EnBW-Projekt E-Biker legen eine Million Kilometer zurück

Von Frederike Poggel 

Seit 14 Monaten werden E-Bikes getestet. Schon vor Projektende sieht sich die EnBW dem Ziel näher, Elektromobilität alltagstauglich zu machen.

Etwa 300 Frauen und Maenner stehen am Sonntag (04.07.10) mit ihren Elektroraedern auf dem Hof des Neuen Schlosses in Stuttgart. Die EnBW Energie Baden-Wuerttemberg nahm mit der Jungernfahrt auf einer Strecke von zwei Kilometern ihre Elektro-Testflotte in Betrieb. Foto: ddp
Etwa 300 Frauen und Maenner stehen am Sonntag (04.07.10) mit ihren Elektroraedern auf dem Hof des Neuen Schlosses in Stuttgart. Die EnBW Energie Baden-Wuerttemberg nahm mit der Jungernfahrt auf einer Strecke von zwei Kilometern ihre Elektro-Testflotte in Betrieb. Foto: ddp

Stuttgart - Man hört sie kaum, riecht sie nicht, sieht sie aber fast überall im Stuttgarter Stadtgebiet: die E-Bikes. Seit 14 Monaten läuft das Projekt mit 500 strombetriebenen "Elmotos" jetzt, rund eine Million Kilometer Asphalt haben die Fahrer geschleift. Genug Anlass für den Konzern  EnBW , seine Probefahrer, genannt Elektronauten, am Samstag und damit zwei Wochen vor Projektende zu einem E-Biker-Treffen auf den Fasanenhof einzuladen - und sich selbst Wind in die Segel zu blasen: "Wir wollten Elektromobilität sichtbar machen. Wir wollten zeigen, dass es so was gibt. Das ist uns gelungen", sagt Pressesprecher Ralph Eckhardt.

Dem Ziel des Projektes, den abgasfreien Fahrspaß fit für den Alltag zu machen, sei man ein Stück nähergekommen. Für welche Belange wird das E-Bike genutzt? Wo fehlen Ladesäulen in der Stadt? Wie wirkt sich die geringe Reichweite von 60 Kilometern auf die Nutzung aus? Das galt es herauszufinden. Dafür wurde per GPS genau übermittelt, welches Fahrzeug wann wohinfährt oder wo es über längere Zeit steht.

Die Ergebnisse: die Räder werden nicht nur in der Freizeit, sondern auch zum Pendeln ins Büro eingesetzt. Viele laden den Akku abends an der Steckdose auf, um am nächsten Tag wieder vollen Saft zu haben. Und in der Innenstadt fehlen Ladepunkte, um den Fahrspaß auch mit größerem Radius zu haben. 200 davon soll es bis Ende des Jahres geben, zugänglich auch für Fahrer, die nicht zur EnBW-Flotte gehören.

3000 Bewerber auf 500 Test-Bikes

"Das E-Bike ist unserer Vorzeigeprojekt", sagt Holger Haas von der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart. Er nennt das Elmoto, das die Stuttgarter Firma ID Bike in Ravensburg produzieren lässt, sympathisch - und nutzt das Mobil, das vom Fahrgefühl irgendwo zwischen Roller und Fahrrad liegt, selbst gelegentlich. Als Chef der regionalen Projektleitstelle hat Haas sich seinerzeit dafür eingesetzt, dass Stuttgart eine von bundesweit acht Modellregionen wurde - und ein Teil der Fördergelder in die Region floss. 20 Millionen Euro hat das Bundesverkehrsministerium für eineinhalb Jahre bewilligt, etwa die gleiche Summe kommt von den Partnern dazu.

Als die EnBW vergangenes Frühjahr Probefahrer suchte, haben sich für die 500 Fahrzeuge 3000 Personen beworben. Unverständlich erscheint da, was einer der Elektronauten zu berichten weiß: "Etwa 50 Teilnehmer sind null Kilometer mit dem Rad gefahren." Weil es ein eigenes Internetportal gibt, in dem jeder Elektronaut mit persönlichem Profil und Fahrleistung verzeichnet ist, konnte er das nachschauen.

"Elektromobilität ist die Zukunft."

Dass dennoch so viele Kilometer gefahren wurden, lässt hoffen für Phase zwei des Förderprogramms, das im Herbst beginnt und für das bereits Anträge gestellt wurden. "In Göppingen und Schwäbisch Gmünd soll ein ganzes Bündel von Elektrofahrzeugen auf die Straße gebracht werden", sagt Haas. Dazu gehören alle möglichen städtischen Mobile wie etwa die Müllabfuhr.

Für Haas steht fest: "Auch wenn die Euphorie gerade gedämpft ist und viel über hohe Preise und geringe Reichweiten diskutiert wird: Elektromobilität ist die Zukunft." Die EnBW will das Umsatteln versüßen: 3950 Euro kostet ein E-Bike; bis Ende Oktober ist es für 3490 Euro zu haben.

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