Emmy-Nominierung für Calwer Filmemacher Folter mit der Sesamstraße

Von Ralf Recklies 

Für seine Dokufilm „Musik als Waffe“ ist Tristan Chytroschek aus Calw für den Emmy nominiert worden. Ein Besuch bei dem Schwaben im Hamburg.

Das Filmplakat von  Chytroscheks Werk „Musik als Waffe“, in dem er zeigt, wie   Musik in den Händen von Militärstrategen zu einem schrecklichen Instrument wird. Foto: a&o buero
Das Filmplakat von Chytroscheks Werk „Musik als Waffe“, in dem er zeigt, wie Musik in den Händen von Militärstrategen zu einem schrecklichen Instrument wird. Foto: a&o buero

Calw/Hamburg/New York - Eigentlich, schießt es mir auf dem Hamburger Flughafen durch den Kopf, hätte ich mir ein Autogramm geben lassen sollen. Von Tristan, meinem Spielkameraden, mit dem ich vor 40 Jahren im katholischen Kindergarten von Calw-Heumaden Legotürme baute und später im Calwer Hesse-Gymnasium Kurvendiskussionen führte. Schließlich ist der Filmemacher als Emmy-Nominierter jetzt eine Größe im internationalen Dokumentarfilmgeschäft. Und bald vielleicht sogar eine Berühmtheit – falls er am Montagabend in New York den Fernseh-Oscar für seine Dokumentation „Musik als Waffe“ gewinnt.

Zwei deutsche Produktionen sind im Wettbewerb um den begehrten Preis dabei. Neben dem für ZDF/arte und den australischen Sender SBS produzierten Film von Tristan Chytroschek, der in der Sparte „Arts Programming“ nominiert ist, kann sich auch die Münchener Loopfilm für ihren Dokufilm „Wettlauf zum Südpol“ Hoffnung machen.

Während ich auf meinen Platz im Flugzeug zusteuere, genießt Tristan Chytroschek an diesem letzten Abend vor seinem Flug nach New York schwäbische Leberspätzle. Regelmäßig kommt in der Hansestadt ein Zirkel von Schwaben zusammen und genießt frisch zubereitete Speisen nach Rezepten aus der Heimat. Bei Linsen mit Spätzle oder Maultaschen wird aber nicht nur über die schwäbische Küche gesprochen, sondern auch darüber, was die Wahlhanseaten zuletzt so alles erlebten. Was Tristan so alles erlebte, hat er mir bei unserem Treffen erzählt.

Die Nachricht, dass er nominiert ist, traf ihn „wie ein Hammer“

Anfang Oktober erfährt der 44-Jährige davon, dass seine 52-Minuten-Dokumentation „Musik als Waffe“ für den Emmy nominiert worden ist. „Ich saß mit einer Freundin bei einem Glas Wein, als das Telefon klingelte. Die Arte-Redakteurin fragte mich, ob ich sitze“, erzählt Chytroschek in seinem Büro an der Außenalster. „Ich hatte geglaubt, dass eine neue Produktion, für die wir gerade in Verhandlungen stehen, gekippt wurde.“ Stattdessen die frohe Botschaft der Emmy-Nominierung. „Das hat mich getroffen wie ein Hammer.“

Ihm ist sofort klar, dass schon die Nominierung des Films die kleine Produktionsfirma mit Büros in Köln und Hamburg in neue Sphären katapultieren kann. Dann würden vielleicht auch die finanziellen Sorgen etwas geringer, von denen die Filmemacher bei jedem neuen Projekt geplagt werden. Für „Musik als Waffe“ war ein Budget von 120 000 Euro vorgesehen. Am Ende kostete der Film 60 000 Euro mehr. „Das wäre fast das Aus für unsere Firma gewesen“, sagt Chytroschek. Nicht nur die Produktionskosten belasteten die Filmemacher. Wenige Tage vor dem Abgabetermin der Produktion verließen Chytroschek die Kräfte. „Zu dem Zeitpunkt waren erst 30 Minuten Film fertig geschnitten.“

Inzwischen ist der Streifen in 18 Ländern ausgestrahlt worden. Nur in den USA wurde er nie offiziell von einem Sender ins Programm genommen. Stattdessen strahlte ihn dort der arabische Sender Al Jazeera aus und löste in der amerikanischen Öffentlichkeit eine heftige Debatte aus.

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