Emojis in der Forschung Wie Emojis unsere Kommunikation ergänzen

Von Annika Lutter 

Emojis üben vor allem auf jüngere Generationen einen besonderen Reiz aus und können mehr als nur einen Gefühlzustand ausdrücken – ein Gespräch mit dem Experten Anatol Stefanowitsch.

Smiley-Emojis symbolisieren Gefühle Foto: dpa-tmn
Smiley-Emojis symbolisieren Gefühle Foto: dpa-tmn

Stuttgart - Der Ton macht die Musik und bestimmt, wie unser Gegenüber etwas aufnimmt. Auch non-verbale Signale wie Mimik und Gestik haben hierbei einen entscheidenden Einfluss. In schriftlichen Konversationsformen fehlen diese Ausdrucksformen. Marshall Mc Luhan beschreibt in seiner 1964 veröffentlichten Medientheorie, dass das Medium der Schrift seinen Inhalt rein visuell transportiert und das geschriebene Wort weniger emotionsgeladen als das Gesprochene ist. Doch zum Glück gibt es seit dem Ende der 90er Jahre „Emojis“, der Begriff setzt sich zusammen aus den japanischen Wörtern für „Bild“ und „Schriftzeichen“. Die digitalen Bildchen begegnen uns überall. Kein Wunder, denn sie bringen ein bisschen Spaß und Farbe in unsere Textnachrichten.

Emojis können mehr als nur einen Gefühlzustand ausdrücken

„Smiley-Emojis haben vor allem die Funktion, einen bestimmten Gefühlszustand zu signalisieren, was in einer direkten Konversation beispielsweise durch den Tonfall oder das Hochziehen der Augenbrauen ausgedrückt wird,“ erklärt Prof. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler am Institut für englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Um die Verwendung und Funktion von Emojis zu beschreiben, grenzt er die Smiley-Emojis, die eine Fortführung der alten Emoticons sind, von Emojis ab, die Gegenstände, Handlungen oder Situationen beschreiben.

„Bei dieser zweiten Form könnte man zunächst annehmen, dass sie am häufigsten als Ersatz für einzelne Wörter verwendet werden“, erklärt der Sprachwissenschaftler. Typischerweise werden diese Bildzeichen aber als Zusatz hinter dem ersten, schriftlichen Teil einer Nachricht angefügt. Schreibt jemand beispielsweise, dass er sein Auto in die Reparatur gebracht hat, hängt er daran ein Auto-Emoji und einen Werkzeugschlüssel.

Der Emoji-Forscher beschreibt, dass im Messenger jede Nachricht für sich steht, es fehlt am Anfang der Kontext für den Eindruck einer Situation, den es in einer direkten Kommuniktaion immer gibt. Mit Emojis könne gleich wahrgenommen werde, um welche Situation es geht, ohne den dazugehörigen Text gelesen zu haben. „Emojis bringen die sprachliche Nachricht durch die bildhafte Darstellung gleich in einen Situationszusammenhang“, resümiert der Sprachwissenschaftler und bezeichnet dies als „Situative Einbettung“.

„Es hat etwas mit Kreativität zu tun, Sprache und Bilder auf interessante Weise zu kombinieren.“

Anatol Stefanowitsch sieht den Reiz an Emojis hauptsächlich in einem kommunikativen Kontext, er erwähnt aber auch die spielerische Komponente, die die Ideogramme bieten. Beispielsweise beim Versuch, kompliziertere Dinge wie den Besuch eines Konzertes zu beschreiben. Wegen diesem Reiz haben sich bereits Trends entwickelt. Beispielsweise auf twitter versuchen viele User unter „my day in emojis“ (Mein Tag in Emojis) mit den Bildzeichen ihren Tag auszudrücken:

Jedes Jahr wird die Palette an Emojis erweitert. Welche Symbolbilder das sind, entscheidet das Unicode Consortium mit Sitz in Kalifornien, das mit Mitgliedern wie Google, Apple und Microsoft den Internationalen Standard für Schriftzeichen und Symbole betreut. Seit einiger Zeit gibt es Emojis mit verschiedenen Hautfarben, unter anderem deshalb werden die digitalen Bildchen oft als besonders offene, anti-diskriminierende Ausdrucksform interpretiert.

Unter den Emojis gibt es keine weibliche Polizistin

Dass neben dem Bedürfnis, in der Darstellung von Nahrungsmitteln mehr Vielfalt zu haben, auch der Wunsch besteht, nicht nur weißhäutige Menschen zu zeigen, sei interessant, erklärt Anatol Stefanowitsch. Er sieht die Bildzeichen zwar nicht als besonders anti-diskriminierend, aber er ist der Ansicht, dass mit ihnen auf jeden Fall „diverser und etwas diskriminierungsfreier“ kommuniziert werden kann. Doch nicht alle Emojis sind frei von Diskriminierung. Bei Berufs-Emojis beispielsweise gibt es noch keine strikte Unterscheidung zwischen den Geschlechtern, es fehlt unter anderem eine weibliche Polizistin. Hier gibt es bereits Vorschläge, über die das Consortium noch berät, sagt der Wissenschaftler.

Die zahlreichen Wünsche für Emojis kommen aus aller Welt. Bleibt abzuwarten, wie das Consortium Sascha Lobos Vorschlag für einen „Anti-Zwinker-Smiley“ bewertet.