EnBW-Bilanz Bescheidenheit tut not

EnBW-Chef Frank Mastiaux will seinen Aktionären auch in dürren Zeiten eine Dividende zahlen. Foto: dpa
EnBW-Chef Frank Mastiaux will seinen Aktionären auch in dürren Zeiten eine Dividende zahlen. Foto: dpa

Auch in schweren Zeiten will der Energiekonzern EnBW seinen Eignern eine Dividende bezahlen. Es gibt gute Gründe, warum das fragwürdig ist, kommentiert StZ-Redakteurin Eva Drews.

Wirtschaft: Eva Drews (ave)
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Stuttgart - Eines lässt sich vorneweg feststellen: die EnBW ist im Vergleich zu ihren Konkurrenten auf einem guten Weg. Zwar hat der Konzern – wie fast die ganze Branche – erst spät damit begonnen, sich den neuen Bedingungen auf dem Energiemarkt zu fügen. Seither aber befindet sich der Dampfer EnBW unter Führung seines Kapitäns Frank Mastiaux mit Volldampf auf dem neuen Kurs. Allerdings pflügt das Schiff durch extrem raue See – und eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht.

Das zeigt sich auch an der Bilanz für das vergangene Jahr: Nur durch außerordentliche Wertpapierverkäufe hat die EnBW die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Natürlich steckt mehr als ein reiner Buchgewinn dahinter – die Verkäufe führen ja tatsächlich zu mehr Geld in der Kasse. Nachhaltig und stetig ist das Geschäft aber mit Sicherheit nicht, zumal Finanztransaktionen auch nicht eben zum Kerngeschäft eines Energiekonzerns zählen.

Umso nachdenklicher stimmt die Dividendenpolitik: Zwar soll die Ausschüttung je Aktie von 69 Cent auf 55 Cent sinken – sofern die Aktionäre dem Vorschlag des Vorstands Ende April zustimmen –, aber die Ausschüttungssumme übersteigt mit knapp 150 Millionen Euro den – wie gesagt nur durch einen Einmaleffekt überhaupt erzielten – Gewinn um 25 Millionen Euro. Zumindest ein Teil der Dividende muss also aus der Substanz kommen. Auch wenn Mastiaux und sein Finanzvorstand Thomas Kusterer beteuern, dass sie mit ihrem Vorschlag unterhalb des selbst gesteckten Zielkorridors bleiben: An ihrer Aussage, dass die Ausschüttung den wirtschaftlichen Fähigkeiten des Konzerns entspricht, muss zumindest bei längerfristiger Betrachtung gezweifelt werden.

Die Anteilseigner – das Land Baden-Württemberg und die oberschwäbischen Landkreise der OEW – sind nicht maßlos. Sie akzeptieren sinkende Erlöse. Sollte die See allerdings so rau bleiben wie bisher oder gar ein noch stärkerer Sturm aufziehen, täten die Eigner gut daran, sich auf eine gänzlich ausfallende Zahlung einzustellen. Irgendwann gibt es bei der EnBW nichts mehr zu sparen. Und an Ausschüttungen aus der Substanz können verantwortungsbewusste Eigner kein Interesse haben.

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