EnBW-Tochterfirma Senec Neue Brände überschatten Stromspeicher-Tausch

So sieht es in der Firmenwerbung aus: Senec-Heimspecher Foto: Senec

Tausende von Stromspeichern lässt die EnBW-Tochterfirma Senec derzeit austauschen. Nun sorgen neue Brände für Verunsicherung. Ersetzte Geräte seien nicht betroffen, versichert Senec.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Neuer Ärger für die Leipziger EnBW-Tochterfirma Senec: Der groß angelegte Austausch von Stromspeichern für Solaranlagen wird von neuen Zwischenfällen überschattet. Nachdem es zu einzelnen Bränden und Explosionen gekommen war, werden derzeit bundesweit Tausende Geräte vorsorglich durch Modelle mit einer anderen, moderneren Technologie ersetzt. Zugleich werden aus Baden-Württemberg und Norddeutschland weitere Brände bekannt, die in einem Zusammenhang mit Senec-Speichern stehen könnten. Behauptungen und Vermutungen, es handele sich dabei um bereits ersetzte Geräte, wies das Unternehmen „entschieden zurück“. In einem Fall gehe man bereits rechtlich dagegen vor, da falsche Tatsachen behauptet würden. „Kein bereits getauschtes Gerät ist betroffen“, betonte eine Sprecherin und trat damit einer um sich greifenden Verunsicherung unter den Kunden entgegen.

 

Die Senec-Geräte dienen dazu, den in Photovoltaik-Anlagen erzeugten Strom zu speichern. Nachdem es bei bestimmten Baureihen zu mehreren Bränden, Explosionen oder Verpuffungen gekommen war, hatte die EnBW-Tochterfirma zunächst die Kapazität der betroffenen Speicher gedrosselt; darauf reagierten zahlreiche Kunden verärgert. Im Spätherbst 2023 entschloss sich Senec schließlich, die fraglichen Geräte – nach StZ-Informationen handelt es sich um etwa 100 000 – für die Kunden kostenlos auszutauschen. Die meisten hätten das Angebot inzwischen angenommen, berichtete die Sprecherin. Dies belastet das Unternehmen und den Mutterkonzern mit mehreren hundert Millionen Euro. Zugleich wurde die bisherige Firmenchefin abgelöst und durch einen Sanierer ersetzt.

Austausch soll Mitte 2025 abgeschlossen sein

Der Austausch hat planmäßig im Juli begonnen, etwa 18 000 Heimspeicher wurden nach Firmenangaben bereits ersetzt. Bis zum Jahresende soll die Hälfte der Geräte ausgetauscht sein, Mitte 2025 will man die gesamte Aktion abschließen. Dank der eingesetzten Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) arbeiteten die neuen Geräte nicht nur sicherer, sondern auch effizienter.

Entsprechend irritiert waren Kunden angesichts von Berichten über neue Vorfälle. So brannte in Hechingen (Kreis Balingen) Ende August ein Einfamilienhaus, in dem ein Senec-Speicher stand. Das Gebäude war nicht mehr bewohnbar, der Schaden belief sich auf mehrere 10 000 Euro. Die genaue Brandursache und ein möglicher Zusammenhang mit dem Heimspeicher blieben zunächst unklar. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung hatte Senec zunächst nicht sagen wollen, ob es sich um ein bereits getauschtes Gerät handele; dazu dürfe man aus rechtlichen Gründen nichts sagen. Auch in Minden in Nordrhein-Westfalen gab es im September einen Wohnhausbrand, bei dem sich eine Frau nur knapp über das Dach retten konnte. Dort und bei einem Brand in Hannover seien bereits getauschte Geräte betroffen, hatte ein ortsansässiger Betrieb per Rundschreiben gewarnt – was Senec nun klar dementiert. Die eingeschalteten Sachverständigen hätten erhebliche Zweifel, ob die Brände in Hechingen und Minden überhaupt von den Speichern ausgegangen seien; in einem Fall hätten Renovierungsarbeiten stattgefunden.

Kunden ziehen vor Gericht

Unabhängig von den Vorfällen haben einige Kunden das Vertrauen in die technische Kompetenz von Senec verloren – und ziehen vor Gericht. So erstritt die Stuttgarter Kanzlei von Buttlar vor dem Landgericht Schweinfurt ein Urteil, das den Senec-Händler zur Rücknahme des Speichers verpflichtet, gegen Erstattung des Kaufpreises abzüglich eines Betrages für die bisherige Nutzung. Schon die Drosselung des Geräts stelle einen erheblichen Mangel dar, hieß es in dem – noch nicht rechtskräftigen – Richterspruch. In etlichen weiteren Fällen wurden Vergleiche geschlossen. Zu den Verfahren könne man sich nicht näher äußern, sagte die Senec-Sprecherin. Allgemein betonte sie: „Wir freuen uns, dass uns die weit überwiegende Mehrheit unserer Kunden unterstützt und die Vorteile eines Herstellers sieht, der verantwortungsbewusst und transparent handelt.“

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