Emmy für „Game of Thrones“-Effekte Die Pixelhelden kommen aus Stuttgart

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Effekt-Spezialisten der Firma Mackevision aus Stuttgart haben einen Emmy für ihre künstlichen Welten gewonnen. Ihren großen Auftritt haben die Computerbild-Profis in der vierten Staffel der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“.

Die Stadt Braavos aus „Game of Thrones“  ist in Stuttgart  entstanden – und war einen Emmy wert. Foto: Mackevision
Die Stadt Braavos aus „Game of Thrones“ ist in Stuttgart entstanden – und war einen Emmy wert. Foto: Mackevision

Stuttgart - Schon seit längerem pensionierte Erdkundelehrer mögen von der Stadt Braavos noch nie gehört haben, ihre jüngeren Kollegen vielleicht, deren Schüler ganz gewiss. Braavos liegt in jener Welt, die der US-Autor George R.R. Martin für seine Fantasyromane erfunden hat, auf denen die sensationelle HBO-Serie „Game of Thrones“ beruht. Gleich in deren erster Staffel ist die Rede von Braavos, weil von dort ein schillernder Charakter stammt. Aber wie Braavos aussieht, erfährt man erst in der vierten Staffel. Außer, man arbeitet bei der Firma Mackevision in Stuttgart.

Deren Spezialisten für Computerbilder haben Braavos und viele andere Orte, Landschaften und Heerscharen aus nichts als Pixeln erschaffen. Diese Arbeit, konkret die Bilder der zehnten Folge der vierten Staffel, haben in Los Angeles am Wochenende den Emmy für die besten TV-Spezialeffekte erhalten.

Game of Thrones, Season 4 – VFX making of reel from Mackevision on Vimeo.

Die ganz große Emmy-Show wird in den USA erst am Freitag steigen, wenn die Preise für die besten Serien, und Schauspieler verliehen werden. In der Film- und Fernsehbranche selbst aber wird die vorab über die Bühne gebrachte Verleihung der Technikpreise sehr wohl beachtet. Vielleicht werden die Creative-Arts-Emmys, wie sie heißen, sogar stärker respektiert als die heller ausgeleuchteten Prime-Time-Emmys, weil bei ihnen die Gefahr geringer ist, dass externe Faktoren in die Entscheidung der Fachleute einfließen.

Gut für den Standort Stuttgart

Mit anderen Worten: man muss kein einziges Grad lokalpatriotischer Überhitzung auf dem Thermometer haben, um die Emmy-Entscheidung für äußerst werbewirksam für den Produktionsstandort Stuttgart zu halten. Immer öfter bekommen Firmen aus der Region Aufträge auch aus Hollywood und von großen US-TV-Produktionen. Wobei gerade „Game of Thrones“ beweist, dass bei Edelserien die Herausforderungen kaum noch kleiner sind als bei Kinoproduktionen. Im Gegenteil, man kann die Serienarbeit für schwieriger halten, weil die Produzenten von den Effektfirmen die gleichen Wunder für weniger Geld erwarten.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Emmy-Entscheidung für „Game of Thrones“ Glanz auch ins Schwäbische fallen lässt. 2012 und 2013 wurden Serienfolgen gekürt, an denen die rund um den Globus, aber eben auch in Stuttgart ansässige Firma Pixomondo beteiligt war. Und hier wird die Erfolgsgeschichte der Fantasybilder made in Stuttgart besonders interessant, hier gilt, es, Lehren zu ziehen. Bei Pixomondo arbeiteten damals mit Heiko Burkardsmaier und Jörn Großhans – letzterer einer der ausdrücklich genannten Effektkünstler bei der jüngsten Emmy-Vergabe – Spezialisten, die dann zu Mackevision w echselten.

Im Bereich Werbung und Industriepräsentationen ist die 1994 gegründete Firma Mackevision zwar längst ein Name. Der Einstieg ins heiß umkämpfte Film- und Fernsehgeschäft, das eigenen Regeln folgt, war aber ein spätes Wagnis. Dass Mackevision so schnell an die höchst prestigeträchtigen Aufträge kam, zeigt zweierlei: dass der Kuchen in dieser Zukunftsbranche ständig neu verteilt wird, und dass persönliche Kontakte eventuell wichtiger sind als Firmenschilder. Bei HBO hatte man Vertrauen zu Jörn Großhans und Heiko Burkardsmaier.

Weiche Standortfaktoren sind wichtig

Damit weist der Emmy 2014 nicht nur darauf hin, dass für den Südwesten, jetzt schon ein Kompetenzzentrum in Sachen Computerbilder, noch vieles möglich ist: immer vorausgesetzt, die Förderstrukturen passen sich flexibel dem an, was die Branche benötigt. Es zeigt auch, wie wichtig die weichen Standortfaktoren sind. Wenn sich einzelne Menschen, nicht nur Firmen, an einem Standort wohlfühlen, ziehen sie Aufträge an. Und keiner weiß, welche Aufträge sie mitnehmen würden, sollten sie einmal abwandern.