehepaars Garbis und Lieselotte Karabetian. Anfang der 1970er Jahre zogen die beiden, die sich in Griechenland kennen gelernt hatten, nach Deutschland – in den Künstlerort Buoch, ein Teilort von Remshalden (Rems-Murr-Kreis). Dort waren sie als freischaffende Künstler tätig und schufen Schmuckstücke, Teller und Bilder in intensiv leuchtenden Farben.

 

Das Museum Hirsch in Remshalden-Buoch widmet den Karabetians nun eine eigene Vitrine, die am Donnerstag, 15. Januar, von 19.30 Uhr an mit einer kleinen Feier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Gezeigt werden kleinformatige Emaillebilder mit Darstellungen aus dem Leben, Kleinbronzen aus dem christlichen Kontext und Schmuckstücke wie Broschen und Krawattennadeln. Erklärt wird auch, wie die Arbeiten hergestellt wurden und das dafür notwendige Handwerkszeug ist ebenfalls im Museum ausgestellt.

Lieselotte Karabetian ist in Stuttgart-Degerloch aufgewachsen, studierte an der Fachschule für Gestaltung, Schmuck und Gerät in Schwäbisch Gmünd und trat danach eine Stelle bei einem Juwelierhaus in Athen an. In Griechenland lernte sie ihren späteren Mann Garbis kennen, der als Goldschmied arbeitete. Er wuchs in Athen als Sohn eines armenisch-orthodoxen Ehepaars auf, das aus seiner Heimat geflüchtet war. Das Emaillieren beherrschte Lieselotte aus ihrer Zeit in Schwäbisch Gmünd und brachte es ihrem Partner bei.

Jeder Umriss muss aus Draht geformt werden

Ein Ausschnitt aus Lieselotte Karabetians Arbeit „Phantasie“. Foto: Jonas von Stockhausen

Stilistisch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Arbeiten: Während die von Garbis Karabetian an naive Kunst erinnern, sind jene von Lieselotte formalistischer. Einen riesigen Arbeitsaufwand bedeutete die Herstellung der Emaillekunst aber in beiden Fällen: Jeder Umriss und jedes Detail musste zuerst aus feinem Flachdraht geformt werden, der dann mit einem speziellen Klebstoff hochkant auf einer Metallplatte befestigt wurde.

Hier zeigt Garbis Karabetian ein musizierendes Trio. Foto: Jonas von Stockhausen

Anschließend wurden die Zwischenräume unter Verwendung eines kleinen Trichters mit einer fein pulverisierten Glasmasse in der gewünschten Farbe gefüllt und das Ganze dann im Ofen bei einigen hundert Grad Celsius gebrannt. Ein handwerklich sehr aufwendiges Verfahren – umso mehr, als die Pulverschichten mehrmals übereinander aufgebracht werden mussten.

Die ständige Ausstellung des Museums Hirsch zeigt verschiedene Werke von Buocher Künstlern, außerdem beleuchtet es, welche Dichter, Schriftsteller, Maler und Zeichner seit dem 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts in Buoch gewohnt und gewirkt haben. Ein weiterer Schwerpunkt der Dauerausstellung sind die Erzeugnisse der mittelalterlichen Buocher Manufaktur, die qualitativ hochwertige Tonwaren herstellte. Das Museum Hirsch in der Eduard-Hiller-Straße 6 ist samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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