Empörung über TV-Entertainer Verstehen Sie Hass?

Der Spott des TV-Entertainers Jimmy Kimmel hat die Chinesen zutiefst verärgert. Foto: AP
Der Spott des TV-Entertainers Jimmy Kimmel hat die Chinesen zutiefst verärgert. Foto: AP

Der US-amerikanische Fernseh-Entertainer Jimmy Kimmels verletzte in seiner Late-Night-Show die Gemüter der Chinesen – mit dem Spruch „Alle Chinesen töten? Das ist eine interessante Idee.“ Die Reaktion darauf: lautstarke Empörung.

Korrespondenten: Damir Fras (fra)
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Los Angeles - Vor Jimmy Kimmels Spott ist keiner sicher. Seit zehn Jahren treibt der US-Entertainer in einer Late-Night-Show beim Fernsehsender ABC seine Späße. Sein mitunter bizarrer, grundsätzlich verletzender Humor hat ihm schon einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame eingebracht, und er durfte auch schon einmal das traditionelle Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus moderieren. Der Comedian war auf dem Höhepunkt seiner Karriere, bis er einen Proteststurm auslöste, wie ihn selbst das skandalgewöhnte US-Publikum selten erlebt hat.

Vor ein paar Wochen, als die USA die ganze Welt erstaunten, weil der Streit über die Staatsfinanzen gleich die öffentliche Verwaltung lahmlegte, lud sich der 46-Jährige ein paar Kinder ins Studio nach Kalifornien ein. Er warf die Frage in die Runde, ob jemand eine Idee habe, wie die USA jemals ihre gewaltigen Schulden in China loswerden könnten. Es gehe schließlich um 1,3 Billionen US-Dollar. Da krähte ein Sechsjähriger in Anzug und Krawatte fröhlich über den Tisch, er wisse die Lösung: „Alle Chinesen töten.“ Das Studiopublikum lachte sich schlapp. Und Kimmel erwiderte lapidar: „Alle Chinesen töten? Das ist eine interessante Idee.“

Demonstrationen vor dem Studiogebäude

Wenige Stunden nach der Ausstrahlung erhob sich der Protest. Am Wochenende demonstrierten schließlich rund 1000 Amerikaner chinesischer Abstammung vor dem Studiogebäude in Los Angeles. Kimmel erklärte ihnen, dass er „bei Gott nicht zum Völkermord“ aufrufen wollte. Es tue ihm „sehr, sehr leid“, wenn dieser Eindruck entstanden sei. Das konnte die Gemüter nicht beruhigen. Inzwischen versteht auch die chinesische Regierung keinen Spaß mehr. Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums sagte jetzt, Medien, die zur Verbreitung von Rassismus und Hass beitrügen, handelten unverantwortlich. Auch das Weiße Haus in Washington muss sich demnächst mit Spaßvogel Kimmel beschäftigen. Mehr als 100 000 Unterstützer haben mittlerweile eine Petition an US-Präsident Barack Obama unterzeichnet, in der die Entlassung Kimmels gefordert wird.

Der Sender ABC will sich zu der peinlichen Geschichte nicht mehr äußern, die Szene aber auch nicht mehr senden. Auf Youtube ist sie aber noch zu sehen – mit chinesischen Untertiteln.




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