Emons auf der Frankfurter Buchmesse Regional statt global

Wirtschaft: Eva Drews (ave)
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Das Regionalkonzept ist das Erfolgsgeheimnis der Kölner. „In diesem ganzen Globalisierungswirrwarr halten sich die Leute an das, was nah ist“, glaubt der 63-Jährige. In manchen Regionen, ergänzt er, sei Emons für den Buchhandel wirklich wichtig. In der niederrheinischen 30 000-Einwohner-Stadt Wesel etwa habe sich ein dort spielender Krimi gleich 10 000-mal verkauft – ein Verlegertraum. „Zu manchen Händlern liefern wir unsere Bücher palettenweise“, erzählt Emons – gleichzeitig sei die Retourenquote mit nur etwa drei Prozent sehr gering: Regionalkrimis sind kein Saisongeschäft.

Dass das Konzept auch beim Sachbuch gut funktioniert, beweist der Verlag seit ein paar Jahren mit seiner Regionalreiseführerreihe „111 Orte“, die ebenfalls mit einem Köln-Band an den Start ging. Auf jeweils einer Doppelseite beschreiben die Autoren 111 Orte einer Region oder einer Stadt, die nicht dem Mainstream entsprechen, und erzählen dabei Geschichten, die auch für Einheimische interessant sind: Sei es die vietnamesische Großmarkthalle in Berlin-Lichtenberg oder die 14 Travertinsäulen am Stuttgarter Kraftwerk Münster.

Einheimische als Zielgruppe

Die Zielgruppe der Führer waren ursprünglich Einheimische – in manchen Regionen aber verkaufen sich die Bücher auch gut an Touristen. So gut, dass sie sogar mittlerweile auf Englisch angeboten werden. Das gilt etwa für den Berliner Band, der mit 85 000 verkauften Exemplaren derzeit der meistverkaufte Titel ist. Über 80 Einzeltitel wird die Reihe am Jahresende umfassen – mehr als die Hälfte davon ist erst dieses Jahr erschienen.

5,6 Millionen Euro setzt der Verlag mit 16 Mitarbeitern in diesem Jahr um. Emons ist damit ein kleiner Verlag – aber kein winziger. Jedenfalls ist er größer, als Hejo Emons ursprünglich geplant hatte. Zehn bis fünfzehn Jahre habe das Unternehmen kein Geld abgeworfen – was durchaus auch am mangelnden Ehrgeiz seines Inhabers lag, wie der Verleger durchblicken lässt. Dann aber sei irgendwann der Zeitpunkt gekommen, „wo ich dachte: entweder machst du den Verlag jetzt zu, oder du gibst Gas“. Und Emons gab Gas – gemeinsam mit seiner Mannschaft, die die „nicht ganz ernst gemeinte“, spontane Festlegung ihres Chefs, im Jahr 2011 insgesamt 111 Titel verlegen zu wollen, ernst nahm und energisch anpackte.

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