Emmy-Verleihung Drogengangster schlagen Politiker

Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links).Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links).Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links). Foto:   77 Bilder
Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links).Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links). Das Team der mit dem Emmy als bestes Drama ausgezeichneten Serie „Breaking Bad“ feiert: RJ Mitte, Anna Gunn, Dean Norris, Betsy Brandt, Bryan Cranston, Aaron Paul, Bob Odenkirk und Jonathan Banks (von links). Foto:  

Bei der Emmy-Verleihung wurden lauter intelligente Serien wie „Breaking Bad“ ausgezeichnet. Nur die Video-on-Demand-Produktion „House of Cards“ kam zu kurz.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Was den Partyfaktor angeht, konnte mit Deutschlands CDU-Zentrale in der Nacht von Sonntag auf Montag wohl nur ein Ort konkurrieren – das Nokia Theatre in Los Angeles. Dort wurde der 65. Primetime Emmy Award verliehen, der wichtigste Fernsehpreis der Welt. Wenn wir allerdings künftig launige Bilder vom Emmy-Abend 2013 betrachten, werden wir uns wohl daran erinnern, dass hier eine historische Stunde verpasst wurde. Zugegeben, einige Deutsche würden das auch von der Bundestagswahl behaupten.

Erstmals war mit dem neunfach nominierten „House of Cards“ eine direkt fürs Internet, für den Video-on-Demand-Service Netflix produzierte Serie Favorit. Netflix, auch mit der Komödienserie „Arrested Development“ im Rennen, hatte für die ambitionierte, clevere, bissige Serie über das Politikerleben in Washington teure Talente aus Hollywood geheuert, wie Kevin Spacey als Hauptdarsteller, Robin Wright als dessen Partnerin und David Fincher („Seven“) als Regisseur und Produzenten. Netflix bot die Serie auch als Komplettblock am Erstveröffentlichungstag an, verzichtete also auf die häppchenweise Spannungssteigerung. So trug der VoD-Service dem aktuellen Sehverhalten Rechnung. Interessante Serien begleiten uns nicht mehr über Monate und Jahre möglichst wöchentlich, sie werden in rauschartigen Schüben konsumiert. Und sie sind mobil geworden. Dank Tablets und Notebooks schauen Menschen Serien nicht unbedingt von der heimischen Couch aus, sondern auch unterwegs, überall dort, wo sie früher schon Bücher und Zeitungen gelesen haben.

Angst vor der eigenen Courage

All dem hätten die Emmys sich öffnen können. Aber dann haben die Mitglieder der Academy of Television Arts and Sciences wohl doch Angst vor der eigenen Courage bekommen. „House of Cards“ und Netflix als neue Größe in einem vom Grund auf neu zu definierenden TV-Geschäft bekamen einen einzigen Emmy zugesprochen, für die Regieleistung von David Fincher.

Die Enttäuschung über dieses Zaudern kann einem aber paradoxerweise die Freude über die Emmy-Entscheidungen nicht verderben. Die Preise haben heuer lauter gewitzte Serien getroffen und streuten sich auch noch sehr viel breiter als bei mancher früheren Verleihung. Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass all der Enthusiasmus über eine neue Ära des Qualitätsfernsehens in den USA eben nicht nur, wie manchmal geunkt, einer sehr kurzen und fragil dünnen Spitze gilt – auch wenn das Gros des Programmangebots den originellen Serien natürlich weit hinterher hinkt.

Buntscheckige Lebensläufe anstelle strenger Normen

Als beste Dramenserie wurde „Breaking Bad“ auserkoren, die mit der fünften Staffel gerade zu Ende gehende Saga eines todkranken Lehrers, der seine letzten Tage für eine Karriere als Drogenhändler nutzt. Als beste Komödie wurde „Modern Family“ ausgezeichnet, ein brillant geschriebenes und gespieltes Update klassischer Sitcom-Muster, das moderne, buntscheckige Lebensentwürfe an die Stelle der strengen Normen von einst setzt.

Jeff Daniels wurde für seine Rolle des TV-Nachrichtenrebellen in „The Newsroom“ ausgezeichnet, einer Serie, die sich kundig mit dem Qualitätsverfall des TV-Journalismus in den USA auseinandersetzt. Beste Hauptdarstellerin eines Dramas wurde Claire Danes mit ihrer Rolle einer derangierten, obsessiven CIA-Agentin in „Homeland“. Die Gaudi „Veep“ um eine Vizepräsidentin, die alle Grenzen ihres Amtes kennenlernt, hat mit Julia Louis-Dreyfus die beste Hauptdarstellerin und mit Tony Hale den besten Nebendarsteller im Komödiensegment zu bieten. Bester Hauptdarsteller in einer Komödie wurde Jim Parsons für seine Rolle in der kultigen Nerd-Sitcom „Big Bang Theory“.

Die Grenzen zwischen Kino, Internet und Fernsehen verfließen

Ein wenig Zeitenwende war dann aber doch noch auch bei dieser Emmy-Verleihung zu spüren. Steven Soderberghs Produktion „Behind the Candelabra“ über den Las-Vegas-Entertainer Liberace hat mit 23 Millionen Dollar ein ungewöhnlich hohes Budget und mit Michael Douglas und Matt Damon Leinwandstars als Hauptdarsteller. Sie gilt als so gelungen, dass sie beim Filmfestival von Cannes lief, und nach ihrer HBO-Ausstrahlung in USA sogar Kinostarts bekommen wird, in Deutschland bereits kommende Woche. „Behind the Candelabra“ hatte bei den Creative Emmys, die einzelnen filmischen Gewerken gelten, vor einer Woche bereits acht Preise abgeräumt. Am Hauptabend der 65. Emmy-Verleihung gab es erneut drei Preise in der Kategorie Miniserie/TV-Movie: bester Film, beste Regie, beste männliche Hauptrolle. Die Grenzen zwischen Fernsehen, Kino und Internet sind dabei, sich aufzulösen.




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