Emons auf der Frankfurter Buchmesse Für Emons ist regional kein bisschen provinziell

Der Verlagsgründer Hejo Emons mit seinem Bestseller über Berlin. Foto:  
Der Verlagsgründer Hejo Emons mit seinem Bestseller über Berlin. Foto:  

Der Kölner Emons Verlag hat sich von Anfang an auf Romane, Bildbände und Reiseführer spezialisiert, die sich auf ein genau begrenztes Gebiet beziehen. Bekannt wurde der Verlag durch seine Reihe „111 Orte in ..., die man gesehen haben muss“.

Wirtschaft: Eva Drews (ave)
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Stuttgart - Stuttgart - Hermann-Josef („Hejo“) Emons’ Verlegerkarriere begann mit einem verlorenen Vorschuss und einem Buch, das nie erschienen ist. Trotzdem ist der Kölner Regionalverlag heute, fast 30 Jahre später, so erfolgreich, dass viele Lesebegeisterte ein Buch von Emons besitzen dürften: Sei es einen Band der Regionalreiseführerreihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“, sei es ein Regionalkrimi oder sei es der historische Roman „Tod und Teufel“ des Bestsellerautors Frank Schätzing, der ebenfalls in Köln erschien.

Alles begann mit einem Freund, der ein Buch über romanische Kirchen in Köln schreiben wollte und darüber klagte, dass er keinen Verleger finde. „Dann mache ich das eben“, habe Emons schließlich gesagt, erzählt er heute, obwohl er als ewiger Kunsthistorikstudent keinerlei Ahnung vom Verlegen hatte. Ein befreundeter Buchhändler half weiter – „ich habe alleine drei Wochen gebraucht zu kapieren, wie man die Mehrwertsteuer aus dem Buchpreis rechnet“, erinnert sich der Unternehmer. Er sitzt am Konferenztisch im Erdgeschoss des Gründerzeithauses, in dem der Verlag seinen Sitz hat. Die Herbstsonne scheint in den romantisch verwahrlosten Hinterhof im Kölner Belgischen Viertel. Es ist eng, und jeder Quadratzentimeter ist mit Kartons belegt, in denen Bücher auf die Auslieferung warten.

Was die Großen machen, aber regional

Trotz eines Vorschusses hat der Freund das Buch über die romanischen Kirchen nie geschrieben – doch die grundlegende Idee, welche Bücher Emons verlegen wollte, hatte sich bei dem damals 34-Jährigen festgesetzt: „Alles was die großen Verlage machen, aber regional.“ Dieses Diktum gilt in der Lütticher Straße 38 bis heute. Und auch die beiden Titel, die der Verlag im ersten Jahr herausbrachte, könnten noch heute – wenn auch überarbeitet – erscheinen: Das gilt für den Regionalreiseführerer „Köln zwischen Himmel und Ääd“, der sich auch mit den schattigen Seiten der Domstadt beschäftigte. Und es gilt auch für den Krimi „Tödlicher Klüngel“ von Christoph Gottwald, mit dem der Verlag die Regionalkrimiwelle losgetreten haben will.

Aber gibt es nicht schon immer Krimis, in denen der Ort der Handlung eine besondere Rolle spielt? „Der Tödliche Klüngel war der erste, auf dem der Ort genannt war: ,Köln-Krimi‘ stand auf dem Titel.“ Beim Lektorat habe er peinlichst darauf geachtet, dass auch die kleinste Ortsschilderung stimme. Kann man an der beschriebenen Stelle tatsächlich links abbiegen? Ist es realistisch, dass der Täter über jene Mauer flüchtet? Emons ist tagelang durch Köln gefahren und hat alles vor Ort ausprobiert – „damals hatten wir schrecklich viel Zeit“, erzählt er schmunzelnd. Damals aber habe er auch nur fünf Bücher pro Jahr verlegt – heute kommen jährlich 180 Titel auf den Markt. Mittlerweile erscheinen Regionalkrimis in Dutzenden Verlagen des deutschsprachigen Raums, und es werden immer mehr. Vom „Tod im Schönbuch“ über die „Mörderische Harzreise“ bis zum „Todesspiel auf Juist“ reicht das Spektrum der Titel, die nicht bei dem Kölner Verlag erscheinen – und bei Weitem nicht alle zeichnen sich durch sprachliche oder inhaltliche Qualität, geschweige denn als handwerklich gut gemachte Bücher aus. Das tue dem eigenen Geschäft aber keinen Abbruch, so Emons, „wir verkaufen jedes Jahr mehr“.

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