Serdar Somuncu inszeniert „Mein Kampf“ in Konstanz Empörungen über Hakenkreuz und Judenstern im Theater

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Serdar Somuncu inszeniert am Stadttheater Konstanz ein Theaterstück und schickt die Zuschauer passend zu Hitlers Geburtstag mit NS-Symbolen in die Aufführung. Viele halten die beabsichtigte Provokation einfach nur für geschmacklos.

Im Nationalsozialismus mussten Hunderttausende in Europa den so genannten Judenstern tragen. Er war das Zeichen ihrer Entrechtung und Diskriminierung. Foto: dpa
Im Nationalsozialismus mussten Hunderttausende in Europa den so genannten Judenstern tragen. Er war das Zeichen ihrer Entrechtung und Diskriminierung. Foto: dpa

Konstanz - Wer im Theatersaal eine Hakenkreuz-Binde am Arm trägt, kommt umsonst rein. Wer sich für einen Davidstern entscheidet, muss zahlen. Was das Stadttheater Konstanz für die Premiere von George Taboris „Mein Kampf“ plant, einem grotesken Theaterstück über Adolf Hitlers frühe Jahre im Wiener Männerwohnheim, ist eine krasse Provokation. Doch vielen geht sie deutlich zu weit.

Die Idee stammt aus dem Umfeld der „Heute-Show“. Der Theaterintendant Christoph Nix gewann Serdar Somuncu als Regisseur, der zum Ensemble der ZDF-Satire-Sendung gehört. Dass seine Inszenierung ausgerechnet am 20. April, Hitlers Geburtstag, Premiere feiere, finde er „ein bisschen albern“, gestand er dem „Südkurier“. Die Idee mit Hakenkreuz und Davidstern, die das Stück schon an der Theaterkasse beginnen lässt und das Publikum zum Teil des Spiels macht, verteidigte der Comedian. Die Kunst müsse auf die radikale Hetze rechter Parteien gegen Minderheiten eine radikale Antwort geben.

„Pervers“

Bisher erntet er Unverständnis. „An Hitlers Geburtstag Hakenkreuze für Freikarten zu verschenken“, sei „pervers“, stellt der emeritierte Geschichtsprofessor Erhard Wiehn in einem Brief an das Theater fest. Der Einsatz von „NS-Davidsternen“ stelle eine Verunglimpfung der Opfer dar. Auch Vertreter der Jüdischen Gemeinden und der Verein der Theaterfreunde übten Kritik. Der Kulturbürgermeister Andreas Osner (SPD) zeigte sich fassungslos. Er werde sich das Stück nicht ansehen.

Die Frage, was es mit einem Publikum macht, das derart bezeichnet nebeneinander sitzt, spielt bisher keine Rolle. Derweil gingen bereits 50 kostenlose Tickets für die 14 geplanten Aufführungen über den Tresen. „Das sind mehr als wir gedacht haben“, sagte eine Sprecherin des Theaters. Nach der Aufführung werden die Hakenkreuze wieder eingesammelt. Die öffentliche Zurschaustellung von NS-Symbolen steht unter Strafe. Im Theatersaal ist das anders, ist Nix überzeugt. Der Intendant ist auch ausgewiesener Jurist.